Die Juso ist die aktivste Aargauer Jungpartei. Erst vor zehn Tagen reichten die Jungsozialisten die Transparenz-Initiative mit über 3000 Unterschriften ein, in der sie fordern, dass Parteien und politische Gruppierungen im Kanton ihre Finanzen offenlegen. Diese Woche haben sie erneut eine Unterschriftensammlung gestartet. Diesmal soll die Jugendkultur gefördert werden. Mit sechs Petitionen verlangen sie vom Grossrat und von der Regierung, mehr zu tun für eine offene Jugendarbeit in den Gemeinden oder den Nachtzuschlag beim öV abzuschaffen. Sie betreiben die Kantonspolitik dabei auf regionaler Ebene: Jeder der teilweise erst kürzlich gegründeten Regionalgruppen bringt eine Forderung aufs Tapet. Anfang Juni wollen die Jungsozialisten die Petitionen einreichen.

Die Juso pachtet das Thema Jugendkultur für sich. Andere Jungparteien haben sie nicht angefragt, um eine breitere Unterstützung für das Anliegen der Jugend zu zimmern. «Das wäre vergeblich gewesen, die anderen Jungparteien sind bisher nicht als Lobbyisten für die Jugendlichen aufgetreten», begründet Juso-Präsident Florian Vock den Schritt.

Kritik der anderen Parteien

Das stösst bei den anderen Jungparteien auf Kritik. «Es ist nicht das erste Mal, dass die Juso uns übergeht», sagt Jeanine Glarner, Präsidentin der Jungfreisinnigen. Sie verweist auf die Petition, welche die Juso im März 2011 gegen eine Regierungsverordnung eingereicht hat. Der Notendurchschnitt für den Übertritt von der Fach- und Handelsmittelschule ans Gymnasium sollte von 4,5 auf 5 angehoben werden. «Es ist schade, dass generell bei Fragen, die Junge betreffen, unter den Jungparteien kein Schulterschluss gesucht wird.»

Bei der jungen CVP lösen die Anschuldigungen Kopfschütteln aus. Präsident Sven Strebel bezeichnet die Vorwürfe Vocks als «happig», aber auch als unberechtigt: «Mit unserer damaligen Initiative zum Steuerabzug der Ausbildung haben wir gezeigt, dass uns die Jungen wichtig sind.» Auch Ömer Oral von den jungen Grünen findet es schade, dass die Juso sie nicht angefragt hat. Oral ist Präsident derjenigen Jungpartei, die bei den letzten Nationalratswahlen im Herbst 2011 am besten abschnitt.

Mehr Wirkung?

«Ich wünschte mir , dass die Juso mit uns den Dialog gesucht hätte», sagt Strebel von der jungen CVP. Glarner von den Jungfreisinnigen pflichtet ihm bei: «Wir hätten uns die Petitionen gerne einmal angeschaut und mit den anderen Jungparteien darüber diskutiert.» Mit mehr Jungparteien im Boot würden die Forderungen zur Jugendkultur auf dem politischen Parkett mehr Wirkung zeigen. Die Petition ist im Grossen Rat nämlich das schwächste Instrument. Das Parlament kann die Forderungen höchstens zur Kenntnis nehmen, zu beschliessen gibt es nichts. Möglich ist, dass die Grossräte die Petitionen nur in der Kommission behandeln und sie gar nicht auf die Traktandenliste des Parlaments setzen. Möglich wäre, dass ein Grossrat die Forderungen später aufnimmt. Das ist auch der Weg, den die Jungfreisinnigen in der Regel wählen. «Das ist erfolgversprechender, als ein paar Petitionen zur Eigenprofilierung zu lancieren», sagt Glarner.

Dass es der Juso nur um Wahlkampf für die kommenden Grossratswahlen im Herbst geht, bestreitet Vock. «Die Forderungen sind wichtige Bedürfnisse der Jugendlichen.» Zudem würde die Juso wegen der kantonalen 3-Prozent-Hürde nicht mit einer eigenen Liste antreten, sondern ihre Vertreter auf der Liste der Mutterpartei verteilen.