50 Jahre Zeka
Jobcoach soll künftig Behinderte besser integrieren

In ihrem Jubiläumsjahr geht die Stiftung Zentren Körperbehinderte Aargau (zeka) neue Wege. Ziel des Projektes ist es, die Klienten sorgfältig in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern.

Jörg Meier
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Susanne Schriber (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik), Konrad Stokar (Vereinigung Cerebral Schweiz), Moderatorin Helen Issler, Regierungsrat Alex Hürzeler, Daniela Tenger (Gottlieb- Duttweiler-Institut) und Nationalrat Christian Lohr am Podiumsgespräch beim Jubiläumsanlass der zeka.

Susanne Schriber (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik), Konrad Stokar (Vereinigung Cerebral Schweiz), Moderatorin Helen Issler, Regierungsrat Alex Hürzeler, Daniela Tenger (Gottlieb- Duttweiler-Institut) und Nationalrat Christian Lohr am Podiumsgespräch beim Jubiläumsanlass der zeka.

Mario Heller

Beim jüngsten Projekt der Zentren Körperbehinderte Aargau (zeka) geht es um berufliche Integration. Nach rund einem Jahr intensiver Arbeit stehen, rechtzeitig zum Jubiläum, die wichtigsten Eckpfeiler des Konzepts.
«Soziale Integration erfolgt primär durch die Schule und später durch berufliche Tätigkeit», erklärt Stiftungsleiter Ueli Speich. Im Alltag würden wir uns und die anderen auch stark über Ausbildung und Beruf definieren. Entsprechend entwickelten wir so auch unser Selbstverständnis und Selbstbewusstsein, sagt Speich.
Bezogen auf Menschen mit Behinderung bedeutet dies: Solange sie in Schule, Ausbildung und Arbeit vorwiegend unter sich bleiben, kann auch die Integration in die Gesellschaft ausserhalb nur partiell gelingen. Bisher bestand im vielfältigen Angebot der zeka eine Lücke genau im Bereich der Beratung und Begleitung von Menschen mit Körperbehinderung bei deren Integration in den Arbeitsmarkt.
Diese Lücke soll nun der neu geschaffene Behinderungsspezifische Beratungs- und Begleitdienst (BBB) schliessen. Dazu gehört, dass die Beratung und Begleitung von Lernenden im ersten Arbeitsmarkt sowie die Beratung und Begleitung von Berufstätigen, ebenfalls im ersten Arbeitsmarkt, künftig angeboten wird.

Gelungener Start

Bereits absolvieren zwei Mitarbeitende der zeka an der Hochschule Luzern eine Zusatzausbildung zum Jobcoach. Schon seit Sommer 2015 begleitet man einige ehemalige Schülerinnen und Schüler bei der Integration in die reale Arbeitswelt. Man mache gute Erfahrungen, sagt Speich. «Wir profitieren bei der beruflichen Begleitung und Beratung von unserem Wissen aus der schulischen Integration», sagt Speich.
Künftig können also Schülerinnen und Schüler der Regelschule damit rechnen, dass sie in ihren behinderungsspezifischen Fragestellungen auch in Zusammenhang mit Berufswahl und -vorbereitung kompetent von der zeka beraten und unterstützt werden.
Dieser Support bricht nun am Ende der Schulzeit nicht mehr einfach ab. Die Fachleute von zeka können diese Begleitung neu auch während der beruflichen Ausbildung und der nachfolgenden Berufstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt weiterführen, sofern die Klienten dies wünschen.
Vorgegangen werde nach dem Motto «so viel wie nötig, so wenig wie möglich». Die Beratung von zeka kommt immer dann zum Einsatz, wenn es um die Prüfung und die Umsetzung einer Integration in den Arbeitsmarkt geht. Nicht tangiert wird dadurch die Arbeit der IV-Berufsberatung: Diese kümmert sich auch in Zukunft um alle Schülerinen und Schüler, bei denen es um Fragen einer Berufsausbildung oder einer Platzierung im geschützten Raum handelt.

Einführung im Sommer 2017

«Jeder Mensch mit einer Körperbehinderung ist ein Einzelfall mit einer individuellen Leistungseinschränkung. Entsprechend muss auch für jeden Klienten eine individuelle Lösung gefunden werden», sagt Speich. So suche man mögliche Arbeitgeber, versuche massgeschneiderte Lehrstellen zu schaffen, die auf die Einschränkungen der Lernenden Rücksicht nehmen.
Das funktioniert, wie das Beispiel eines KV-Lernenden zeigt: Der junge Mann leidet an einem Herzfehler, er konnte das KV dennoch absolvieren, allerdings durfte er sich dafür die notwendige Zeit nehmen: Er brauchte fünf statt der üblichen drei Jahre.
Die Arbeitgeber und Lehrbetriebe, die einen Menschen mit körperlicher Behinderung einstellen, wissen um die Einschränkungen der Leistungsfähigkeit. Entsprechend wird auch der Lohn angepasst; die Differenz übernimmt in der Regel die IV.
Ab Sommer 2016 wird in einer Pilotphase das Angebot angepasst und erweitert. Richtig los geht es dann ein Jahr später: Ab Sommer 2017 soll das Beratungs- und Begleitungsangebot allen Interessierten, die berechtigt sind, zur Verfügung stehen. Im Gegenzug wird das interne Berufswahljahr der zeka auf Sommer 2017 abgeschafft.

Lieber weniger Bürokratie

Wenn er zum 50. Geburtstag der zeka einen Wunsch frei hätte, was würde sich Stiftungsleiter Ueli Speich wünschen? «Ich wünsche mir mehr unternehmerischen Spielraum vonseiten der Behörde und etwas mehr Vertrauen in unsere Fähigkeiten», sagt Speich. Er erwähnt, wie der zunehmende Spardruck den Legitimationsdruck erhöhe. «Der bürokratische Aufwand ist enorm», bemängelt Speich. Und er fügt eher scherzhaft an: «Wenn der Schreibkram weiter so zunimmt, sind wir eines Tages so weit, dass wir vor lauter Formulare ausfüllen gar nicht mehr zum Handeln kommen.»

ZEKA: Vom kleinen Schulheim zum veritablen KMU

1966 wurde die Aargauische Stiftung für Cerebral Gelähmte mit einem Stiftungskapital von 1000 Franken gegründet. Trotz Widerstand von verschiedenen Seiten konnte bereits ein Jahr später das Schulheim an der Fröhlichstrasse in Aarau eröffnet werden. Elf Kinder mit Behinderung besuchten damals das Schulheim. Da das Geld fehlte, erklärten sich viele Eltern bereit, zur Vorfinanzierung der Betriebsaufnahme ihre Hypothek auf das Eigenheim zu erhöhen oder ihre Bankbüchlein zu verpfänden.

Das kleine Schulheim von damals hat sich in einem halben Jahrhundert zu einem veritablen KMU entwickelt. Heute sind die Zentren Körperbehinderte Aargau ein Betrieb mit 345 Mitarbeitenden, der 170 Kinder in den Sonderschulen und über 200 Kinder in Regelschulen betreut. Zur Stiftung gehören heute zwei Schulen in Aarau und Dättwil, ein Internat in Aarau, ein Wohnhaus für Erwachsene mit Körperbehinderung in Dättwil und sieben dezentrale ambulante Therapiestellen. Der Ertrag lag 2014 bei rund 29 Millionen Franken, was einem
Einnahmenüberschuss von fast 400 000 Franken entspricht.