Petition
Italien will sparen und schliesst deshalb Konsulat im Aargau

Noch können die rund 20000 Italiener der Region ihre konsularischen Geschäfte in Wettingen erledigen. Künftig sollen sie nach Basel fahren. Dagegen haben sie nun eine Petition mit 1000 Unterschriften lanciert.

Dieter Minder
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Corrado Trotta (links) und weitere Mitglieder des Comites Argovia übergeben Fausto Di Stefano (3. von links) die Unterschriftenbögen. Dieter Minder

Corrado Trotta (links) und weitere Mitglieder des Comites Argovia übergeben Fausto Di Stefano (3. von links) die Unterschriftenbögen. Dieter Minder

«Die Konsulatsagentur Wettingen wird am 30. November geschlossen», bestätigt Konsulats-Mitarbeiterin Paula Modesti im Auftrag von Fausto Di Stefano, dem Leiter der Konsulatsagentur an der Seminarstrasse. Das wollen die Italiener der Region nicht hinnehmen.

«Mit einer Petition verlangen wir, dass die Agentur offen bleibt, wir sind darauf angewiesen», sagt Corrado Trotta, Präsident des Comites Argovia (siehe Box), bei der Übergabe der rund 1000 Unterschriften. Zeitgleich wurden in den ebenfalls gefährdeten Konsulaten Neuenburg und Sion Petitionen eingereicht.

Italien will bei Auslandbürgern sparen

Der italienische Staat erhofft sich Einsparungen. Doch das geht zulasten der Bürger. «Ohne Konsulat wird es vor allem für die älteren Leute sehr schwer», sagt Franco Barabino, der in Wettingen wohnende Vizepräsident des Comites Argovia.

Die Agentur sei Anlaufstelle für alle Fragen im Zusammenhang mit dem Heimatland. Ans Konsulat müssen sie sich wenden, wenn es um Pässe oder Identitätskarten geht. «Sie ist so etwas wie das Gemeindebüro», vergleicht Barabino das Konsulat mit den Anlaufstellen in grossen Gemeindeverwaltungen.

Ohne Konsulat müssten die rund 20 000 Italiener oder Doppelbürger aus den Bezirken Baden, Bremgarten, Muri und Zurzach künftig für jede Angelegenheit nach Basel fahren.

Bereits früher haben die Präsidenten der Comites in den drei betroffenen Regionen Aussenministerin Emma Bonino in einem Brief aufgefordert, den Entscheid rückgängig zu machen. Sie kritisieren unter anderem: «Mit der Schliessung wird die besondere Situation der Italiener in der Schweiz ignoriert.» Die Schweiz sei nicht Mitglied der EU, weshalb höhere Anforderungen an Konsulatsdienste bestünden.

Die Präsidenten der Comites zeigen Verständnis für den Staat, der Kosten einsparen müsse, aber: «Dies sollte durch eine effizientere Organisation und modernere Einrichtungen erreicht werden.» Zusätzlich nutzten die Präsidenten Mitte September den Besuch der Aussenministerin in Bern zu einem Gespräch. «Wir haben sie auf dem Flugplatz Belp getroffen und ihr unser Anliegen nochmals erklärt», sagt Trotta.

Ministerin Bonino habe ihnen gewisse Hoffnungen gemacht. «Sie sprach davon, weniger Konsulate zu betreiben und dafür die Konsulatsagenturen beizubehalten», sagt Trotta. Konkrete Zusagen gab es aber nicht.

Das Konsulat im Aargau wurde nach dem 2. Weltkrieg eröffnet. Damals kamen sehr viele Italiener in die Schweiz, wo sie Arbeit fanden. Anfänglich befand es sich in Baden, an der Burghaldenstrasse, später wurde es nach Wettingen verlegt. Vor 20 Jahren wurde aus dem Konsulat eine Konsulatsagentur. Heute arbeiten in der Agentur zwei Personen.

Die comites verbinden Italiener und Schweizer

Die Comites (Comitati degli Italiani all'Estero, Komitees der Italiener im Ausland) sind gewählte Organe, die die Bedürfnisse der Italiener im Ausland in den Beziehungen zu den diplomatischen und konsularischen Vertretungen wahrnehmen. In jedem Konsularbezirk mit mindestens 3000 Personen gibt es ein Comites. Das Comites Argovia zählt 12 Mitglieder. Sie arbeiten alle ehrenamtlich zugunsten ihrer Landsleute. Sie werden jeweils für 5 Jahre gewählt. Die Comites haben die Aufgabe, die Verbindung der Italiener zu ihrem Heimatland zu fördern. Dazu unterstützen sie diese im Vereinswesen, helfen mit bei der Organisation von HSK-Kursen und organisieren Freizeitaktivitäten. Um die Integration zu verbessern, beteiligt sich das Comites auch an der Aktion «Eingeladen» der Aargauer Museen oder organisiert öffentliche Konzerte. «Sehr bedeutend sind die Meerreisen», sagt Franco Barabino. Organisiert vom Comites fahren jährlich rund 150 Italiener mit Cars für 14 Tage Ferien an einen Strand. Die Reise wird zu günstigen Preisen angeboten. «Wir waren auch schon im Bundeshaus und im PSI», sagt Barabino. In Wettingen besitzt das Comites Argovia ein Büro an der Seminarstrasse. Dort arbeitet Patrizia Rizzi als Sekretärin und hält die Fäden zusammen. (DM)