Ein Bullmastiff biss im März beim Schulhaus Roggenhause in Unterentfelden drei Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren und zwei Erwachsene. Der neun Monate alte Hund war seinen Besitzern entlaufen. Kinder führten führten ihn auf den Pausenplatz, wo es zu den Beiss-Attacken kam. Die Verletzten mussten medizinisch versorgt werden.

Biss-Attacke in der Primarschule von Unterentfelden (TeleM1, 18. März 2016)

Der gestrige Hunde-Angriff auf einem Schulhausplatz in Unterentfelden schlug hohe Wellen. Jetzt ist klar, um welche Hunderasse es sich handelte.

Der Bullmastiff gehört in den Kantonen Zürich und Tessin zu den sogenannten Listenhunden. Das bedeutet: Wer einen solchen Hund halten will, braucht dafür eine Bewilligung, weil der Rasse ein übermässiges Aggressionspotenzial zugeschrieben wird.

Im Aargau ist eine solche Bewilligung dagegen nicht nötig. EVP-Grossrätin Lilian Studer (Wettingen) und CVP-Grossrätin Edith Saner (Birmenstorf) haben nun ein Postulat respektive eine Interpellation zum Thema eingereicht. In den politischen Vorstössen fordern sie die Aargauer Regierung auf, die Gefährlichkeit des Bullmastiff neu zu überprüfen. Das neue Hundegesetz ist erst vor vier Jahren, am 1. Mai 2012, in Kraft getreten. 

Auf Rassenliste setzen

Studer fordert die Aargauer Regierung gar unmissverständlich auf, den Bullmastiff auf die Rassenliste zu setzen, auf denen Hunde mit erhöhtem Gefährdungspotenzial stehen. Studer: "Insbesondere, nachdem ein Bullmastiff in Unterentfelden fünf Menschen, darunter auch Kinder, gebissen hat, bitte ich nun den Regierungsrat, die Liste noch einmal zu prüfen und allenfalls mit weiteren Hunden mit erhöhtem Gefährdungspotenzial, insbesondere aber mit dem Bullmastiff, zu ergänzen."

Edith Saner verweist in ihrem Vorstoss, der von 14 Ratsmitgliedern mitunterzeichnet wurde, auf die im Vergleich zu anderen Kantonen "grosszügigere Bewilligungspraxis". Sie verlangt von der Aargauer Regierung Auskunft darüber, wie viele Vorfälle mit bewilligungspflichtigen Hunden dem kantonalen Veterinäramt gemeldet wurden, wie viele davon Hunderassen betrafen, für deren Haltung in anderen Kantonen eine Bewilligung nötig ist. 

Sie fragt zudem, ob sich die Aargauer Regierung vorstellen kann, die Bewilligungsliste wegen Vorfällen zu verschärfen. Und sie will wissen, welche Kosten dem Kanton entstehen, wenn ein Hund nach einem Vorfall verwahrt und einer Wesensprüfung unterzogen werden muss. 

Ein solcher Wesenstest fiel bei "Rock", dem Bullmastiff von Unterentfelden, negativ aus. Er biss erneut zu. Ein Entscheid, wie es mit ihm weitergeht, ist noch nicht gefallen. 

«Wenn der Hund wie der Mensch wäre, hätten wir Tausende von Biss-Vorfällen» (TeleM1, 13. April 2016)

Alt EVP-Nationalrat Heiner Studer, Hundetrainer Roman Huber und Alda Breitenmoser vom Aargauer Veterinärdienst über Listen, Rassen und Gesetze. Sehen Sie die wichtigsten Momente aus der Hundebiss-Debatte in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1.