Avenir-Suisse-Studie

Jeder dritte Pflegebedürftige im Aargau könnte daheim sein

Spitex statt Pflegeheim. Diese Option wird immer noch zuwenig genutzt.

Spitex statt Pflegeheim. Diese Option wird immer noch zuwenig genutzt.

Im Aargau leben viele Menschen im Pflegeheim, denen die Spitex genauso helfen könnte.

Der Aargau ist bekannt als Kanton, in dem die Ressourcen sparsam eingesetzt werden. Dies bestätigt sich auch am Beispiel der Pflegekosten, wie eine neue Studie des bürgerlichen Thinktanks Avenir Suisse zeigt (vgl. Grafik). Allerdings zeigt ein weiterer Vergleich auch, dass sich das vom Departement Gesundheit und Soziales (DGS) propagierte und von den Parteien mitgetragene Prinzip «Ambulant vor Pflege» noch nicht überall hat durchsetzen können. Zwar hat der Aargau mit 223 (Schweiz: 233) Alters- und Pflegeheimbetten pro 1000 80-jährige und ältere Personen einen unterdurchschnittlichen Bestand.

Grafik Pflegekosten Kantonsvergleich

Grafik Pflegekosten Kantonsvergleich

Doch mit 35 Prozent (Schweiz 30, Genf 9 Prozent) brauchen im Aargau überdurchschnittlich viele Bewohnerinnen und Bewohner keine Pflege oder sind in den untersten 3 von 12 Pflegestufen. Sie könnten auch noch daheim gepflegt werden – wenn das Umfeld stimmt. Studienverfasser Jérôme Cosandey gibt aufgrund einer Studie im Kanton Schwyz zu bedenken, dass «viele Heimeintritte mit geringem Pflegebedarf erfolgen, ohne dass die Pensionäre zuvor in Kontakt mit der örtlichen Spitex waren». Da könnte Aufklärung helfen, um länger in den eigenen vier Wänden zu bleiben.

Laut DGS-Sprecher Balz Bruder teilt das Departement die Einschätzung von Avenir Suisse grundsätzlich. Die Stärkung des ambulanten Angebots hänge in erster Linie von dessen Verfügbarkeit bzw. Zugänglichkeit ab. Weiter sei die Rolle von pflegenden Angehörigen sowie des Freiwilligen-Engagements generell als mitbestimmender Faktor zu nennen, so Bruder.

Im Übrigen sei es zwar zutreffend, dass die Nutzung von ambulanten Angeboten bei tiefer Pflegebedürftigkeit in aller Regel kostengünstiger ist. Bruder: «Der Grundsatz ‹ambulant vor stationär› ist unter diesem Aspekt jedoch nicht immer zielführend. Abgesehen davon versteht sich, dass ein möglichst selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden mit der notwendigen ambulanten Unterstützung für Menschen, die keinen hohen Pflegebedarf haben, tatsächlich in den meisten Fällen bevorzugt wird.»

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