Kunststoff-Recycling
Joghurtbecherli und Co.: Immer mehr Gemeinden trennen Kunststoff-Abfall

Nach Glas, Kaffeekapseln, Papier und Karton, PET, Alu, Grüngut und Batterien auch noch Kunststoff: In einigen Aargauer Gemeinden ist das Sammeln von Kunststoffabfall wie Joghurtbecherli angelaufen, andere Gemeinden ziehen jetzt nach.

Katja Schlegel
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Kunststoff-Abfall wie etwa Joghurtbecherli wird immer häufiger getrennt

Kunststoff-Abfall wie etwa Joghurtbecherli wird immer häufiger getrennt

Keystone

Nach Glas, Kaffeekapseln, Papier und Karton, PET, Alu, Grüngut und Batterien auch noch Kunststoff: Noch ein Abfallprodukt, das separat gesammelt werden muss, ist man versucht zu denken. Doch die Schweizer Recycling-Musterschüler trennen gern. So gern, dass sogar die Verantwortlichen der Sammelstellen staunen.

«Der Rücklauf der Kunststoff-Sammelsäcke ist gut», sagt Urs Frey, Verkaufsleiter der Transport AG Aarau. Seit Ende Oktober bietet das Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Urner Paul Baldini AG die Sammelsäcke im Westaargau an.

Über 500 Säcke à 110 Liter, vollgestopft mit Kunststoffartikeln wie Milchflaschen, Plastikverpackungen oder Plastikspielzeug, wurden bereits wöchentlich bei den beiden Recyclingsammelstellen der Transport AG Aarau in Kölliken und Däniken SO abgegeben.

Jedes Kilo ersetzt einen Liter Öl

Weitere Sammelstellen haben die Gemeinden Aarau und Gränichen für ihre Einwohner aufgestellt. «Die Leute hat es gestört, dass sie für das Entsorgen der Säcke nach Kölliken fahren müssen», sagt Urs Teutsch, Leiter des Gränicher Bauamts.

Deshalb habe man bei der Transport AG Aarau einen Entsorgungscontainer organisiert, der rege gefüllt werde – wenn auch nicht immer so, wie es die Vorschriften verlangen: «Es gibt immer wieder Leute, die unerlaubten Abfall oder den Kunststoff lose in den Container schmeissen.»

Teutsch ist vom Angebot des Kunststoffsammelns trotzdem überzeugt: «Man muss sich etwas an der Nase nehmen, um den Joghurtbecher nicht in den normalen Abfallsack zu werfen, aber der Nutzen für die Umwelt ist gewaltig.»

So ersetze jedes Kilo rezyklierter Kunststoff einen Liter Erdöl, Ausgangsstoff von Plastik. Ein riesiges Potenzial bei rund 780 000 Tonnen Kunststoffabfall, die jährlich in der Schweiz anfallen, und von denen bislang nur 90 000 Tonnen rezykliert werden. Ausserdem ist das Entsorgen mit Fr. 3.50 pro 110-Liter-Sack verhältnismässig günstig.

Sortiert und zerlegt wird der Kunststoff durch die Paul Baldini AG, welche die Kunststoff-Sammlung 2009 lanciert hat. Laut Sammelsack-Erfinder Ivo Baldini können 50 Prozent der Abfälle rezykliert werden.

47 Prozent werden zu Granulat verarbeitet und dienen als Ersatzbrennstoff in Zementöfen. Rund 2 Prozent sind elektronische Geräte, 1 Prozent gelangt nach der Sortierung in die Kehrichtverbrennungsanlage (KVA).

Zweifel an der Ökologie des Kunststoffsammelns hat Urs Teutsch keine, auch wenn fast die Hälfte verbrannt wird. Bislang sei sämtlicher Kunststoff mit Ausnahme von PET im Kehrichtsack oder mittels Sperrgut entsorgt und der KVA zugeführt worden.

«Wenn nun gegenüber früher die Hälfte des Kunststoffs rezykliert wird, so ist das schon ein Erfolg und ein grosser Schritt in die richtige Richtung.»

Auch Urs Frey von der Transport AG Aarau teilt die Skepsis nicht: «Die nicht rezyklierbaren 47 Prozent werden unter strengsten Auflagen verbrannt beziehungsweise entsorgt und ersetzen fossile Brennstoffe wie Kohle und Erdöl.»

Neue Sammelstelle in Klingnau

Überrascht von den vielen Entsorgern ist auch Markus Vogel, stellvertretender Werkmeister in Aarau: «Ich hätte nicht damit gerechnet, dass so viele Leute ihren Kunststoff sammeln und separat entsorgen.»

Bisher seien 40 Kubikmeter Kunststoff auf dem Aarauer Werkhof entsorgt worden – rund 360 Säcke voll. Auch beim Bauamt in Seon wurden in den letzten drei Monaten bereits 80 Säcke abgegeben.

Eine weitere Kunststoff-Sammelstelle hat die Häfeli Brügger AG Anfang Monat in der regionalen Sammelstelle in Klingnau eröffnet.

«Wir haben uns der Ökologie zuliebe und den Synergien für unsere Kunden, die unsere Sammelstelle benutzen, dafür entschieden», sagt Guido Vogel, Leiter Marketing und Verkauf. Das Einzugsgebiet dehnt sich übers Fricktal, das Zurzibiet bis hinunter nach Baden aus.

Zweifel an der Umweltverträglichkeit hat auch Vogel keine. «Auch wenn fast die Hälfte des Kunststoffes in den Öfen der Zementfabrik landet, ist es eine gute Sache. Bei den Mengen, die jährlich an Kunststoff anfallen, muss endlich etwas passieren», ist Vogel überzeugt.

Baden klärt ab

In Baden wird derzeit geprüft, ob Kunststoffsammlungen angeboten werden sollen. «Unter anderem klären wir ab, was für Baden Sinn macht, was das kostet, was wie verwertet wird und ob tatsächlich ein ökologischer Mehrwert entsteht», sagt Thomas Stirnemann, Leiter Werkhof.

Ausserdem wolle er abwarten, was die Revisionen des Umweltschutzgesetzes und der technischen Verordnungen über Abfälle auf Bundesebene ergeben.

«Ob und welche neuen Vorschriften für den Bereich Kunststoff gelten, sollte bis Ende 2015 klar sein.»