Baden
Jahrelanger Konflikt endet in Messerstecherei: Gericht verurteilt Italiener

Das Bezirksgericht Baden hat einen 38-Jährigen zu vier Jahren Haft verurteilt. Mit einer Messer stach er einen Bekannten nieder, der ihn mit einem Kupferkabel geschlagen hatte.

Rosmarie Mehlin
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Bezirksgericht Baden (Archiv)

Bezirksgericht Baden (Archiv)

Keystone

Paolo und Mirko (Namen geändert) kennen sich schon ewig vom Sehen, konnten sich aber seit Jahren nicht riechen. Den Ausschlag hierfür hatte gegeben, dass Paolo eines Tages einen rekonvaleszenten Kollegen von Mirko wegen angeblicher Beleidigungen tätlich angegriffen hatte und Mirko dazwischengegangen war. Seither sind die beiden sich spinnefeind und waren auch bereits zweimal handgreiflich aneinandergeraten, bevor es an einem Samstag im August letzten Jahres zu einem folgenschweren Zusammenstoss kam.

Dann stach er zu

Just als Paolo an jenem Nachmittag vergeblich an der Haustür eines Kollegen klingelte, wollte Mirko im danebenliegenden Geschäft einkaufen. Sogleich lief Paolo auf ihn zu und die beiden Streithähne begannen sich zu beschimpfen und zu bedrohen.

Schliesslich zückte Paolo eine Gartenschere, steckte diese dann aber wieder ein und lief stattdessen mit einem Messer auf Mirko zu. Dieser ergriff ein herumliegendes, mit Plastik überzogenes Kupferkabel und schlug damit gegen den Kopf seines Kontrahenten, worauf dieser wuchtig zustach. Er habe, sagte Paolo vor Gericht, immer ein Messer bei sich, weil er es beruflich brauche.

«Abstäche» – das sagt man doch so

Mirko erlitt an der Schulter eine 5 bis 7 Zentimeter tiefe Stichverletzung, die eine Luftansammlung in der Brusthöhle zur Folge hatte. Eine rasche ärztliche Intervention konnte die lebensbedrohliche Situation klären. Paolo, angeklagt der versuchten vorsätzlichen Tötung, sass dieser Tage vor Bezirksgericht Baden.

Der Italiener, 38-jährig, von schmächtiger Gestalt, mit schwarzem Haar und Fünf-Tage-Bart hat einen langen und beschwerlichen Weg als Drogenkonsument hinter sich. Als Jugendlicher in Heimen aufgewachsen, hat er zwei Lehren erfolgreich abgeschlossen, schlägt sich aber seit langem mit Temporärjobs durch.

Paolo träumt von einer festen Anstellung und einer kleinen Familie. Inzwischen ist er auf dem Weg, sich das Zweite zu erfüllen, er lebt mit seiner Freundin und deren Tochter zusammen.

Er habe nicht das Gefühl, dass er aggressiv sei, sagt Paolo vor Gericht. Warum, wollte Gerichtspräsidentin Gabriela Fehr wissen, denn von verschiedenen Personen aus seinem Umfeld sei zu erfahren gewesen, dass Paolo mehrfach erklärt habe, er werde Mirko «abstäche». Das sage man doch so, meinte Paolo und betonte «das han i nid welle, ächt nid welle».

Aber er hat es getan, und als der Staatsanwalt – er forderte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren – schilderte, wie Paolo zugestochen hatte, wischte sich Mirko Tränen aus den Augen. Die Anwältin von Paolo betonte, der Handlungsablauf, sowie die Art und Weise, wie ihr Mandant zugestochen habe, würden aufzeigen, dass Paolo den Tod von Mirko weder gewollt noch auch nur in Kauf genommen habe.

Durch das Kupferkabel, das Mirko gegen ihn einsetzte, habe er sich bedroht gefühlt und darum allenfalls in Notwehr gehandelt. Wegen einfacher Körperverletzung in qualifizierter Form sei ihr Mandant zu 18 Monaten zu verurteilen, davon 8 Monate unbedingt.

Schuldspruch einstimmig

Das Gericht sprach den Italiener einstimmig schuldig der versuchten vorsätzlichen Tötung. Bezüglich des Strafmasses wurde mit vier Jahren ein Mehrheitsurteil gefällt. «Eine Minderheit hat sich für eine kürzere Freiheitsstrafe ausgesprochen», so Präsidentin Fehr. Beim Strafmass habe das Gericht berücksichtigt, dass der Konflikt auf Gegenseitigkeit beruhe und auch Mirko seinen Teil dazu beigetragen habe.

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