Regierungsratswahlen

Jetzt kommt es zum Dreikampf: Maya Bally tritt im zweiten Wahlgang nochmals an

Die Plakate und das Konzept für den zweiten Wahlgang hat die BDP schon: Wahlkampfleiter Bernhard Guhl, Kandidatin Maya Bally und Präsident Roland Basler (von links) sind zuversichtlich, was die Chancen angeht.

Die Plakate und das Konzept für den zweiten Wahlgang hat die BDP schon: Wahlkampfleiter Bernhard Guhl, Kandidatin Maya Bally und Präsident Roland Basler (von links) sind zuversichtlich, was die Chancen angeht.

Unter dem Motto «jetzt erst recht» tritt Maya Bally am 27. November zum zweiten Wahlgang für den Aargauer Regierungsrat an. Die BDP-Kandidatin wurde von ihrer Partei mit Applaus nominiert. Damit kommt es zum Dreikampf mit Yvonne Feri (SP) und Franziska Roth (SVP).

An einem Parteitag oder an einer Mitgliederversammlung wird normalerweise über Nominationen entschieden. Nach dem überraschend guten Abschneiden von Maya Bally im ersten Regierungsrats-Wahlgang hatte die BDP kurzfristig für Dienstagabend einen Parteitag einberufen.

Ob diese tatsächlich über eine Kandidatur von Bally im zweiten Wahlgang entscheiden werde, sei aber keineswegs sicher, sagte BDP-Präsident Roland Basler am Nachmittag vor der Versammlung. «Grundsätzlich möchten wir gerne antreten, um in der Mitte eine Alternative zu bieten.» Allerdings nur, wenn Bally von anderen Mitteparteien unterstützt wird – und danach sah es bis gestern Dienstagabend nicht aus.

Der FDP-Parteitag bestätigte den Entscheid der Parteileitung vom Montag, im zweiten Wahlgang offiziell die SVP-Kandidatin Franziska Roth zu unterstützen.

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Applaus und Aufmunterung

Die BDP-Spitze überlegte sich deshalb, sich von der Mitgliederversammlung die Kompetenz geben zu lassen, im Verlauf der Woche im Vorstand über eine Kandidatur zu entscheiden. Doch es kam anders: Die BDP-Mitglieder nominierten Maya Bally einstimmig und mit grossem Applaus für den zweiten Wahlgang. Der Tenor unter den Mitgliedern war einheitlich: Parteipolitik dürfe bei einer Regierungsratswahl keine Rolle spielen, stattdessen gehe es um Kompetenz, Führungserfahrung und die Eignung für das Amt. Bally räumte ein, dass sie auf die Unterstützung der FDP gehofft hatte – noch während der BDP-Versammlung wurde klar, dass die Freisinnigen sie nicht empfehlen. «Doch ich habe diverse Zuschriften von bekannten FDP- und CVP-Vertretern erhalten, die mich gebeten haben, nochmals anzutreten und mir auch ihre Unterstützung im zweiten Wahlgang zusagten.»

Zu verlieren habe die BDP mit einer Kandidatur im zweiten Wahlgang nichts, sagte Bally. «Wir werden uns im Grossen Rat ohnehin einer Fraktion anschliessen, es laufen Gespräche mit GLP, EVP und CVP, damit hätte ich eine Basis», hielt sie fest. Zudem ziele der mögliche Vorwurf der Bürgerlichen, eine Kandidatur von Bally im zweiten Wahlgang würde Yvonne Feri zur Wahl verhelfen, ins Leere. «Ich glaube, dass auch bei einem Duell zwischen Franziska Roth und Yvonne Feri nicht die SVP-Kandidatin siegen würde», machte Bally deutlich.

BDP-Nationalrat und Wahlkampfleiter Bernhard Guhl sagte, wenn die FDP den Mut nicht habe, mit einer eigenen Kandidatur gegen Roth und Feri anzutreten, sei das die Sache der Freisinnigen. «Wir als BDP haben den Mut, wir haben eine gute Kandidatin und wir haben gute Gründe», sagte Guhl. Vor dem ersten Wahlgang hätten sie im Wahlteam mehrere Kriterien definiert, wann Bally nochmals antreten würde. «Mindestens 34 000 Stimmen, Platz sieben oder besser und weniger als 12 000 Stimmen Rückstand auf den fünften Platz.» Dies alles habe Bally erreicht, die Stimmenzahl gar übertroffen und den Rückstand unter 10 000 Stimmen gehalten. «Wenn wir nun verzichten, würden wir mehr als 37 000 Leute enttäuschen, die Maya Bally im ersten Wahlgang ihre Stimme gegeben haben», sagte Guhl.

Er rechnete vor, dass Bally am Sonntag bei den Grossratswahlen mehr Stimmen auf SP-Listen als auf SVP-Listen gemacht habe. «Sie würde also eher Yvonne Feri als Franziska Roth Stimmen wegnehmen im zweiten Wahlgang.» Er wies weiter darauf hin, dass Roth bei ihrer erfolglosen Nationalratskandidatur im Jahr 2011 kaum Stimmen bei Wählern anderer Parteien geholt, Feri bei den letzten Nationalratswahlen hingegen bis weit in die bürgerliche Mitte hinein gepunktet habe.

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«Ich bekomme Mails von gefrusteten FDP-Wählern»: So reagieren BDP-Kandidatin Maya Bally und CVP-Präsidentin Marianne Binder am Dienstagnachmittag auf den Sinneswandel bei der FDP.

Guhl sagte weiter, das Wählerpotenzial in der Mitte sei mit rund 40 Prozent am grössten, jenes auf der rechten Seite liege bei 32 Prozent, das von Links-Grün bei rund 26 Prozent. «Insofern sehe ich eine gute Chance für Maya Bally, wenn es uns gelingt, die Mitte von ihr zu überzeugen.» Dies gelte auch, wenn FDP und CVP sie nicht offiziell unterstützten. «Die Basis der Mitteparteien hat grosse Sympathien für sie, das haben wir in vielen Gesprächen immer wieder herausgehört.»

Konzept und Plakate sind bereit

Guhl präsentierte der Mitgliederversammlung gleich das neue Wahlplakat, das Bally mit dem Slogan «jetzt erst recht» zeigt. Auch ein Konzept für den zweiten Wahlgang sei schon ausgearbeitet und liege bereit, sagte der Nationalrat. Ob es noch offizielle Unterstützung für Bally gibt, ist derweil unklar. «Wir haben bisher eine Zusage der EVP», sagte BDP-Präsident Roland Basler. Diese hatte Bally im ersten Wahlgang schon empfohlen. Die GLP sei gespalten, ergänzte Basler.

Tweet: GLP zu Nomination Bally

Kurz danach teilten die Grünliberalen per Twitter mit, dass Ruth Jo. Scheier am 27. November nicht mehr antritt und die Partei stattdessen die BDP-Kandidatin unterstütze. "Wir empfehlen für Maya Bally für den 2. Wahlgang und rufen CVP und FDP auf, mit uns gegen die politische Polarisierung einzustehen", hiess es im Tweet. GLP-Präsident Beat Hiller hatte zuvor auf Anfrage der az gesagt, man sei grundsätzlich für alles offen. Franziska Roth erhalte «höchstwahrscheinlich keine Unterstützung, bei Yvonne Feri sind die Meinungen gespalten», sagt der Präsident der Grünliberalen. Sollte es am Ende auf eine Kandidatin der Mitte hinauslaufen, fragt Hiller, wer denn die Mitte sei: «Falls sie am Schluss ‹nur› aus BDP, GLP und EVP bestehen sollte, hätten wir keine Chance.»

Damit liegt der Ball nun bei der CVP, die heute Mittwochabend ihren Parteitag abhält – mit der Nomination von Maya Bally präsentiert sich die Ausgangslage für sie nun klarer. Die CVP-Geschäftsleitung trifft sich um 18.30 Uhr zur Lagebesprechung, um mit einem Vorschlag in die anschliessende Delegiertenversammlung zu gehen. 

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