Die Schule Strengelbach schrieb in einem Elternbrief, die Kinder sollten für das gemeinsame Mittagessen zum Schulabschluss kein Schweinefleisch mitnehmen – aus Rücksicht auf die muslimischen Kinder. Dies löste heftige Reaktionen aus. 

So wittert SVP-Nationalrat SVP-Glarner in einer solchen Aufforderung eine «Islamisierung». «Schweizer, erwache!», rief er deswegen seinen Facebook-Freunden zu. 

Wie sich nun zeigt, wird das Schreiben der Schule auch von muslimischer Seite kritisch gesehen. Für das Forum für einen fortschrittlichen Islam geht der Schuss damit nach hinten los.

Vorstandsmitglied Elham Manea erklärte gegenüber «TeleM1», sie schätze den gut gemeinten Gedanken, doch letztendlich führe so eine Bitte aus ihrer Sicht zu Konflikten: «Jeder sollte essen dürfen, was er will.»

Ähnlich sieht das auch Thomas Burgherr, Präsident der SVP Aargau. Ein Schweinefleischverbot an Schulen sei nicht gut für das Zusammenleben und die Integration verschiedener Kulturen. «Auf diese Weise werden Schweizer ausgeschlossen», meint der SVPler. «Es muss aber immer von beiden Seiten her integriert werden.»  

Auf Facebook hält er fest, die Behörden hätten richtig gehandelt:

Lehrerverband findet Brief unproblematisch 

SP-Nationalrat Cédric Wermuth findet die Aufforderung der Strengelbacher Lehrperson dagegen richtig. «Die Schule hat eine pragmatische Lösung gesucht, damit alle zufrieden sind.» Die jetzigen Reaktionen «anderer politischer Kreise» würden die Gesellschaft dagegen spalten. «Das finde ich verheerend.»

Unterstützung erhält die Strengelbacher Schule auch vom Lehrerverband Aargau. «Man geht heute allgemein mehr auf die Wünsche von Schülern ein», erklärt Präsidentin Elisabeth Abbassi. Ihr Beispiel: Würde in einer ihrer Klassen ein Schüler wegen einer Allergie oder aus einem anderen Grund keine Eier essen, dann gäbe es am Schullager auch keine Spaghetti Carbonara.

Auch die Gemeinde Strengelbach meldete sich noch einmal zu Wort. In einer Medienmitteilung am Donnerstag schrieb sie, an ihrer Schule gäbe es kein Schweinefleischverbot. Die verantwortliche Lehrperson hatte mit dem Brief lediglich um Rücksicht bitten wollen. (cki) 

Dieser Artikel erschien am 5.7.2018