Jahresrechnungen
Aargauer Gemeinden nehmen über zwei Milliarden an Steuern ein

Die Coronakrise macht sich in den Gemeinderechnungen noch nicht bemerkbar. 179 von 210 Aargauer Gemeinden machten im letzten Jahr einen Gewinn. Doch war 2020 das letzte fette Jahr?

Eva Berger
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Das Jahr 2020 hatte seine Schrecken. In den Jahresrechnungen der Gemeinden sind diese aber, insgesamt, noch nicht sichtbar. Das zeigt die Gemeindefinanzenstatistik 2020, welche gestern von Statistik Aargau publiziert wurde. Die 210 Aargauer Gemeinden haben zusammen ein Plus von 205 Millionen Franken ausgewiesen. Während 179 Gemeinden einen Gewinn von 221 Millionen Franken erzielten, schrieben lediglich 31 rote Zahlen. Ihr Defizit beläuft sich auf insgesamt 16 Millionen Franken.

Der gesamte Steuerertrag hat zum ersten Mal die Grenze von zwei Milliarden Franken überschritten. Doch auch der Aufwand ist gestiegen, pro Kopf haben die Gemeinden im letzten Jahr 1,5 Prozent mehr Geld ausgegeben als 2019. Wie in den beiden Vorjahren liegt aber die Selbstfinanzierung höher als die Nettoinvestitionen, Investitionen konnten darum insgesamt vollumfänglich aus eigenen Mitteln finanziert werden. Inklusive den Spezialfinanzierungen weisen alle Gemeinden zusammen ein Nettovermögen von 925 Franken pro Kopf aus.

Auch der Kanton schreibt Schwarze Zahlen

Nachdem also bereits der Kanton im Jahr 2020 einen Überschuss von 288 Millionen Franken ausgewiesen hat, sind jetzt auch die Gemeinden mit über 200 Millionen Franken im Plus. Beim Kanton haben hohe Erträge die zusätzlichen Aufwände durch Corona bei Weitem kompensiert. Und so sieht es auch in den Gemeinden aus: Der Steuerertrag als mit Abstand wichtigste Einnahmequelle der Gemeinden ist gegenüber dem Vorjahr mit fast den gleichen Raten gewachsen wie der Nettoaufwand. Insgesamt setzte sich 2020 der Trend der letzten Jahre zu guten Gemeindefinanzen fort.

«Ich erkenne keine besonderen Auffälligkeiten», sagt denn auch auf Anfrage Jürg Feigenwinter, der Leiter Finanzaufsicht Gemeinden beim Kanton. Er warnt aber vor verzögerten Effekten. «Mich würde es erstaunen, wenn es für die Gemeinden finanziell genau gleich weiterginge. Tendenzen, ob gut oder schlecht, akzentuieren sich erst später», so Feigenwinter. Es werde im Zuge der Coronakrise bei den Steuereinnahmen wohl Knicke geben, davon sei auszugehen. Prognosen zu deren Umfang wagt er aber keine.

Gemeinden budgetieren vorsichtig

Patrick Gosteli, Präsident Gemeindeammännervereinigung.

Patrick Gosteli, Präsident Gemeindeammännervereinigung.

Fabio Baranzini

Eigentlich hätten die Gemeinden schlechtere Abschlüsse erwartet, sagt Patrick Gosteli, Präsident der Gemeindeammännervereinigung (GAV). Sie hätten darum auch für das laufende Jahr vorsichtig budgetiert, dies teilweise aufgrund der Empfehlungen des Kantons zu den erwarteten Steuereinnahmen bereits wieder korrigiert. «Dass die Rechnungen 2020 insgesamt so gut schliessen, konnten wir nicht unbedingt erwarten», so Gosteli.

Doch auch er weiss um die Verzögerung, mit welcher sich eine solche Krise in den Gemeindefinanzen in der Regel niederschlägt. Das betreffe dann zudem nicht nur die Ertragsseite. Auch das Sozialwesen ist schnell tangiert, dort kann es zu Mehrausgaben kommen, bei gleichzeitigen Einbussen bei den Steuern.

Die guten Jahre seien wohl damit bereits wieder vorbei, glaubt der GAV-Präsident:

«Dass wir die Investitionen in den letzten drei Jahren aus eigener Kraft decken konnten, ist erfreulich, aber wahrscheinlich sind wir bald wieder auf dem Stand von zuvor.»

In welchem Ausmass sich das aber niederschlägt, mag auch Gosteli nicht vorhersagen: «Man weiss heute zu wenig, welche Bereiche wie stark betroffen sind.»

Corona ist nicht die einzige Herausforderung

Die Coronakrise sei weiter nicht der einzige Faktor, der in nächster Zeit die Finanzen der Kommunen beeinflusst. Das Jahr 2021 ist das letzte, in dem Gemeinden im Rahmen des neuen Finanzausgleichs Übergangsbeiträge erhalten. Insgesamt haben 87 Gemeinden noch Anspruch auf diese Zahlungen, erst in der Rechnung 2022 werden sie nicht mehr auftauchen. Zudem kommen auf die Gemeinden neue Aufwände hinzu, Gosteli nennt etwa das neue Entlöhnungssystem für Lehrerinnen und Lehrer, das im Januar 2022 eingeführt wird.

Dann steht die Steuergesetzrevision an und schliesslich beeinflusst auch die Demographie die Gemeinderechnungen: Die grosse, gut verdienende Bevölkerungsgruppe der Babyboomer wird in diesen Jahren pensioniert. «Die Herausforderungen der nächsten Jahre werden für die Gemeinden schwierig», resümiert Gosteli. Speziell bei jenen, die bereits jetzt Schwierigkeiten haben, werde sich das damit noch akzentuieren.

Daten auf Kantonswebsite verfügbar

Statistik Aargau stellt die Daten zu den Finanzen in den Gemeinden auf der Website des Kantons zur Verfügung. Neu sind auch Daten ohne Spezialfinanzierungen verfügbar.