Ständeratswahlen

Jungparteien mit anderer Wahl-Empfehlung: Billigen das ihre «Mütter»?

Die Juso bezeichnet die SP als unglaubwürdig - weil diese Ruth Humbel für den 2. Wahlgang empfiehlt.

Die Juso bezeichnet die SP als unglaubwürdig - weil diese Ruth Humbel für den 2. Wahlgang empfiehlt.

Mit ihrer Wahlempfehlung pro Ruth Humbel habe sich die SP unglaubwürdig gemacht, sagt die kantonale Juso-Präsidentin Mia Gujer. Auch die Junge GLP gibt eine andere Wahlempfehlung ab als ihre Mutterpartei – wie kommt das bei dieser an?

Dass sich Mutter und Tochter nicht immer einig sind, gehört zum Familienalltag. Dies gilt aber auch für die Jungparteien Juso und JGLP, die teilweise so gar nicht mit ihren Mutterparteien einverstanden sind.

Die jungen Grünliberalen entschieden sich laut ihrer Medienmitteilung vom Mittwochabend, im zweiten Wahlgang die CVP-Vertreterin Ruth Humbel zu unterstützen. Dies erstaunt insofern, dass sich die Mutterpartei GLP klar gegen eine Wahlempfehlung aussprach – obwohl ihr GLP-Kandidat und Nationalrat Beat Flach bewusst nicht mehr antritt, um eben Humbel im Kampf um den Ständeratssitz zu unterstützen.

GLP unterstützt den gegensätzlichen Entscheid der JGLP

Beat Hiller, Präsident der GLP Aargau, betont sogar, dass der Entscheid der Jungpartei zusammen mit der Mutterpartei gefällt worden sei. Einen Widerspruche sieht er darin nicht: «Wir wollen, wie Beat Flach auch, einerseits die Mitte in Bern zwar stärken, aus kantonaler Sicht möchten wir uns allerdings nicht zu stark in Richtung CVP positionieren.» Dies wohl auch wegen Differenzen mit der CVP-Politik im Grossen Rat.

Diese Differenzen hätten die Politiker der Jungen Grünliberalen hingegen nicht: «Wir sind noch jung und unbelastet», erklärt Dominik Peter von der Jungpartei. So ist die Ausgangslage der beiden Parteien jeweils eine völlig andere, weshalb die GLP den Entscheid ihrer Jungpartei auch begrüsst.

«Wir gehen unseren eigenen Weg, das wollen wir auch zeigen», bekräftigt Peter. Die Mutterpartei unterstützte derweil dieses Vorhaben: «Die Jungen sind unsere Zukunft. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste», erklärt der 59-jährige Hiller schmunzelnd. Man wolle mit dem Entscheid auch ein Zeichen setzen, damit die Junge GLP besser aus dem Schatten ihrer Mutterpartei treten könne.

Die Meinungen der beiden Parteien unterscheiden sich laut Hiller nur geringfügig, meist sei man sich nur in bildungspolitischen Aspekten nicht immer einig. Hierbei spielt oft auch das jeweilige Alter der Politiker eine entscheidende Rolle. «Wir sind gut in der GLP integriert», hält Peter fest, der selbst Präsident der GLP Bremgarten ist.

Juso findet die SP unglaubwürdig

Auch die Juso trat aus dem Schatten der SP, als es um die Wahlempfehlung ging: Die Jungpartei stuft Ruth Humbel aus linker Sicht als nicht wählbar ein und ruft deshalb dazu auf, im zweiten Wahlgang einen leeren Zettel einzulegen. Die Mutterpartei hingegen entschied sich klar für die CVP-Vertreterin, um die beiden Rechtsparteien FDP und SVP in den Ständeratswahlen auszustechen.

Für Mia Gujer von der Juso ist der Fall klar: «Die drei Ständeratskandidaten sind unserer Meinung nach drei Rechts-Politiker.» Dass sie schlicht keine dieser Parteien unterstützen könne, sei für die Jungpartei ein Grundsatzentscheid gewesen. «Dass die SP Humbel empfiehlt, macht die Partei unglaubwürdig», steht für die kantonale Juso-Parteipräsidentin fest.

Gujer sehe es als eine der Aufgaben der Juso an, dass sie ihre Mutterpartei kritisch hinterfragt: «Jemand muss einmal laut werden», betont sie. Generell seien die Jungsozialisten dennoch eng mit der SP verwurzelt: «Eigentlich sind wir praktisch gleich – nur vielleicht etwas bestimmter.» Die Jungpartei sei aber eigenständig und dürfe sich auch von der Mutterpartei lösen.

Darüber hat es laut Cédric Wermuth, Co-Präsident der SP Aargau und Nationalrat, intensive Diskussionen zwischen der SP und der Juso gegeben. Auf einen gemeinsamen Nenner kam man schliesslich nicht: «Klar hätten wir eine Einigung bevorzugt. Aber der eigene Entscheid der Juso ist völlig legitim.» 

Im Kanton Aargau herrsche derweil eine grössere Einigkeit als auf Bundesebene, die Gesinnungen beider Parteien seien daher kantonal relativ nah beieinander. Dass nun die Juso ihre Mutterpartei öffentlich kritisiert, stört Wermuth nicht: «Wir haben die einzige Jungpartei, die auch einmal sagt, was ihnen nicht passt. Darauf sind wir sehr stolz.»

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