Ausbildung
Jetzt soll doch der Kanton für gestalterischen Vorkurs zahlen

Auf das Schuljahr 2019/20 hin will der Kanton die Finanzierung für den gestalterischen Vorkurs einstellen. Die Berufsverbände wollen die Kosten auch nicht tragen, deshalb lanciert CVP-Grossrätin Sabine Sutter-Suter nun einen Vorstoss.

Fabian Hägler
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Farbenfroh im Einsatz für den gestalterischen Vorkurs: Vor zwei Jahren unterschrieben 7200 Personen eine Petition für den Erhalt des Angebots. Archiv

Farbenfroh im Einsatz für den gestalterischen Vorkurs: Vor zwei Jahren unterschrieben 7200 Personen eine Petition für den Erhalt des Angebots. Archiv

Mario Heller

Es ist ein stetiges Auf und Ab für die Verantwortlichen der Schule für Gestaltung, die Schülerinnen und Schüler im gestalterischen Vorkurs und die Grossratsmitglieder, die sich dafür einsetzen. Zuerst wollte der Regierungsrat die Mitfinanzierung ganz einstellen und damit pro Jahr bis zu 300'000 Franken sparen. Dagegen wehrte sich die Schule mit einer Petition, im Herbst 2016 wurden über 7000 Unterschriften eingereicht.

Der Grosse Rat diskutierte mehrere Varianten, schliesslich resultierten eine Gnadenfrist und eine Verpflichtung. Bis Ende des Schuljahres 2018/19 unterstützt der Kanton den Kurs, der Schulabgänger auf eine Lehre in den Bereichen Gestaltung und Kunst vorbereitet, wie bisher. Zugleich musste die Schule für die Zeit danach externe Geldgeber suchen, im Fokus standen die Berufsverbände, die von Absolventen des Kurses profitieren.

Schon im Januar zeigte sich, dass dies schwierig werden dürfte. In der Antwort auf einen Vorstoss von FDP- Grossrätin Jeanine Glarner schrieb die Regierung, sie sehe nur geringe Chancen, dass der Kurs künftig von einer privaten Trägerschaft finanziert werde. Keiner der angefragten Verbände, sei bereit, sich an Kosten zu beteiligen. Trotzdem solle die Schulleitung noch einmal auf Organisationen der Arbeitswelt zugehen, forderte die Regierung. Dies hat die Schule getan – allerdings erfolglos, wie es in einer neuen Motion von CVP-Grossrätin Sabine Sutter-Suter heisst.

Berufsverbände winken ab

Die Schulleitung habe «verschiedene Organisationen kontaktiert (Swiss Graphic Designers SGD, Schweizer Grafiker Verband SGV, Polydesign 3D, Vis-com, Verband Werbetechnik + Print)», hält Sutter-Suter fest. Alle hätten die Bedeutung des gestalterischen Vorkurses betont, «die Übernahme finanzieller Verantwortung jedoch abgelehnt», dies mit diversen Begründungen.

So wurde argumentiert, die Finanzierung der Grundbildung, wozu auch die Vorkurse zählten, sei klar geregelt und obliege den Kantonen. Ebenfalls angeführt wurde, dass die finanzielle Unterstützung einzelner Berufsschulen für einen nationalen Verband nicht möglich sei, da sonst ein Ungleichgewicht unter den Regionen geschaffen würde.

Kanton soll vorläufig zahlen

Sutter-Suter verlangt deshalb, dass der Kanton sich vorläufig weiter an den Kosten des Vorkurses beteiligt. Ihr längerfristiges Ziel ist eine gesamtschweizerische Lösung mit finanzieller Beteiligung der Berufsverbände. Die Regierung solle sich dafür einsetzen und den Grossen Rat regelmässig über den Stand der Abklärungen informieren. Bis diese einheitliche Lösung in Kraft tritt, solle der gestalterische Vorkurs «in der bisherigen Form vom Kanton subventioniert werden».

Für die CVP-Grossrätin steht fest: «Würde der Kanton die Finanzierung ab Schuljahr 2019/20 beenden, wäre dies eine massive Benachteiligung der Kreativwirtschaft im Aargau.» Sie verweist auf Basel-Stadt, St. Gallen oder Zürich, wo die Vorkurse kantonal finanziert seien. Weiter hält Sutter-Suter fest, insbesondere mit Blick auf das Potenzial der Digitalisierung brauche die Kreativwirtschaft gestalterisch gebildeten Nachwuchs. Im Aargau umfasse diese Branche laut dem Magazin «aargau einsA» rund 11 Prozent aller Firmen mit 5 Prozent der Beschäftigten.