Vor vier Jahren wurden gleich acht Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bezirk Baden in den Nationalrat gewählt: Luzi Stamm (SVP), Cédric Wermuth (SP) und Geri Müller (Grüne) aus der Stadt selber, zudem Hans Killer (SVP, Untersiggenthal), Max Chopard (SP, Nussbaumen), Yvonne Feri (SP, Wettingen), Ruth Humbel (CVP, Birmenstorf) und Bernhard Guhl (BDP, Niederrohrdorf) aus dem Umland. Damit kommt über die Hälfte der 15 Aargauer Nationalräte aus dem Bezirk Baden. Zwar ist Baden der einwohnerstärkste Bezirk des Kantons, dennoch ist er in Bern massiv übervertreten. Bei einem Bevölkerungsanteil von 21,4 Prozent stellt der Bezirk Baden 53,3 Prozent der Nationalräte.

Wie könnte die Verteilung der Aargauer Nationalräte auf die Bezirke nach den Wahlen vom 18. Oktober aussehen? Zuerst einmal verliert der Bezirk Baden drei Sitze: Hans Killer (SVP) und Geri Müller (Grüne) treten nicht mehr an, Cédric Wermuth (SP) ist inzwischen nach Zofingen gezügelt.

Doch diese Verluste könnten bei den Wahlen gleich wieder kompensiert werden, wenn man von diesen Szenarien ausgeht: Die CVP holt den 16. Sitz, welcher dem Aargau aufgrund des Bevölkerungswachstums neu zusteht. Dieser geht an Marianne Binder (Baden). Bei der FDP wird Philipp Müller (Reinach) in den Ständerat gewählt. Den frei werdenden Platz im Nationalrat holt Thierry Burkart (Baden). Bei den Grünen ersetzt Kantonalpräsident Jonas Fricker (Baden) den nicht mehr antretenden Geri Müller.

Möglich wären künftig sogar neun Mandate für den Bezirk Baden – dann nämlich, wenn der bekannte Unternehmer und Grossrat Martin Keller (Obersiggenthal) bei der SVP den frei werdenden Sitz von Hans Killer holt.

Es gibt aber auch ein Verlust-Szenario für den Bezirk Baden – dieses sieht so aus: Bei der CVP holt Ralf Bucher (Mühlau) den zweiten Sitz, damit wäre der Bezirk Muri wieder im Nationalrat vertreten. Bei der SP überholt der bekannte Strafrechtsprofessor Martin Killias (Lenzburg) den bisherigen Nationalrat Max Chopard. Bei den Grünen wird die klar links politisierende Irène Kälin (Lenzburg) gewählt. Und bei der SVP schaffen Kantonalpräsident Thomas Burgherr (Wiliberg), Parteisekretär Pascal Furer (Staufen) oder Fraktionschef Andreas Glarner (Oberwil-Lieli) den Sprung in den Nationalrat. So würde sich die Zahl der Badener Sitze in der Grossen Kammer auf einen Schlag von acht auf vier halbieren. Dies wäre ein Anteil von 25 Prozent, was ungefähr dem Bevölkerungsanteil des Bezirks Baden von 21,4 Prozent entsprechen würde.

Gar nicht vertreten in Bern ist derzeit der Bezirk Aarau. Das soll sich ändern, wenn es nach den Hauptstadt-Parteien geht. Bei einem Podium mit zwölf Teilnehmern diskutieren Vertreter von SVP, SP, CVP, FDP, Grünen, GLP und EVP am 16. September darüber, ob Aarau den Sprung ins Bundeshaus schafft? «Wer hat die besten Chancen und weshalb glauben die Kandidierenden an ihre Wahl?», heisst es auf dem Flyer für die Podiumsdiskussion.

Allein mit diesem Glauben werden für die Aarauer kaum Sitze in Bern zu holen sein – das weiss auch Organisator Marc Bonorand (SVP). «Realistisch betrachtet, sind die Chancen für die Kandidaten aus Aarau eher klein», sagt er. Dies zeigt sich schon bei den Listenplätzen: Clemens Hochreuter (SVP, Listenplatz 9), Jürg Knuchel (SP, 6), Ulrich Bürgi (FDP, 4), André Rotzetter (CVP, 5), Micha Siegrist (Grüne, 10), Marcel Bruggisser (BDP, 12), Melinda Bangerter (GLP, 6) und Christoph Waldmeier (EVP, 12) figurieren weit hinten.