Mähtod
Jäger und Hunde retten Rehkitze vor Mähmaschine – auch dank Haarspray

Der Frühling ist Mähzeit und birgt für junge Rehkitze eine grosse Gefahr. Aargauer Bauern und Jäger engagieren sich gemeinsam und erfolgreich für den Wildtierschutz. Sie verwenden innovative, einfache und effektive Schutzmassenamen – ganz ohne Hightech.

Von Elia Diehl
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Aufwendig, aber effizient: Jagdaufseher Heinz Enderli spürt mit Hündin Daira in der Wiese Rehkitze und andere junge Wildtiere auf.

Aufwendig, aber effizient: Jagdaufseher Heinz Enderli spürt mit Hündin Daira in der Wiese Rehkitze und andere junge Wildtiere auf.

Chris Iseli

Es ist ein Drama, das sich jeden Frühling wieder abspielt: Jetzt, wenn die Bauern ihre Wiesen mähen, bedeutet das für Jungwild oft den Tod. Bis zu 1500 Rehe sterben so jährlich in der Schweiz.

Im Aargau wird der Mähtod jedoch intensiv und erfolgreich bekämpft. Die Stiftung Wildtiere, Natur, Landschaft und Leben (WNLL) hat 2011 – zusammen mit Bauernverband, Jagdschutzverein und Pro Natura – das Projekt «Rettet die jungen Wildtiere» lanciert.

An alle Bauern verschickt sie im Frühling eine Broschüre mit Tipps für einen effektiven und flächendeckenden Wildtierschutz. Dazu gehören spezielle Richtlinien beim Mähen wie auch das Absuchen der Wiesen und das Vergrämen der Wildtiere, was Jäger auf Abruf übernehmen.

«Mit rund 1000 beteiligten Jägern und über 3000 Bauern ist es das grösste Umweltschutzprojekt im Kanton», sagt Stiftungsratpräsident und Lenzburger Jagdleiter Thomas Laube, ein Vorzeigeprojekt auch für andere Kantone. «Es geht schliesslich um die Kinderstube der Natur.»

Denn die rund 33 000 Hektaren Wiesen- und Weideland im Kanton dienen nicht nur zur Futterproduktion. Rehkitze, Feldhasen, Frösche, Bienen, Heuschrecken oder die brütende Feldlerche haben in den Gras- und Heuwiesen ihren ersten Lebensraum – und die Mähmaschine zum Feind.

Einfache Tricks, aber effektiv

Eine Woche vor Beginn der Mähsaison präsentierte die Stiftung gestern in Ammerswil bei Lenzburg die innovativen Schutzmassenamen der Jäger.

Einfach und effektiv, keine Hightech-Lösungen – nicht praktikabel und zu teuer. Die Jäger vergrämen das Wild mit Verblendungen – mal mit Folien, alten Düngersäcken an Pfählen, Ballonen oder Blinkern.

Am wirksamsten sind laut Thomas Laube Stofffahnen, eingesprüht mit Haarspray. Sie verändern die Wiese optisch, akustisch und auch die Witterung, sodass die Rehgeiss das Kitz in der Nacht herausholt.

Das Verscheuchen muss aber immer am Tag vor dem Mähen geschehen, kurzfristig suchen Jäger auch mit Spürhunden die Wiesen ab.

Die Bauern mähen zudem immer von innen nach aussen, wobei regelmässig ein Rückzugsstreifen für Insekten und Reptilien erhalten bleibt. Der Schafiser Kantischüler Thomas Baumann konnte mit einer Feldstudie – seiner Maturarbeit – die positiven Effekte dieser Wiesenstreifen wissenschaftlich nachweisen.

Die Bauern sind über die gute Zusammenarbeit mit den Jagdgesellschaften sehr glücklich. «Niemand von uns will ein Rehkitz überfahren», sagt Alois Huber, Präsident des Aargauer Bauernverbands. «Das treibt dem stärksten Bauer die Tränen in die Augen.» Landwirt Huber spricht aus eigener Erfahrung.