Trinkwasser

Jungfreisinnige sind gegen Pestizideinsatz – der Druck auf die Mutterpartei steigt

«Damit staatliche Gelder gesprochen werden, braucht es aus liberaler Sicht starke Argumente», findet Benjamin Riva, Vorstand Jungfreisinnige.

«Damit staatliche Gelder gesprochen werden, braucht es aus liberaler Sicht starke Argumente», findet Benjamin Riva, Vorstand Jungfreisinnige.

Ein bürgerliches Komitee setzt sich im Aargau für ein Ja zur Trinkwasserinitiative ein. Die Thematik sei schon lange ein Anliegen der jungen Partei gewesen.

Die Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für Pestizid- und prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» (Trinkwasserinitiative) wird von Greenpeace und Pro Natura unterstützt und vom Bauernverband abgelehnt. Parteien halten sich grösstenteils noch zurück, wann und ob es zum Urnengang kommt, ist derzeit noch offen. Der Nationalrat lehnt die Initiative ab und hat sich auch gegen einen Gegenvorschlag ausgesprochen.

Dies nicht zuletzt wegen der FDP: Obwohl die Parteileitung einen Gegenvorschlag befürwortete, wollte die Mehrheit der freisinnigen Fraktion davon nichts wissen. Derzeit liegt die Initiative bei der zuständigen Ständeratskommission, diese hat die Diskussion bis auf weiteres verschoben.

Keine Verbote, sondern Anreize

Ausgerechnet bei den Jungfreisinnigen im Aargau tut sich jetzt aber etwas. Sie haben mit grosser Mehrheit die Ja-Parole beschlossen und ein bürgerliches Pro-Komitee gegründet, welches mit einer eigenen kantonalen Kampagne die Trinkwasserinitiative unterstützen wird. Das schreibt die Jungpartei in einer Medienmitteilung.

Unterstützung für die Initiative gebe es nicht trotz, sondern wegen ihrer liberalen Haltung, erklärt Benjamin Riva, Co-Präsident des Komitees und Vorstandsmitglied der Jungfreisinnigen. Weil mit der Initiative keine Verbote geschaffen werden sollen, sei sie für die Partei klar unterstützenswert. «Damit staatliche Gelder gesprochen werden, braucht es aus liberaler Sicht starke Argumente. Diese sind in der konventionellen Landwirtschaft nicht gegeben», sagt Riva.

Staatliche Subventionen müssten effizient und vor allem nachhaltig eingesetzt werden. Die Schäden für Mensch und Natur, welche durch den derzeitigen Pestizid- und Antibiotikaeinsatz der konventionellen Landwirtschaft entstünden, seien immens, das noch zu unterstützen aus liberaler Sicht unhaltbar.

Natürlich seien Umwelt- und Klimaschutz derzeit populäre Themen, dass auch die Jungfreisinnigen mitmischten, sei also nicht überraschend, räumt Riva ein. Aber: «Uns ist die Thematik schon lange ein Anliegen.» Mit dem Vorpreschen und der Gründung des Komitees möchte die Partei Druck ausüben auf Verbände und insbesondere auf die Mutterpartei, die FDP Aargau. Deren Präsident Lukas Pfisterer sagt auf Anfrage: «Die Jungfreisinnigen haben ihre Beurteilung der Initiative bereits vorgenommen. Das zeigt, dass sie engagiert sind.» Die FDP werde rechtzeitig zur Abstimmung eine Parole fassen.

SP und GLP haben Fragen zum Trinkwasserschutz

Trinkwasser ist auch in der kantonalen Politik ein Thema. Im Grossen Rat sind zwei Vorstösse hängig, die sich mit dessen Schutz beschäftigen. Zum einen stellen Thomas Leitch und Martin Brügger (beide SP) Fragen zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit Chlorothalonil und dessen Folgen für das Trinkwasser.

Zum anderen will Adrian Bircher (GLP) wissen, in welchem Ausmass im Aargau Grenzwerte bei Dünger und Pestiziden überschritten werden. Immer wieder seien im Trinkwasser in den letzten Jahren Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft nachgewiesen worden.

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