Vor dem Aldi in Oberentfelden steht ein gelbes, längliches Ding. Es sieht aus wie ein Bancomat mit Schliessfächern. Nur viel eleganter in der Form. Die Kunden gehen achtlos daran vorbei. Kein einziger bleibt stehen und kümmert sich um den geheimnisvollen, ziemlich einsamen gelben Kasten.

«Keine Ahnung, vielleicht etwas mit der Post?», vermutet der Monteur, der vorbeihastet. «Vielleicht Postfächer für Aldi?», mutmasst eine junge Frau. Sie kauft hier regelmässig ein. Der Aldi sei günstig, liege am Weg und habe genügend Parkplätze. Wie lange das gelbe Ding schon dasteht, weiss sie nicht.

Rund um die Uhr

Beim einsamen gelben Kasten handelt es sich um einen Paketautomaten. Drei davon gibt es im Aargau. Einer steht in Spreitenbach beim Shoppy Tivoli, einer in Seon beim Biomarkt Yardo, der dritte eben im Industriegebiet von Oberentfelden, vor dem Aldi.

Paketautomaten gehören zu den neueren Erfindungen der Post. Sie heissen «My Post 24» und sind eine Konzession an den mobilen Menschen. Sie ermöglichen es, dass man während 24 Stunden pro Tag Pakete abholen und abschicken kann. Wer sich also das Zalando-Paket in den Automaten vor dem Aldi in Oberentfelden schicken lässt, kann es dort jederzeit abholen und braucht nicht mehr auf irgendwelche Postöffnungszeiten zu achten.

Und wer dann von den neuen Sneakers nicht überzeugt ist, kann sie sofort wieder dem Automaten zurückgeben. Egal, ob das morgens um drei oder am Sonntagnachmittag geschieht. Man muss nur wissen, wie das alles geht. Das ist nicht ganz einfach. Aber wer den neuen Billettautomaten der SBB beherrscht, wird auch den Paketautomaten rasch in den Griff kriegen, inklusive obligatorisches Login-Verfahren. Die Nutzung ist kostenlos – und wenn ein Paket den Automaten erreicht, wird der Empfänger sogleich per SMS oder E-Mail benachrichtigt.

Mit den allzeit verfügbaren Paketautomaten reagiere man auf das veränderte Kundenverhalten, erklärt Post-Mediensprecher Bernhard Bürki. Der Paketversand wächst kontinuierlich, vor allem dank dem Internethandel. Der Paketautomat bringt eine neue Freiheit: den freien Zugang zum eigenen Paket – und das zu jeder Zeit.

Auch Firmen können den Automat nützen und für ihre Kunden Pakete deponieren – zum Beispiel Apotheken Medikamente oder Buchhandlungen Bücher für ungeduldige Leseratten.

Kein Ersatz für Poststellen

In der Schweiz gibt es bisher 35 Paketautomaten. Sie stehen an Zentrumslagen, in Wohnquartieren oder bei Einkaufszentren. Mit dem Erfolg sei man zufrieden, sagt Mediensprecher Bürki: «In der ganzen Schweiz versenden und empfangen unsere Kunden täglich mehrere hundert Pakete über die My- Post-24-Automaten.»
Das ist noch nicht besonders viel. Man steht aber auch erst am Anfang. Die ganze Schweiz soll schon bald flächendecken mit Paketautomaten ausgerüstet werden. Schon nächste Woche will die Post informieren, wie, wann und wo das geschehen wird.

Muss man also damit rechnen, dass zwar die Paketautomaten in die Dörfer kommen, dafür aber noch mehr Poststellen verschwinden werden? «Ganz klar nein», sagt Bernhard Bürki. «Die My-Post-24-Automaten sind kein Ersatz für Poststellen, Postagenturen oder andere Zugangspunkte. Sie sind ein zusätzliches Angebot der Post.»

Pakete abholen kann man auch an den sogenannten Pickpost-Stellen, die gemäss Mediensprecher Erich Schmid im Aargau «teilweise bei Poststellen, teilweise bei Partnern» angesiedelt sind. 61 solche Stellen gibt es im Aargau – wer selten zu Hause ist, wenn der Postbote kommt, kann Pakete dorthin schicken lassen und später abholen.

Daneben bietet die Post an 59 Orten im Kanton den Hausservice an, also die Abwicklung aller Postgeschäfte direkt an der Haustür. Ausserdem gebe es im Aargau drei separate Aufgabestellen für Geschäftskunden – in der Telli Aarau, in Baden und in Klingnau.

Poststellennetz wird überprüft

Dennoch werde das Poststellennetz dauern überprüft – auch im Aargau, wie Erich Schmid erklärt. Wie viele und welche Poststellen betroffen sein könnten, sagt er aber nicht. «Die Post ist laufend und an zahlreichen Standorten im Gespräch mit den Behörden.» Es sei offen, ob sich aus diesen Gesprächen eine Veränderung beim lokalen Postangebot ergibt – ein neuer Standort oder eine Alternativlösung wie eine Postagentur oder der Hausservice.

«Falls ein Entscheid fällt, informiert die Post in Absprache mit den Behörden jeweils unverzüglich die Bevölkerung», sagt Schmid. Dies mit Rücksicht auf die Mitarbeitenden, die ein Recht darauf hätten, als Erste informiert zu werden. Schmid betont: «Sicher ist, dass die Post weiter mit einem flächendeckenden Netz an Poststellen und Postagenturen präsent bleiben wird.»

Der gelbe Paketautomat vor dem Aldi in Oberentfelden steht derweil noch immer unbeachtet in der Mittagssonne. Wahrscheinlich kommen die echten Paketjunkies erst zwischen Mitternacht und Morgengrauen.