Im ersten Wahlgang für den Ständerat wurden im Aargau insgesamt 361 041 Stimmen abgegeben. 104 687 davon gingen an Pascale Bruderer, die bishe-rige SP-Ständerätin schaffte damit die Wiederwahl souverän.

Nun kann sie sich entspannen – das tat Bruderer am Donnerstag am Oktoberfest in Baden. Derweil gab ihre Partei eine Empfehlung für Ruth Humbel für den zweiten Wahlgang heraus.

Bruderer selber sagt: «Ein möglichst grosses Feld von Kandidierenden ist bei jeder Wahl wünschenswert, deshalb ist es aus demokratiepolitischer Sicht erfreulich, dass die Wählerschaft nun eine breite Auswahl hat.»

Für sie sei es wichtig, dass die neue Ständevertretung weiter im Sinn des Aargaus politisieren und die Kantonsinteressen erfolgreich vertreten könne. «Dies kann ich mir mit allen drei Kandidierenden vorstellen, deshalb gebe ich persönlich keine Wahlempfehlung ab», hält Bruderer fest.

Juso und Gewerkschaften kritisch

Trotz der SP-Empfehlung: Einheitlich hinter Humbel stehen die linken Kräfte im Aargau nicht. So hat der Gewerkschaftsbund an seiner Delegiertenversammlung beschlossen, keine Wahlempfehlung für die CVP-Kandidatin herauszugeben.

Humbel sei für sie «nicht die bessere Alternative» zu Knecht und Müller, sagte Gewerkschafter-Präsident Kurt Emmenegger. Sie vertrete bei wichtigen sozialpolitischen Anliegen gegenteilige Positionen, befürworte eine restriktive Asylpolitik und sei eine Lobbyistin der Krankenversicherer.

Diskutiert wurde bei der Gewerkschafter-Versammlung auch die Unterstützung einer allfälligen Juso-Kandidatur. Diese kommt nicht zustande, doch die Jungsozialisten kritisieren die Mutterpartei scharf für die Humbel-Empfehlung.

Diese sei ein «Kniefall der SP vor der bürgerlichen Mehrheit», denn aus linker Sicht sei auch die CVP-Kandidatin nicht wählbar.

«Humbels Auslegung mit ihrer Kandidatur gegen den Rechtsrutsch ist mehr als nur fadenscheinig», sagt Juso-Präsidentin Mia Gujer.

Die Listenverbindung bei den Nationalratswahlen habe klar gezeigt, «dass es keinen Unterschied macht, ob man CVP, FDP oder SVP wählt».

Die Juso ruft dazu auf, im zweiten Wahlgang einen leeren Zettel einzulegen. Für eine Protestwahl gibt es seit Freitag eine weitere Möglichkeit. Als vierter hat der parteilose Pius Lischer, der sich primär für ein bedingungsloses Grundeinkommen einsetzt, seine Kandidatur angemeldet.