Fussgängerstreifen
Jetzt mehren sich die brenzligen Situationen auf Fussgängerstreifen

In der Dämmerung müssen sich vor allem Fussgänger bemerkbar machen, wenn sie einen Fussgängerstreifen überqueren wollen. Denn in der Winterzeit sind die Sichtverhältnisse aufgrund des schlechten Wetters und der Dämmerung stark eingegrenzt.

Adrian Hunziker
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Seit einer Woche herrscht wieder Winterzeit. Damit steigt die Chance, dass es auf Fussgängerstreifen vermehrt brenzlig werden kann. Denn die eingeschränkten Sichtverhältnisse machen es sowohl für Fussgänger wie auch Autofahrer nicht einfach.

Tipps: Aufeinander achtgeben

Fussgänger sollten wenn möglich reflektierende Kleider tragen, so dass sie von Autofahrern besser gesehen werden. Ausserdem sollte man als Passant auf die Reaktion der Autos schauen. Dann heisst es, sich vor den Streifen hinstellen, um klar anzuzeigen, dass man den Streifen überqueren möchte.
Für Autofahrer gilt, das Tempo den speziellen Wetterverhältnissen anzupassen. Zudem müssen Lenkerin und Lenker für eine einwandfreie Sicht sorgen. Die Scheibe darf weder vereist noch angelaufen sein. Und man sollte seine Aufmerksamkeit nur auf die Strasse lenken und nicht auf ein Handy oder Navigationsgerät. (ahu)

Im Aargau kam es seit der Zeitumstellung bisher nur zu einem Unfall bei schlechten Sichtverhältnissen. Dieser ereignete sich am vergangenen Freitag in Möhlin. Gegen 23.15 Uhr übersah eine 60-jährige Autolenkerin einen 67-jährigen Passanten. Dieser lief gerade über den Fussgängerstreifen vor dem Altersheim, als er vom Auto erfasst wurde. Der Mann wurde weggeschleudert und blieb am Strassenrand liegen. Er erlitt schwere Verletzungen und musste ins Spital gebracht werden. Dort liegt er derzeit immer noch, befindet sich aber nicht in Lebensgefahr.

Im Herbst und Winter verschlechtert sich mit der Dämmerung morgens und abends die Sicht merklich. «Hinzu kommt häufig Regen. Diese Faktoren kombiniert, führen dazu, dass die Schweinwerferlichter der Autos aufgefressen werden», erklärt Roland Pfister, Infochef der Aargauer Kantonspolizei. Wenn sich noch Laub auf der feuchten Strasse befindet, erhöht sich der Anhalteweg – dieser entspricht Reaktionszeit plus Bremsweg – beträchtlich. So kommt es in der Winterzeit vermehrt zu Unfällen auf oder in der Nähe von Fussgängerstreifen. «2011 gab es im Aargau 158 Unfälle, bei denen Fussgänger beteiligt waren», sagt Pfister. Doch nicht alle ereigneten sich auf einem Fussgängerstreifen. Jedoch wurden im letzten Jahr zwei Personen auf den gelben Streifen getötet.

«Der Fussgängerstreifen muss gut beleuchtet sein, sonst ist er insbesondere bei Regen schwierig zu sehen», bestätigt Ruedi Bütler, Geschäftsführer der Firma Tribus, Spezialist für Verkehrstechnik. Doch ihm ist noch viel wichtiger, dass man vermehrt den Fokus auf die Fussgänger richtet und nicht auf den Streifen. «Mir fällt immer mehr auf, dass die Passanten keine Acht geben. Sie laufen drauflos, schauen nicht hin und haben im schlimmsten Fall noch Ohrstöpsel drin, so dass sie auch nichts mehr hören.» Bütler meint, dass die Autofahrer bisher fast übersensibilisiert wurden. Nun müsse man auch den Fussgängern ins Gewissen reden. «Wenn alle Beteiligten aufpassen, gäbe es weniger Unfälle», ist er überzeugt.

Derzeit ist der Kanton daran, bis Ende Jahr die Sicherheit bei 50 Querungsstellen und Fussgängerstreifen, die dringenden Handlungsbedarf aufweisen, zu verbessern. «Die Gemeinden reagieren auf unsere Aufforderungen. Doch es gibt immer noch einige Gemeinden, die sich nicht bei uns gemeldet haben», sagt Stevan Skeledzic, Leiter Fachstelle Verkehrssicherheit. Daher könne er auch keine Zahlen nennen, wie viele der 50 dringlichen Fälle bereits beendet seien.

«Pro Jahr erreichen uns nur wenige Anträge für neue Fussgängerstreifen, die geschaffen werden sollen», erklärt Skeledzic. Es seien weniger als ein Dutzend jährlich. Zudem würden nicht einfach Fussgängerstreifen vom Kanton aufgehoben, wie es kürzlich durch die Medien ging. «Wir nehmen immer Rücksprache mit den Gemeinden und die Situation wird ausdiskutiert», bestätigt Skeledzic.