Ob es an den Herbstferien lag oder an der fehlenden politischen Begeisterung der Jugendlichen: An der diesjährigen Session des Jugendparlaments Aargau waren zehn Personen anwesend – die Ränge im Saal des Aarauer Grossratsgebäudes blieben also grösstenteils leer. «Die Teilnehmerzahlen sind rückläufig», sagt Laura Rufer, Präsidentin des Jugendparlaments. Vor einem Jahr seien noch knapp 30 Personen zur Session erschienen. Es sei zwar schade, aber die Arbeit in kleinen Gruppen habe auch Vorteile: «Jeder kommt zu Wort, jeder kann seine Meinung einbringen und mitdiskutieren.» Ausserdem, und das sei selten, sei von jeder Partei ein Vertreter anwesend. So beispielsweise Aurel Gautschi (Juso) oder Fabienne Luder (Junge Grüne), die im letzten Jahr für ein Mandat im Grossen Rat kandidierte und nun einen Platz im Aarauer Einwohnerrat ergattern will.

Auch GLP-Grossrat Dominik Peter machte im Jugendparlament seine ersten Schritte auf politischem Terrain. An der diesjährigen Session unterstützte er die Jugendlichen beispielsweise beim Erstellen einer Interpellation, half bei der Formulierung und beim Aufbau. «Im Jugendparlament kann man sich ein erstes Netzwerk aufbauen. Die Jungen lernen, wie man ein Projekt führt, diskutiert, zusammenarbeitet und auch wie man Niederlagen am besten wegsteckt», sagt Peter.

Cannabis entkriminalisieren

Die teilnehmenden 15- bis 22-Jährigen, teils mit Anzug und Krawatte, teils mit ärmellosem T-Shirt, wurden in die zwei Gruppen Sicherheit und Umwelt aufgeteilt. Zu Themen, die ihrer Meinung nach repräsentativ für die Bedürfnisse anderer Jugendlichen stehen, wurden Vorstösse erarbeitet. Im Grossratssaal, dort, wo normalerweise 140 Delegierte aus den elf Aargauer Bezirken tagen, kam es zur Abstimmung unter den zehn Anwesenden.

Warum haben Sie an der Session des Jugendparlaments teilgenommen?

Alle Vorstösse wurden von den Jugendlichen angenommen. Darunter der Vorschlag einer kantonalen Vereinheitlichung der Bau- und Nutzungsordnungen aller Gemeinden oder die Interpellation, ob man für die Annahme an eine Polizeischule ebenfalls militärtauglich sein muss. Auch der Schutz vor Cyberkriminalität durch den Kanton wurde diskutiert. Mit zwei Enthaltungen und acht Ja-Stimmen nahmen die Jugendlichen die Entkriminalisierung von Marihuana an, wie auch die Einführung von Cannabis-Schnelltests.

Doch einig waren sich die Nachwuchs-Politiker bei weitem nicht immer. Fleissig debattierten sie ganz nach Vorbild ihrer Parteien, stützten sich bei ihren Argumentationen auf Gesetze und berücksichtigten auch die Konsequenzen ihrer Entscheidungen.

Was die Jugend bewegt

Dominik Peter wird die angenommenen Vorstösse nun dem Grossen Rat präsentieren. Laut Jugendparlament-Präsidentin Laura Rufer erreichte die Session ihr Ziel: «Die Diskussionen waren gut und der Grosse Rat bekommt nun einen Impuls, was die Jugend momentan bewegt.» Obwohl nur zehn Personen anwesend waren, seien die Anliegen repräsentativ, da so viele Teilnehmenden bereits einer Partei angehören würden.

Auch GLP-Grossrat Peter ist mit den Leistungen der Teilnehmenden zufrieden: «Selten entstanden beim Jugendparlament so viele gute Ideen.» Trotzdem bestehe noch «viel Verbesserungspotenzial», wenn es darum gehe, Jugendliche für Politik zu begeistern oder zum Wählen zu animieren.