Bundesgericht
IV-Stelle des Kantons Aargau muss Krebskrankem Rente zahlen

Wer nach einer Krebsbehandlung wegen Erschöpfung längerfristig arbeitsunfähig wird, hat in der Regel Anspruch auf eine IV-Rente. Der Fall betrifft einen 59-Jährigen, der sich 2008 wegen einer Krebserkrankung einer Operation unterziehen musste.

Merken
Drucken
Teilen
Wer nach einer Krebsbehandlung wegen Erschöpfung längerfristig arbeitsunfähig wird, hat in der Regel Anspruch auf eine IV-Rente.

Wer nach einer Krebsbehandlung wegen Erschöpfung längerfristig arbeitsunfähig wird, hat in der Regel Anspruch auf eine IV-Rente.

Keystone

Wer nach einer Krebsbehandlung wegen Erschöpfung längerfristig arbeitsunfähig wird, hat in der Regel Anspruch auf eine IV-Rente. Laut Bundesgericht kann betroffenen Personen anders als beim Schleudertrauma nicht zugemutet werden, die Symptome willentlich zu überwinden.

Der Fall betrifft einen 59 Jahre alten Mann, der sich 2008 wegen einer Krebserkrankung einer Operation und einer Chemotherapie unterziehen musste. Ein medizinisches Gutachten attestierte ihm später, an einem krankheitsbedingten Erschöpfungszustand zu leiden, der sogenannten Cancer-related Fatigue (CrF).

Zusätzliche Voraussetzungen

Er sei deshalb in seinem Job als Wirtschaftsprüfer bis Juli 2009 vollständig und danach vorläufig zu 50 Prozent arbeitsunfähig. Die IV-Stelle des Kantons Aargau wies seinen Antrag auf Ausrichtung einer entsprechenden IV-Rente jedoch ab.

Sie stellte sich dabei auf den Standpunkt, dass die CrF organisch nicht nachzuweisen sei. Es sei deshalb bezüglich des Anspruchs auf eine IV-Rente der gleiche Massstab anzuwenden wie bei organisch nicht nachweisbaren Schmerzstörungen oder bei Schleudertraumata.

Demnach ist es einer betroffenen Person in solchen Fällen gemäss der Praxis des Bundesgerichts nur in Ausnahmefällen nicht zuzumuten, die Schmerzen willentlich zu überwinden und wieder in den Arbeitsprozess einzusteigen. Vielmehr müssen in solchen Fällen für eine IV-Rente zusätzliche Voraussetzungen erfüllt sein.

Auch organische Ursachen

Das Aargauer Versicherungsgericht gab dem Betroffenen 2012 dann allerdings Recht und sprach ihm von April bis Oktober 2009 eine volle und anschliessend eine halbe IV-Rente zu. Das Bundesgericht hat die dagegen erhobene Beschwerde der IV-Stelle nun abgewiesen.

Die Richter der I. Sozialrechtlichen Abteilung in Luzern räumen zwar ein, dass Ursache und Entstehung des CrF nach derzeitigem Forschungsstand nicht ganz geklärt sind. Als Begleitsymptom von Krebserkrankungen und ihrer Therapie liege der CrF aber zumindest mittelbar eine organische Ursache zu Grunde.

Es rechtfertige sich deshalb nicht, sozialversicherungsrechtlich auf die CrF die gleichen Kriterien anzuwenden, welche bei somatoformen Schmerzstörungen gelten würden. Damit bleibt es gemäss Gericht bei den von der Vorinstanz festgelegten Rentenansprüchen.