Jeanine Glarner ist die Favoritin der Ausmarchung für die FDP-Regierungsratskandidatur. Unterstützung erhält sie von den Jungfreisinnigen. Und auch die Frauen in der FDP dürften sie auf den Schild heben, haben sie in den letzten Wochen doch mehrfach betont, dass sie eine Frau in der Regierung bevorzugen.  

Die Favoritenrolle kommt ihr aber nicht nur deswegen zu. Jeanine Glarner ist bekannt in der FDP und darüber hinaus. Obwohl sie erst 35 Jahre alt ist, politisiert sie seit 2003, wie sie auf ihrer offiziellen Website schreibt. Da war sie knapp volljährig. 2004 hat Glarner das Präsidium der Jungfreisinnigen Aarau-Lenzburg übernommen, 2010 jenes der Jungfreisinnigen Aargau. Unter Glarners Leitung lancierten diese 2009 eine Volksinitiative für die Einführung des Schulfachs «Politische Bildung». Sie kam zwar zustande, darüber abstimmen mussten die Aargauerinnen und Aargauer aber nie. Das Komitee zog sie 2018 zurück, weil die Forderung mit dem neuen Lehrplan erfüllt wird. Aber Glarner wurde mit diesem Einsatz im Kanton bekannt. 2011 erzielte sie bei den Nationalratswahlen auf der Liste der Jungfreisinnigen das mit Abstand beste Ergebnis. Und auch das beste aller Kandidierenden aller Jungparteien.

Die Jungpartei hat sie hinter sich gelassen, seit 2012 ist Jeanine Glarner Grossrätin der FDP, seit 2018 ist sie zudem Gemeinderätin in Möriken-Wildegg. Jetzt will sie in den Regierungsrat. «Ich bin die richtige Person dafür», sagt sie. Dass das neue Regierungsmitglied das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) übernehmen wird, zeichnet sich ab. Glarner kommt das entgegen. Die Historikerin arbeitet seit zweieinhalb Jahren beim Schweizerischen Ärzteverband, wo sie für die Kommunikation und gesundheitspolitische Aktivitäten zuständig ist. Dadurch, und weil sie als Stellvertreterin auch schon ihre Fraktion in der Kommission Gesundheit und Soziales vertritt, kennt sie sich mit den Geschäften des Departements aus. Aber: «Ich bin keine Einthemenpolitikerin», stellt sie klar — ein Vorteil für eine Regierungsrätin, wie sie findet.

Wenn Jeanine Glarner über Politik redet, tönt die Begeisterung durch. «Ich mache sehr gerne Politik. Sowohl im Grossen Rat als auch im Gemeinderat», sagt sie. Und: «Ich brenne für den Kanton Aargau.» Das seien zwei Leidenschaften, die sie als Regierungsrätin bestens zusammenbringen könnte. Man habe sie denn auch nicht zu einer Kandidatur überreden müssen, sagt Jeanine Glarner. Dennoch habe sie sich diese gut überlegt: «In meinem Alter ist dieser Entscheid ein Abwägen zwischen Familie und politischer Karriere», so Glarner. Sie entscheidet sich für Letzteres.

Als Tennis- und Fussballspielerin wettkampferprobt

In der Öffentlichkeit wird Glarners Alter als Hindernis dargestellt – mancher traut einer jungen Frau nicht zu, sich in einem Gremium, bestehend aus Männern mittleren Alters, durchzusetzen. «Andere, erfolgreiche Regierungsräte in anderen Kantonen sind auch jung. Meine Erfahrung und mein grosser Einsatzwille dafür, dass es unserem Kanton gut geht, sind entscheidend. Nicht mein Alter», entgegnet sie dann jeweils. Nicht abstreiten kann die Politikerin den Frauenbonus, aber: «Das Gesamtpaket muss stimmen. Dieses bringe ich mit.» Zu diesem Gesamtpaket gehört für Jeanine Glarner auch ihr Talent, sich zu vernetzen. «Ich verhandle über die Parteigrenzen hinaus und sehe mich als Mehrheitsbeschafferin für meine Partei», sagt sie. Ihre Vorstösse sind im rechts-bürgerlich dominierten Parlament häufig mehrheitsfähig - Glarner politisiert am rechten Rand der FDP. Keine Rolle spielt das beim FC Grossrat. Dort ist Glarner Captain, nebenbei spielt sie auch noch Tennis. Deswegen sei sie wettkampferprobt. Auch das ist ein Vorteil in der Politik.