Crowdfunding
Jetzt sollen auch Aargauer Bauern im Internet Geld sammeln

Crowdfunding ist zum Millionengeschäft geworden – nun soll auch die Aargauer Landwirtschaft davon profitieren. Beim Aargauer Bauernverband hält man Crowdfunding für eine gute Möglichkeit – das Bedürfnis jedoch für begrenzt.

Manuel Bühlmann
Merken
Drucken
Teilen
Aargauer Bauern nutzen Crowdfunding bislang kaum. Archiv

Aargauer Bauern nutzen Crowdfunding bislang kaum. Archiv

Annika Bütschi

Viele kleine Beträge geben zusammen stolze Summen: Crowdfunding ist hierzulande zu einem Millionengeschäft geworden. 2014 wurden auf den rund 30 Schweizer Plattformen 16 Millionen Franken für 1000 Kampagnen gesammelt. Die Idee: Im Internet stellen Leute ihre Projekte vor, die sie gerne realisieren würden. Wer sich dafür interessiert, kann sich finanziell beteiligen – mit wenigen bis hin zu mehreren tausend Franken.

Bisher profitieren vor allem Musiker, Künstler, Designer. Nun sollen auch Aargauer Bauern auf diese Weise Gelder sammeln. Das Landwirtschaftliche Zentrum Liebegg wirbt im aktuellen Newsletter dafür und plant eine Info-Veranstaltung. «Crowdfunding ist eine gute Alternative, um ein Projekt zu finanzieren», sagt Julia Zuberbühler, Beraterin am Zentrum Liebegg.

Doch in der Landwirtschaft wird diese Option bisher kaum genutzt. Auf «Wemakeit», einem der grösseren Portale, sind bis heute um die 200 000 Franken für landwirtschaftliche Projekte gesammelt worden. Zum Vergleich: Seit diese Plattform vor drei Jahren online gegangen ist, kamen insgesamt zehn Millionen Franken zusammen.

Melina Roshard von «Wemakeit» vermutet, dass bei vielen eine Hemmschwelle bestehe. «Man will nicht betteln.» Dabei habe Crowdfunding nichts mit einer Bettelaktion zu tun. «Die Geldgeber erhalten eine Gegenleistung, wie bei einem Tauschhandel.» Käse, Fleisch, Gemüse oder Ferien auf dem Hof – Bauern haben besonders viele Optionen, um das finanzielle Engagement zu belohnen. Auch deshalb sagt Roshard: «Die Landwirtschaft ist dafür wunderbar geeignet.»

Neue Permakultur dank Crowdfunding

Dass Crowdfunding auf dem Bauernhof funktionieren kann, zeigen die Erfahrungen auf dem Birchhof in Oberwil-Lieli. Knapp 130 Personen wollen dazu beitragen, dass dort eine Permakultur entsteht. Das Ziel: «Garten- und Anbaufläche sollen zugleich Ertrag abwerfen und eine naturnahe, ästhetische Landschaft bilden», sagt Initiant Matthias Brück.

Die Suche nach Unterstützern sei zu Beginn harzig verlaufen, wohl auch deshalb, weil sich nur die wenigsten unter Permakultur etwas vorstellen können. «Eine Band, die ein Album finanzieren will, hat es da wohl leichter.» Doch trotz Startschwierigkeiten war die Sammlung ein Erfolg: 24 000 Franken strebten die Initianten an – am Schluss sind daraus 30 000 Franken geworden. Die Geldgeber erhalten je nach Höhe des Betrags eine Gegenleistung – für 15 Franken gibt es eine «Pro-Specie-Rara»-Tomaten-Führung auf dem Hof, für 4000 Franken den Entwurf für einen umgestalteten Garten. Matthias Brück sieht grosses Potenzial in diesem Finanzierungsmodell: «Viele unterschätzen das Crowdfunding.»

Doch nicht für alle Bauern ist diese Methode geeignet, da sind sich Brück und Zuberbühler einig. Einerseits ist die Suche nach Geldgebern sehr zeitintensiv und setzt eine gewisse Internetaffinität voraus, andererseits geht es auch darum, die Beziehungen zur Spendergruppe zu pflegen. Brück: «Die Leute sollen zu einem Teil des Projekts werden können.» Dazu gehöre zum Beispiel, Leute auf den Hof einzuladen und sie in die Arbeit einzubeziehen. «Das ist nicht jedermanns Sache», sagt Julia Zuberbühler vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg.

Beim Aargauer Bauernverband hält man Crowdfunding für eine gute Möglichkeit – das Bedürfnis jedoch für begrenzt. Geschäftsführer Ralf Bucher: «Ich gehe nicht davon aus, dass dies zum grossen Renner wird.» Die meisten Investitionen würden auch künftig mit Bankkrediten bezahlt. «Bei der Finanzierung neuer Ideen und spezieller Projekte kann Crowdfunding aber durchaus sinnvoll sein.»

Den grössten Vorteil sieht Bucher in der Kundenbindung. «Die Leute investieren in ein Projekt und erhalten dafür Produkte. Das schafft eine emotionale Nähe.» Das hält auch Julia Zuberbühler für den zentralen Pluspunkt, gerade bei Betrieben, die ihre Produkte direkt vermarkten oder Agrotourismus anbieten. Doch bis sich Crowdfunding auf den Aargauer Höfen verbreite, brauche es wohl noch etwas Zeit, sagt Zuberbühler.