Im feierlichen Ambiente auf Schloss Liebegg folgen sich die Höhepunkte Schlag auf Schlag. Die vor Freude strahlenden vier Kategoriensieger nehmen noch viele Gratulationen entgegen, als Kommunikationschefin Claudia Penta vom Finanzdepartement schon das Dessert ankündigen will. Doch da greift überraschend Matthias Müller als Leiter der Abteilung Landwirtschaft ein.

Als Novum kündigt er eine einmalige Auszeichnung für den Förderer der Aargauer Weinkultur an. Dafür brauche es eine hohe Fachkompetenz, Visionen, Vorbildfunktion und überragende Sozial- und Führungskompetenzen, sagt er zu den Bedingungen. «Der Sieger heisst Roland Brogli», ruft Müller, worauf sich die Festgemeinde spontan erhebt, um lange, begeistert und herzlich zu applaudieren.

Die Suche nach dem Aargauer Staatswein 2016

Die Suche nach dem Aargauer Staatswein 2016

Ein Weinglas nach dem anderen wird hier gekippt. Von Hundsverlochete jedoch keine Spur. Roland Brogli und Mitjuroren suchen den Staatswein!

Als verdienten Dank für den Erfinder der Staatswein-Kürung, der den Wein selber liebt. Weil der Staat überall sparen müsse, erhält er aber nur ein schäbiges Vierteli Rotwein. «So geht das nicht», greift hier Präsident Peter Wehrli vom Branchenverband Aargauer Wein ein, um Brogli eine Flasche mit drei Litern Qualitätswein zu überreichen.

Auswahl auf höchstem Niveau

Für die 15-köpfige Jury der Final-Degustation, Laien und Profis, begann der Einsatz schon am Nachmittag im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Unter der bewährten Leitung von Rebbaukommissär Peter Rey hatten Experten im Voraus die besten Weine für die finale Verkostung ausgewählt. Das Probieren und Punktieren ist trotz Konzentration ein reiner Hochgenuss. Denn ob all der Sorgen wegen Frost, Spritzmittel und Fliegen geht eines beinahe vergessen: Der Jahrgang 2015 ist von exzellenter Güte, kaum zu übertreffen.

Alle Rotweine sind von dunkler, dichter Farbe, gehaltvoll und mit schönem Bukett in der Nase, die Riesling-Sylvaner fruchtig und frisch. Bei den weissen Spezialitäten überholt ein hervorragender Pinot Gris 2014 ganz knapp den Sauvignon blanc, den Chardonnay und den Kerner. Aus Laiensicht hat eine solche Degustation einen grossen Schönheitsfehler: Man darf diese wunderbaren Weine zwar mit Nase, Mund und Gaumen beurteilen, aber nicht trinken. Sonst wäre man nach Halbzeit wohl seiner Sinne beraubt. Und man würde allen Tropfen die Höchstnote von 20 Punkten geben.

Einig sind sich Laien und Experten, dass alle Finalweine auch würdige Staatsweine wären. Aber es ist wie im Fussball, gewinnen kann nur einer. Darum sind auch alle Winzerinnen und Winzer der engeren Wahl, ebenso Vorjahressieger, Politiker und Staatsangestellte, zur feierlichen Kürung auf Schloss Liebegg eingeladen.

Hoffen auf die Fortsetzung

Lange wird die Spannung hochgehalten. Zwar wird die Zeit versüsst durch einheimische Speisen vom Hotel Eichberg ob Seengen, Eisberg vom Eichberg, Felchenknusperli, das Rindsfilet natürlich an kräftiger Rotweinsauce. Erst nach Musik von The Brothers und der Festansprache folgen die Höhepunkte. Für Regierungsrat Roland Brogli ist der Aargauer Wein nicht nur eine Herzensangelegenheit, «sondern Genuss und Kulturgut gleichzeitig».

Entsprechend lobt und würdigt er die Arbeit der Winzer. Sommelière und Weinakademikerin Lidwina Weh bittet die Finalisten pro Kategorie auf die Bühne und beschreibt die einzelnen Weine im Detail. Erst danach öffnet sie geheimnisvoll ein Kuvert und gibt bekannt, welcher nun wirklich der Staatswein 2016 geworden ist (siehe Text unten). Worauf es zu Jubel, Freude und Umarmungen kommt.

Die Staatsweine werden an den Empfängen der Regierung ausgeschenkt. Aber nicht nur, denn das Volk schätzt es nicht, wenn nur die Oberen die besten Tropfen geniessen können. Darum ist es Bedingung, dass jeder Teilnehmer mindestens 400 Flaschen der eingereichten Weine am Lager haben muss. Meistens sind die rasch ausverkauft. Auf eine Fortsetzung der Staatswein-Kürung ist zu hoffen, auch wenn ab 2017 ein neuer Finanz- und Landwirtschaftsdirektor das Zepter übernimmt.

Aus 75 Weinen hat die erweiterte AOC-Expertenkommission 17 Weine für die Finaldegustation ausgelesen. In den Kategorien Riesling-Sylvaner, Weisse Spezialitäten und Rote Spezialitäten je vier Weine. Beim Pinot Noir fünf Weine mit nur einem Zehntel Punkt Differenz. Staatswein 2016 Riesling-Sylvaner: Gislifluewii 2015 von der Trimano AG in Aarau. Urkunden erhielten: Ueker Müller-Thurgau von Fehr und Engeli mit Inhaber Urs Gasser, Hornusser Riesling-Sylvaner von der Fürstlichen Weinkultur, Erika und Daniel Fürst, Top of Auenstein von Heinz Simmen, Weinbaugenossenschaft Schinznach. Alle Weine mit Jahrgang 2015. Staatswein 2016 Weisse Spezialitäten: Pinot Gris von der Besserstein Wein AG in Villigen. Urkunden erhielten: Chalmberger Kerner von K. & S. Zimmermann in Oberflachs, Chardonnay Sommerhalde Villnachern von GG Mathys vom Schryberhof, Hornusser Sauvignon Blanc von der Fürstlichen Weinkultur. Staatswein mit Jahrgang 2014, alle anderen mit Jahrgang 2015. Staatswein 2016 bei Pinot Noir/ Blauburgunder: Rohrdorfer Blauburgunder von Louis und Helga Wiederkehr, Birmenstorf. Urkunden erhielten: Wettinger Herrenberg Exklusiv von Paul Steimer, Tegerfelder Pinot Noir Steimüri von Baumgartner Weinbau, Birmenstorfer Pinot Noir Classique von der Weinbaugenossenschaft, Pinot Noir Spätlese von Büchli Weine in Effingen. Alle Weine mit Jahrgang 2015. Staatswein 2016 Rote Spezialitäten: Wiler Pinot Noir Barrique 2013, Guido Oeschger von der Wiler Trotte. Urkunden erhielten: Pinot Noir/Diolinoir 2011 vom Weingut Jürg Wetzel in Ennetbaden, Cuvée Andrea 2013 vom Weingut Gerhard Wunderlin in Zeiningen, Cuvée Classique 2013 vom Weingut Wetzel in Würenlos. (Lü)

Staatswein: 17 Finalisten, 4 Kategorien, 4 Gewinner

Aus 75 Weinen hat die erweiterte AOC-Expertenkommission 17 Weine für die Finaldegustation ausgelesen. In den Kategorien Riesling-Sylvaner, Weisse Spezialitäten und Rote Spezialitäten je vier Weine. Beim Pinot Noir fünf Weine mit nur einem Zehntel Punkt Differenz. Staatswein 2016 Riesling-Sylvaner: Gislifluewii 2015 von der Trimano AG in Aarau. Urkunden erhielten: Ueker Müller-Thurgau von Fehr und Engeli mit Inhaber Urs Gasser, Hornusser Riesling-Sylvaner von der Fürstlichen Weinkultur, Erika und Daniel Fürst, Top of Auenstein von Heinz Simmen, Weinbaugenossenschaft Schinznach. Alle Weine mit Jahrgang 2015. Staatswein 2016 Weisse Spezialitäten: Pinot Gris von der Besserstein Wein AG in Villigen. Urkunden erhielten: Chalmberger Kerner von K. & S. Zimmermann in Oberflachs, Chardonnay Sommerhalde Villnachern von GG Mathys vom Schryberhof, Hornusser Sauvignon Blanc von der Fürstlichen Weinkultur. Staatswein mit Jahrgang 2014, alle anderen mit Jahrgang 2015. Staatswein 2016 bei Pinot Noir/ Blauburgunder: Rohrdorfer Blauburgunder von Louis und Helga Wiederkehr, Birmenstorf. Urkunden erhielten: Wettinger Herrenberg Exklusiv von Paul Steimer, Tegerfelder Pinot Noir Steimüri von Baumgartner Weinbau, Birmenstorfer Pinot Noir Classique von der Weinbaugenossenschaft, Pinot Noir Spätlese von Büchli Weine in Effingen. Alle Weine mit Jahrgang 2015. Staatswein 2016 Rote Spezialitäten: Wiler Pinot Noir Barrique 2013, Guido Oeschger von der Wiler Trotte. Urkunden erhielten: Pinot Noir/Diolinoir 2011 vom Weingut Jürg Wetzel in Ennetbaden, Cuvée Andrea 2013 vom Weingut Gerhard Wunderlin in Zeiningen, Cuvée Classique 2013 vom Weingut Wetzel in Würenlos. (Lü)