Das Schloss Wildegg sei das erste sprechende Schloss in der Schweiz, sagte Marco Castellaneta, Direktor des Museum Aargau, mit leisem Stolz an der Saison-Eröffnung. Die rund 100 Gäste, die am prächtigen Frühlingsabend in den Schlosshof gekommen waren, hatten gleich doppelten Grund zu feiern: Die neue Ausstellung «Jagd & Wild» und der Start zur Museumssaison zum Thema «Gaumenfreuden».

Die von Kurator Thomas Frei konzipierte Ausstellung «Jagd & Wild» liefert vielfältige Antworten auf das grosse Thema Jagd und Wild, mit vielen Dingen zum Staunen, Anfassen und Beschnuppern.

Hauptattraktion ist das Ölgemälde, das Gutsherr Sigmund Wilhelm Effinger zeigt, der auf Knopfdruck lebendig wird und erzählt, wie das mit der Jagd um 1798 im Wildegger Forst war. Sigmund war leidenschaftlicher Jäger, das Schlossgut interessierte ihn weniger. Umso schwerer traf es ihn, als er wegen der Franzosen das Jagdprivileg verlor. Er verliess auch deshalb die Wildegg und zog zu Verwandten nach Holland.

Das sprechende Bild

Mit dem sprechenden Porträt von Sigmund Effinger sei nun die Ausstattung des Schlosses mit sprechenden Zeitzeugen abgeschlossen; das Attribut «sprechendes Schloss» treffe für Wildegg zu, sagte Castellaneta.

Nachdem Grossratspräsidentin Renata Siegrist in launigen Worten erzählt hatte, dass sie wenig mit der Jagd, aber viel mit dem Schloss Wildegg verbindet, moderierte Castellaneta eine angenehm kurze und kurzweilige Talkrunde mit Kurator Thomas Frei und Rainer Klöti, Präsident Jagd Aargau.

«Mit Freude habe ich von der Rückkehr des Wolfes in den Aargau Kenntnis genommen», sagte Rainer Klöti aus aktuellem Anlass, relativierte dann: «Der Wolf ist hier kein Problem und beschäftigt uns Jäger auch nicht weiter.»

Von Klöti war weiter zu erfahren, dass Rehe und Hirsche farbenblind sind und dass er zu Hause nur zwei Geweihe aufgehängt hat. Das sei völlig genug. Zudem würde seine Frau wohl auch nicht mehr tolerieren.

Kurator Thomas Frei erzählte, wie es kommt, dass ein tiefgefrorener Marder als präpariertes Schmuckstück in der Ausstellung zu sehen ist; und er machte klar, dass die Jagd für die Adligen vor allem ein Vergnügen war. Wild wurde nur wenig gegessen.

Projektleiterin Angela Dettling vermittelte Vorfreude auf die Gaumenfreuden, die auf die Besucherinnen und Besucher des Museum Aargau warten. «2019 dreht sich alles um die Küche, die Kunst des Kochens, um Esstrends. Gesundheit und lukullische Freuden», schwärmte Dettling. «Es gilt, vergessene Delikatessen aus der Zeit der Römer oder dem Mittelalter wiederzuentdecken.»

«Von birn und mandelkern»


Die Hauptrolle spielt das eigene Mittelalter-Kochbuch «Von birn und mandelkern». Das Kochbuch vereint 36 mittelalterliche Rezepte, die experimentell nachgekocht und in eine moderne Rezeptform übersetzt worden sind. Dazu lanciert das Museum Aargau eine Online-Koch-Plattform mit Rezepten aus der Antike, dem Mittelalter, dem Barock und der Neuzeit.
Wer lieber isst als kocht, darf sich auf Festessen auf den Schlössern Lenzburg und Hallwyl sowie auf dem Legionärspfad Vindonissa freuen.

Weiter können sich Besucherinnen und Besucher zu historischen Persönlichkeiten an lange Festtafeln setzen. Auch ein Blick in die historischen Küchen der Schlösser Lenzburg, Hallwyl und Wildegg lohnt sich: Das Museum Aargau haucht diesen mit überraschenden Interventionen neues Leben ein.

Für Gruppen und Schulen gibt es Führungen und Workshops zum Thema. So können auf Schloss Wildegg Schülerinnen und Schüler Butter schlagen, auf Schloss Lenzburg lernen Vereine und Teams kochen wie im Mittelalter; und das Kloster Königsfelden zeigt, was damals bei den Nonnen auf den Tisch kam.

Start geglückt

2019 finden zudem wieder einige Grossveranstaltungen statt. So etwa am 7. April das Eröffnungsfest oder am 25. und 26. Mai das Heerlager auf dem Legionärspfad Vindonissa. Schloss Lenzburg lockt nach den abgeschlossenen Bauarbeiten mit Sommerevent, Fauchifest und Mittelaltermarkt.

Fortgesetzt werden auch die öffentlichen Führungen im Sammlungszentrum Egliswil. Und erweitert wird der erste virtuelle Museumsraum im Aargau: Dem Aabach entlang können per Smartphone Fabrikanten und Fabrikarbeiter zum Leben erweckt werden. Mit der Saisoneröffnung auf Schloss Wildegg wurde das ambitionierte Themenjahr erfolgreich gestartet. Die Gäste erhielten einen ersten Eindruck, der Lust auf mehr machte. Zum Ausklang genossen sie im Schlosshof Suppe, Wein und Brot; die Jagdhornbläser Hallwyl lieferten die stimmige Begleitung.