Versuchter Mord

Junge Mutter wollte ihren Mann mehrfach töten – Forensiker: «Tötungsversuche wirken nur mässig durchdacht»

Zofingerin soll ihren Mann mit Gas, Gift und Benzin zu töten versucht haben

Zofingerin soll ihren Mann mit Gas, Gift und Benzin zu töten versucht haben

Die 33-jährige Frau soll versucht haben, ihren Mann mehrfach zu töten. Dafür wurde sie wegen versuchten Mordes angeklagt. Der bekannte Aargauer Forensiker und Gerichts-Psychiater Josef Sachs ordnet die mutmaslichen Tötungsversuche ein.

Sie hat es versucht. Immer wieder. Mit Feuer, Gift und Gas oder mit der Hilfe eines Auftragskillers wollte sie ihren Mann loswerden. Gelungen ist es ihr nie. Heute sitzt die 33-jährige Ehefrau und Mutter im Gefängnis und wartet darauf, dass ihr der Prozess gemacht wird.

Der letzte Tötungsversuch liegt fast drei Jahre zurück. Am 30. August 2017 ist nachts um 3.30 Uhr im Einfamilienhaus, in dem das Paar mit seinen zwei Kindern wohnte, ein Feuer ausgebrochen. Die Flammen loderten aus dem Fenster im oberen Stock.

Der damals 36-jährige Ehemann konnte zwar sich und die Kinder in Sicherheit bringen. Er erlitt aber schwerste Brandverletzungen und musste mit einem Heli ins Spital geflogen werden. Seine Frau, die damals als SVP-Lokalpolitikerin für den Zofinger Einwohnerrat kandidierte, kam noch am gleichen Tag in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft verdächtigte sie, den Brand absichtlich gelegt zu haben.

Experte zu den Mordversuchen: «Die Taten wirken nur mässig durchdacht»

Experte zu den Mordversuchen

Am Dienstag hat die Oberstaatsanwaltschaft erneut über den Fall informiert. Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm hat gegen die heute 33-jährige Schweizerin Anklage erhoben wegen mehrfachen versuchten Mordes, versuchter Anstiftung zum Mord und qualifizierter Brandstiftung. Konkret wirft die Staatsanwaltschaft der Frau vor, ihren Mann in der Brandnacht mit einer benzingetränkten Decke zugedeckt und diese angezündet zu haben.

Aber nicht nur. Laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft soll die Frau bereits vor der Brandnacht versucht haben, ihren Ehemann mit Gas und Gift umzubringen. Das Gift soll sie gemäss Informationen dieser Zeitung Lebensmitteln beigefügt haben. Ausserdem soll sie versucht haben, ihren Mann durch eine Drittperson – also einen Auftragskiller – töten zu lassen.

Neben mehrfachen versuchten Mordes und versuchter Anstiftung zum Mord wirft die Staatsanwaltschaft der 33-Jährigen auch Betrug, mehrfacher Pfändungsbetrug und mehrfache Urkundenfälschung vor. Sie soll durch «zahlreiche deliktische Handlungen» versucht haben, die Schieflage der Familienfinanzen, für die sie zuständig war, vor ihrem Mann zu verbergen, heisst es in der Mitteilung weiter.

Welche Strafe die Staatsanwaltschaft für die Beschuldigte beantragt, gibt sie erst an der Verhandlung bekannt. Dann wird auch der detaillierte Inhalt der Anklageschrift bekannt.

Mindeststrafe für Mord liegt bei zehn Jahren Gefängnis

Aufgrund der Straftatbestände, die der Beschuldigten vorgeworfen werden, droht ihr aber ziemlich sicher eine über zehnjährige Freiheitsstrafe – auch wenn das Gericht beim «Versuch» die Möglichkeit hat, die Mindeststrafe von zehn Jahren zu unterschreiten. Ebenfalls unklar ist, ob die Frau an einer psychischen Krankheit leidet und deshalb möglicherweise vermindert schuldfähig ist.

Wie immer bei Tötungsdelikten und versuchten Tötungsdelikten wird ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Zu welchem Schluss die Gutachterin oder der Gutachter kam, wird sich erst am Prozess zeigen. Dass die 33-Jährige ganz schuldunfähig ist, ist hingegen eher unrealistisch. Die Staatsanwaltschaft würde in einem solchen Fall, statt Anklage zu erheben, beim Bezirksgericht die Anordnung einer Massnahme beantragen.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft ist am Bezirksgericht Zofingen hängig. Wann es zum Prozess kommt, ist noch unklar. Die Beschuldigte befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug. Sie ist nur teilweise geständig, wie der Sprecher der Aargauer Staatsanwaltschaft gestern auf Anfrage sagte. Für die 33-Jährige gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

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