Die Flut kam über Nacht. Intensive Regenfälle in der Nacht vom 18. auf den 19. Mai 1994 liessen harmlose Flüsse über die Ufer treten – die Wyna, die Suhre, die Surb, der Aabach, die Bünz. Menziken und Unterkulm standen unter Wasser, so auch Lengnau und Endingen, die heutige A1 bei Gränichen war stundenlang gesperrt, in Rheinfelden, Lenzburg, Niederlenz und Wildegg kämpften die Menschen gegen die Überschwemmungen. Ausserhalb des Kantons Aargau war die Schweiz vom Bodensee bis in den Jura und über einen Ausläufer in die Zentralschweiz bis Engelberg betroffen.

Das Video oben zeigt Szenen aus Oberkulm vom 19. Mai 1994. Aufgenommen hat sie der mittlerweile verstorbene Oberkulmer Feuerwehrkommandant Ernst Beck.

Überschwemmtes Surbtal – Bilder aus Lengnau, Endingen und Tegerfelden:

Für viele Aargauer werden Erinnerungen wach. Nicht nur an jenen Mai 1994, auch an das letzte Unwetter vom 8. Juli 2017, das mehrere Orte flutete. Beide Male war von einem «Jahrhundertereignis» die Rede.

Der grosse Unterschied

Zumindest was die Gründe und die Niederschlagsmengen anbelangt, gibt es zwischen den beiden Ereignissen durchaus Parallelen, wie Michael Krucker von Meteonews sagt: «In beiden Fällen war es ein flaches Tiefdruckgebiet, das über mehrere Tage wiederholt für Regenschauer über Mitteleuropa sorgte.»

1994 fielen während zweier Tage bis zu 81 Millimeter Regen (Würenlingen), 2017 waren es bis zu 90 Millimeter in der Region Zofingen. «Beides beträchtliche Mengen», so Krucker. 

«Schweiz aktuell extra» vom 19. Mai 1994 aus dem Aargau:

Allerdings gibt es einen grossen Unterschied: 2017 fiel diese Menge innerhalb von rund drei  Stunden und sehr punktuell, 1994 regnete es länger und in einem grösseren Gebiet. Grund für die heftigen und sehr lokalen Niederschläge im Juli 2017 waren Hitzegewitter, die sich zusätzlich entwickelten.

Der Begriff «Jahrhundertereignis»

Auch wenn die Ereignisse nur 25 Jahre auseinander liegen, sind sie laut Michael Krucker dennoch beide als Jahrhundertereignisse einzuordnen. Denn: «Diese Beurteilung stützt sich einfach auf einen statistischen Mittelwert – das ist keine Garantie dafür, dass sich ein solches Unwetter nicht bereits ein Jahr später wiederholt.»