Kontroverse

Jagdhunde und Tierschutz: «Für viele Jäger ist Hund wichtiger als die Waffe»

legende. Annika Bütschi/Archiv

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Das Thema «Jagd im Spannungsfeld zwischen Tierschutz und Leistungsauftrag» beschäftigte die Jäger an ihrer Herbsttagung. Es wurde an der Herbsttagung des Jagdschutzverbandes rege darüber diskutiert.

«Wir Jäger sind alle tagtäglich auf die Jagdhunde angewiesen», stellte AJV-Präsident Rainer Klöti fest.

«Die Hunde sind unsere treuesten Begleiter. Sie helfen uns, die Jagd auszuüben und unseren Leistungsauftrag zu erfüllen. Für uns Jäger ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Jagd und Hund verbunden sind und dass es gute Hunde für einen tierschutzgerechten Einsatz braucht. Für uns ist es daher klar, dass die Ausbildung der Jagdhunde in einem geordneten Umfeld ablaufen muss.»

Dieses geordnete Umfeld für die Ausbildung von Jagdhunden - das Projekt einer Schliefenanlage zum Training der Baujagd in Wettingen - hatte Anfang Jahr allerdings zu grossen Diskussionen geführt.

Eine Podiumsdiskussion an der Herbstversammlung hat jetzt gezeigt, dass in der Jägerschaft und in Tierschutzkreisen die Ansichten über eine solche Anlage – und den Einsatz von Hunden auf der Jagd überhaupt – nach wie vor auseinandergehen.

Aus dieser Diskussion, die von Roman Huber (Journalist und Hundefachmann) geleitet wurde, ging klar hervor, dass für die Jägerschaft feststeht, dass es für die Jagd Hunde braucht.

«Es braucht Hunde für die Nachsuche, wobei der grösste Teil dieser Nachsuchen Tiere betrifft, die Opfer des Strassenverkehrs sind», betonte Armin Künzli (Jäger und internationaler Leistungsrichter im Jagdhundewesen).

«Wildschweine lassen sich nur mit Stöberhunden aus den vielen Dickungen bringen, die durch die veränderte Waldbewirtschaftung entstanden sind. Auch bei der Wasserjagd braucht es Apportierhunde.» Rainer Klöti wies darauf hin, dass dem Jagdhundewesen im AJV zentrale Bedeutung zukommt und dass für viele Jäger der Hund sogar wichtiger als die Waffe sei.

Astrid Becker (Präsidentin des Aargauischen Tierschutzvereins ATs) räumte zwar ein: «Für uns ist klar, dass es für die Nachsuche Hunde braucht.» Sie betonte aber auch: «Uns stört der Einsatz von Hunden auf der Jagd, der über die Nachsuche hinausgeht. Die Baujagd etwa ist ganz klar abzulehnen.»

Marlis Laube (Leiterin der ATs-Geschäftsstelle) betonte: «Hunde für die Nachsuche und Stöberhunde sind für uns kein Problem. Dort sind gut ausgebildete Hunde notwendig. Für den Tierschutz muss es aber fair bleiben. Das heisst: Es darf zu keinem Kontakt zwischen Wildtier und Hund kommen. Es gibt ein Tierschutzgesetz und das muss für alle gelten.»

Martin Baumann (Leiter Fachbereich Jagd und Wildtiermanagement im Bundesamt für Umwelt) hielt dem entgegen, dass sich mit der gesetzlichen Regelung der Ausbildung von Jagdhunden am Kunstbau und im Schwarzwildgatter Gefahren für den Hund vermeiden liessen.

In der Realität sei es zudem so, dass das Wildschwein den Kampf mit dem Hund suche, der Fuchs dagegen dem Hund weiche. Er stellte aber auch fest: «Auch Jäger sind Tierschützer, und ohne Hunde kann die Jagd ihren Auftrag gar nicht erfüllen.»

Während bei Tierschützern und Jägern die Ansichten in Sachen Hund und Jagd offensichtlich weiterhin auseinandergehen, haben sich Jäger und Kynologen gefunden.

Und zwar in Sachen Leinenpflicht. Wie Thomas Laube (Vizepräsident AJV) sagte, haben sich der AJV und der Kantonalverband Aargauer Kynologen (KVAK) entschlossen, eine gemeinsame Kampagne aufzugleisen, die eine bessere Durchsetzung der Leinenpflicht für Hunde zum Ziel hat – im Sinne des Tierschutzes.

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