Pandemie
«Jetzt ist einfach genug»: Der Aargauer Gastro-Verband schickt Alain Berset einen offenen Brief

Weil keine Planungssicherheit herrscht und immer wieder neue Anpassungen vorgenommen werden müssen, wehrt sich nun der Aargauer Gastro-Verband mit einem offenen Brief in Richtung Bern.

Raphael Karpf
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Der Vorstand von Gastro-Aargau - Präsident Bruno Lustenberger hinten rechts - versammelt vor dem offenen Brief von Alain Berset.

Der Vorstand von Gastro-Aargau - Präsident Bruno Lustenberger hinten rechts - versammelt vor dem offenen Brief von Alain Berset.

Zur Verfügung gestellt

«Wir haben für die Massnahmen aus Bern immer Verständnis gehabt», sagt Bruno Lustenberger, Präsident von Gastro Aargau, am Telefon. Es tönt fast etwas entschuldigend. Als wolle er das abfedern, was nun kommt: «Doch jetzt ist einfach genug. Woche für Woche passt der Bundesrat die Auflagen für die Gastronomie an. Wir kommen gar nicht mehr nach, unsere Schutzkonzepte anzupassen und zu kommunizieren. Es ist eine Katastrophe. Und wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wir haben keine Planungssicherheit.»

Darum bekommt Alain Berset Post von Gastro Aargau. Der Branchenverband kritisiert deutlich das Vorgehen des Bundesrates. So schreibt der Verband: «Das Gastgewerbe hat eine schwierige Zeit hinter sich. Leider sieht auch unsere Zukunft – mit Ihren teils wöchentlich ändernden Entscheiden – mehr als düster aus. Wenn Sie jetzt unsere Betriebe wieder schliessen wollen, indem Sie den Druck auf die Kantone erhöhen, dann stehen viele unserer Mitglieder vor einer mehr als ungewissen Zukunft. Unsere Reserven sind fast vollständig aufgebraucht!»

Alain Berset an der Medienkonferenz vom Dienstagabend:

Restaurants seien gar nicht die Hotspots für Ansteckungen

Der Verband äussert sein Unverständnis über die Massnahmen, seien doch Restaurants gar nicht die Hotspots für Ansteckungen. Und er kritisiert, es gebe zu wenig Unterstützung: «Zwar gibt es allerlei Abfederungsmassnahmen, für die wir durchaus dankbar sind. Man beraubt uns aber der Einnahmen und lässt uns auf einem grossen Teil der Kosten sitzen.» Spätestens als das Parlament beschlossen hatte, KMU bei der Miete nicht entgegenzukommen, habe sich die Politik vollends von den Unternehmern abgewandt.

«Wir wollen nichts geschenkt!», heisst es weiter. Aber es brauche Lösungen. «Mit den jetzigen Härtefallmassnahmen, die bei uns kaum greifen, können unsere Mitgliederbetriebe nicht überleben. Wenn Sie uns wieder in ein faktisches Berufsverbot treiben, ohne eine adäquate Lösung für die hohen Fixkosten zu bieten, sind unsere Mittel definitiv und sehr rasch ausgeschöpft.» Die Schutzkonzepte würden funktionieren, das beweise die tiefe Zahl der Ansteckungen, steht abschliessend im Brief. Zusammen mit der Aufforderung: «Also lassen Sie uns arbeiten.»

Die drei Pfeiler des neuen Massnahmen-Pakets