Jägerschulung
Jetzt kann im Aargau die Jagd auf Rabenkrähen beginnen

Die ersten Jäger in Muri und Birmenstorf sind geschult. Nun soll die Jagd auf Rabenkrähen bald auch in weiteren Regionen beginnen.

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Krähen und ihre Nester in den Baumwipfeln findet man in den meisten grösseren Ortschaften.

Krähen und ihre Nester in den Baumwipfeln findet man in den meisten grösseren Ortschaften.

Toni Widmer

Die Krähen bedienen sich gerne auf den Feldern, fressen gesäte Setzlinge oder zerpflücken mit ihrem Schnabel Salatköpfe. Aargauer Gemüsebauern schätzen den Schaden 2015 auf 300 000 Franken. Ein Pilotprojekt, das im März gestartet worden ist, soll dabei helfen, Krähenbestand und Ernteverluste zu reduzieren.

Dazu sind inzwischen je acht bis zehn Mitglieder der zuständigen Jagdgesellschaften aus Birmenstorf und Muri geschult worden. Denn die Jagd auf die lernfähigen Rabenkrähen ist anspruchsvoll. Deshalb sei spezielle Ausrüstung nötig, sagt Reto Fischer von der Sektion Jagd beim Kanton.

Zum Einsatz kommen sogenannte «freundliche Lockbilder»: Dabei werden auf schadengefährdeten Feldern über 20 Attrappen aufgestellt, die kaum von echten Vögeln zu unterscheiden sind und die Neugier ihrer Artgenossen wecken. Kommen die Krähen angeflogen, werden sie mit der Schrotflinte aus einer Deckung heraus erlegt. An den Schulungstagen wurden um Birmenstorf 19 und um das Murimoos 37 Abschüsse gezählt, weitere sollen folgen.

Warnung vor falschen Erwartungen

Reto Fischer warnt allerdings vor falschen Erwartungen: «Der Bestand lässt sich nicht mit zwei, drei Jagden reduzieren.» Dazu brauche es auch Massnahmen, um die Krähen von den Feldern fernzuhalten. Ein Beispiel aus dem Murimoos: Die offene Kompostierung soll abgedeckt werden, um den Vögeln eine willkommene Nahrungsquelle zu nehmen.
Ein wichtiges Ziel sei in den ersten Monaten des Pilotprojekts bereits erreicht worden, sagt Fischer. «In Birmenstorf und Muri organisieren sich Jäger und Bauern nun untereinander und sprechen sich ab.» Auf diese Weise lasse sich kurzfristig festlegen, wann die Jagd am meisten Sinn macht, um so Ernteausfälle zu verhindern.
Eine mögliche Massnahme, die allerdings noch nicht zum Einsatz kam, sind Krähenfallen, welche die Vögel mit Ködern anlocken und zuschnappen, sobald sie drinsitzen. Doch darauf sei bislang bewusst verzichtet worden, sagt Reto Fischer. Krähen hinter Gittern, die sie nicht mehr lebend verlassen – das kommt bei vielen Leuten schlecht an. Deshalb hofft man beim Kanton, auf die Fallen möglichst verzichten zu können.

Die nächsten Problemregionen

Das Pilotprojekt stösst auch so schon auf die Kritik von Umweltverbänden. Zuerst hiess es zwar, BirdLife und Pro Natura würden das Vorhaben mittragen. Nach heftigen Reaktionen des Vereins «Wildtierschutz Schweiz» – «skandalös», «Armutszeugnis» – ging BirdLife sogleich wieder auf Distanz. Abgesprochen sei nur gewesen, dass der Verband keinen Widerstand leiste, erklärte Geschäftsführerin Kathrin Hochuli.
Das Pilotprojekt läuft noch bis Ende Jahr und wird anschliessend ausgewertet. Doch bereits jetzt steht fest: Das Jagdgebiet soll auf weitere Problemregionen ausgedehnt werden. In Wohlenschwil, Mellingen und Villigen laufen entsprechende Gespräche mit den zuständigen Jagdgesellschaften.

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