Bildungsdepartement

IT-Panne: Aargauer Lehrer erhält Rechnung statt Lohn

Ein Aargauer Lehrer erwartete Geld - und erhielt eine Rechnung. (Symbolbild)

Ein Aargauer Lehrer erwartete Geld - und erhielt eine Rechnung. (Symbolbild)

Das neue Administrationssystem läuft noch nicht fehlerfrei. Ein Aargauer Lehrer staunte nicht schlecht, als er eine Rechnung anstelle des Lohns erhielt.

Nicht schlecht gestaunt hat kürzlich eine als Stellvertretung arbeitende Aargauer Lehrperson, als sie ihre Lohnabrechnung erhielt. Denn statt dem Lohn erhielt der Brief vom Bildungsdepartement eine Rechnung. Der Kanton verweigerte ihr aber nicht nur den Lohn, er verlangte sogar noch Geld. Genau jenen Betrag, den sie als Lohn erwartet hatte. Rasch war klar, dass es sich bei dieser «Negativlohnforderung» des Kantons nicht um eine neue Sparmassnahme, sondern schlicht um einen Fehler handelte.

Schuld sind Probleme mit dem kantonalen Informatiksystem Alsa. Beim System Alsa handelt es sich um eine Informatiklösung, die ab dem Schuljahr 2016/17 flächendecken für die Aargauer Schule entwickelt worden ist. Über das System werden die Anstellung von über 11 000 Lehrpersonen an den Schulen sowie die Beantragung und Bewilligung von Ressourcen der Volksschule verwaltet. Auf Basis dieser Daten werden monatlich Löhne von rund 80 Millionen Franken ausbezahlt.

Wieder analog wie früher

Doch immer wieder funktioniert Alsa nur eingeschränkt. Dass jemand statt Lohn eine Rechnung erhält, ist zwar die absolute Ausnahme. Doch viele Lehrpersonen bei Vertretungen haben den Dezemberlohn nicht vollständig oder gar nicht erhalten. Das Problem von Alsa liegt bei der Verarbeitung von Pensenmeldungen. Bei einer mittelgrossen Schule fallen pro Woche drei bis vier Pensenmeldungen an, erklärt Philipp Grolimund, Co-Präsident des Verbands Aargauer Schulleitungen. Beispielsweise, wenn Lehrpersonen krank werden und Stellvertretungen organisiert werden müssen.

Doch Alsa kann die Mutationen zurzeit nur eingeschränkt und mit Verzögerung bearbeiten. Das wiederum führt dazu, dass die Lehrpersonen, die eine Stellvertretung unterrichten, den korrekten Dezemberlohn erst später, in einzelnen Fällen gar erst im Februar erhalten werden. Wie lange das System nur reduziert funktioniert, weiss man beim Bildungsdepartement nicht. Aber man arbeite mit Hochdruck an der Lösung des Problems, sagt Sprecherin Simone Strub.

Mehraufwand für Schulen

Das Problem manifestiert sich an den Schnittstellen von Alsa zum Personalmanagementsystem. Zur endgültigen Behebung des Fehlers braucht es mehrere zeitintensive und voneinander abhänge Programmkorrekturen. Die zuständigen Mitarbeitenden in der Verwaltung sind doppelt gefordert. Zum einen gilt es, das Problem zu lösen. Und zum andern werden die Mutationen, die von Schulen gemeldet werden, vorübergehend von Hand bearbeitet. Zudem ist die Personaldecke der Verwaltungsstellen ziemlich dünn: «Es besteht keine Reserve für ausserordentliche Situationen», erklärt Strub. Was für die betroffenen Angestellten erhebliche Mehrarbeit bedeutet. Lehrpersonen, die aufgrund der noch ausstehenden Lohnzahlungen in finanziellen Nöte gerieten, werde selbstverständlich geholfen.
Alsa sei ziemlich komplex, sagt Philipp Grolimund, und es bringe Schulverwaltungen einen deutlichen Mehraufwand.

Dies vor allem, weil es nicht mehr einfach einen Vertrag pro Lehrperson oder Stellvertretung gebe , sondern je nach Fächerkombination bis zu drei. Zusätzlich liessen sich viele Situationen nur schwer abbilden. Zurzeit treten die Schwierigkeiten, die Grolimund als «Kinderkrankheiten» bezeichnet, vor allem im Zusammenhang mit Stellvertretungen auf. Grolimund attestiert dem BKS, dass der Support gut sei, «Aber ich halte es für unerlässlich, dass bald eine gründliche Evaluation stattfindet und notwendige Verbesserungen zügig umgesetzt werden.».

Auch Yvonne Zihrer, die Präsidentin des Verbandes Schulleitungen Aargau/Solothurn bestätigt auf Anfrage, dass Alsa für die Schulen vor Ort vor allem eines bedeutet: Mehraufwand. Der konkrete Nutzen für die Schulen sei vorderhand kaum ersichtlich. Für die Regierung und die Politik hingegen sei Alsa ein gutes und praktisches Führungs- und Kontrollinstrument, das jederzeit und auf Knopfdruck präzise Aussagen über die Personalkosten im Schulbereich machen könne.

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Autor

Jörg Meier

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