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Jugendproteste im Aargau: Was die Birmenstorfer Alt-Hippies mit der Badener Klimajugend verbindet

1968, 1980, 2018: Fünfzig Jahre, drei Bewegungen, dreimal Protest. Doch wohin haben die Jugendbewegungen der vergangenen Jahrzehnte geführt? Dieser Frage ist das Team von Zeitgeschichte Aargau auf den Grund gegangen – in Baden und Birmenstorf.

Simone Morger
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Lange Haare, selbstgestrickte Pullover, wuchernde Bärte und neue Musik. Ende der 1960er-Jahre lehnte sich die Jugend gegen die damals geltenden Konventionen auf. In Kommunen auf dem Land widmeten sie sich ihren Lebensexperimenten und forderten so die bürgerliche Gesellschaft heraus.

Zum Beispiel Has, Ewa, Fesi und Ueli. Sie sind noch heute «Lovecraft». So heisst die Band, die gleichzeitig mit ihrer Kommune in einem alten Bauernhaus in Birmenstorf entstanden ist. Die Band gibt es heute noch und die Ideale der Hippies sind noch immer dieselben wie vor 50 Jahren: Liebe, Freiheit, Achtsamkeit.

Das Projekt «Zeitgeschichte Aargau» arbeitet die neuere Kantonsgeschichte auf und ist den Jugendbewegungen der letzten 50 Jahre auf den Grund gegangen. Zwölf Jahre nach 68 folgten die Jugendunruhen von 1980, die ebenfalls in die Aargauer Kleinstädte überschwappten, und exakt 50 Jahre später trieb die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg auch die Schüler in der Region auf die Strasse.

Zorn und Liebe

Der Film spannt den Bogen von den 68ern bis ins Jahr 2019. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sprechen an den Originalschauplätzen über ihre damaligen – und aktuellen – Vorbilder, Träume und Aktionen.

«Love And Peace», «No Future» und «Skolstrejk För Klimatet». Was so unterschiedlich klingt, ist sich schliesslich ähnlicher als gedacht. Den Hippies, den Punks und der Klimajugend geht es in vielen Punkten um dieselben Anliegen.

Vor allem die Alt-68er aus Birmenstorf erkennen sich in den Schülern, die für das Klima auf die Strasse gehen, wieder. «Im Prinizip führen sie unsere damaligen Wünsche in die Realität», sagt Fesi Bugmann, Schlagzeuger der Band «Lovecraft».

Und Klima-Aktivistin Shedea Walser ist zwar «hässig» wie die Punks der 80er, ist sich aber sicher, dass die Anliegen der streikenden Schüler nur mit «Liebe, Harmonie und Frieden» erreicht werden können.

Forschen und Vermitteln

«Zeitgeschichte Aargau» ist ein Forschungs- und Vermittlungsprojekt der Historischen Gesellschaft Aargau. Ein Team aus acht Historikerinnen und Historikern erarbeitet die wissenschaftlichen Grundlagen für die Vermittlung der Aargauer Zeitgeschichte zwischen 1950 und 2000 in verschiedenen Formaten. Der Aargauer Regierungsrat hat beschlossen, das Unterfangen mit Geldern aus dem Swisslos-Fonds zu finanzieren. Mit der Aargauer Zeitung besteht eine Medienkooperation, zudem wird das Projekt von SRF, der Bildagentur Keystone und mehreren Stiftungen unterstützt.

Mehr dazu unter zeitgeschichte-aargau.ch

(pze/smo)

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