Rücktritte

Junge lösen Senioren im Gewerbevorstand ab: «Wir wollen eine dauernde Verjüngung»

Der Gewerbeverband-Präsident Kurt Schmid verkündete die Erneuerung des Vorstandes.

Der Gewerbeverband-Präsident Kurt Schmid verkündete die Erneuerung des Vorstandes.

Sylvia Flückiger tritt nach elf Jahren als Vizepräsidentin des Gewerbeverbands zurück. Dieser positionierte sich in Wettingen deutlich gegen die Vollgeld-Initiative und warnte vor der Steuerreform 17.

Im Sport- und Kongresszentrum Tägerhard in Wettingen, das gerade erneuert wird, verkündete Gewerbeverbands- Präsident Kurt Schmid gestern Nachmittag eine Erneuerung des Vorstands.

Hauptgrund: Vor einigen Jahren führte der Verband eine Alterslimite ein – mit 65 ist im Vorstand Schluss. «Wir wollen eine dauernde Verjüngung», erklärte Schmid den 80 Mitgliedern, die zur Delegiertenversammlung gekommen waren. Dieses Jahr trifft es zwei verdiente Vertreter: Martin Sollberger, Aarau, Präsident der Aargauer Sektion des Autogewerbeverbands, sowie Erich Renfer, Präsident des Gewerbevereins Lenzburg und Umgebung.

Quasi vorausschauend tritt der 62-jährige Konditoreiunternehmer Markus Kunz, Frick, sein Amt ab. Weiter scheiden Claudia Hoffmann-Burkart (Kelleramt, Weltreise), Hanspeter Schläfli (Oftringen, Betriebsaufgabe nach Wahl zum Gemeindeammann) und Erwin Baumgartner (Rücktritt als FDP-Grossrat) aus. Alle wurden mit dem «Ehrenhammer», herzlichen Worten und viel Applaus geehrt. Für sämtliche Chargen wurden direkte Nachfolger gefunden und einstimmig gewählt.

Giezendanner für Flückiger

Am meisten Akklamation erhielt aber Sylvia Flückiger (65). Die Holzhandelsunternehmerin aus Schöftland vertrat das Aargauer Gewerbe über elf Jahre lang als Vizepräsidentin. «Du hast das gelebt», lobte Schmid seine «rechte Hand, die immer einen top Job machte». Auch sie tritt altershalber zurück. Die SVP-Nationalrätin versprach, «bis zum letzten Tag der Legislatur in Bern zu kämpfen». An die anwesenden Regierungsräte Alex Hürzeler, Urs Hofmann und Markus Dieth richtete sie einen Wunsch: «Tragen Sie Sorge zu unseren Unternehmungen.»

Ersatz für Flückiger wurde noch keiner gewählt, dies ist die Aufgabe des neuen Vorstands an seiner ersten Sitzung vom 1. Mai. Nominiert für die Nachfolge ist Transportunternehmer und SVP-Grossrat Benjamin Giezendanner, Rothrist. Das Präsidium des Verbandes besteht traditionell aus je einer Vertretung von SVP, CVP und FDP.

Gegen höhere Dividendensteuer

Neben dem personellen Umbau standen zwei politische Themen auf der Agenda. Erstens: Die Vollgeldinitiative, die am 10. Juni zur Abstimmung kommt. Während SVP-Nationalrat Andreas Glarner vor «diesem riskanten, teuren und schädlichen Experiment» warnte, entgegnete Martin Alder vom Initiativkomitee: «Das Experiment findet hier und jetzt statt mit der extremen Ausdehnung der Geldmenge durch die Zentralbanken.» Ziel sei, Geld und Zahlungsverkehr krisenfest zu machen, was im Interesse jedes Unternehmers sein müsste. Mit seinen Argumenten konnte er zwei Gewerbler zu einer Ja-Stimme bewegen. Der Verband fasste indes deutlich die Gegenparole mit 67 Nein-Stimmen.

Unzufrieden ist man beim Gewerbeverband auch mit der Steuervorlage 17, die der Bundesrat zur Vernehmlassung vorgelegt hat. «Wir sind überhaupt nicht glücklich damit, vor allem sind wir gegen die Erhöhung der Dividendenbesteuerung von 40 auf 70 Prozent», sagte Schmid. Überhaupt müsse die Steuerhoheit bei den Kantonen bleiben, sagte der Gewerbepräsident.

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