E-Doktor
Ist im Kantonsspital Aarau bald Dr. Handy zuständig für «Boboli»?

Eine Meldung des Branchenportals Medinside suggeriert, das Kantonsspital Aarau würde neu Video-Beratungen empfehlen. Doch der Handy-Arzt lässt auf sich warten.

Noemi Lea Landolt
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Nicht jeder Patient kommt mit Blaulicht ins Spital. Regelmässig verstopfen Bagatellfälle das Wartezimmer.

Nicht jeder Patient kommt mit Blaulicht ins Spital. Regelmässig verstopfen Bagatellfälle das Wartezimmer.

Alex Spichale

Patienten, die wegen ihrer «Boboli» die Notfallstationen der Spitäler verstopfen, sorgen immer wieder für Kritik. Das Berner Start-up Eedoctors will dem mithilfe neuer Technologien entgegenwirken. «Downloaden, registrieren, sofortige Behandlung.» So wirbt Eedoctors für seine App. Diese ermöglicht es Patienten, sich via Smartphone mit einem Arzt zu verbinden. Über Video-Telefonie können sie dem Doktor ihr Problem schildern und allfällige Symptome am Körper mit der Kamera gleich filmen. Der Arzt könne keine Befunde, sondern bestenfalls eine Verdachtsdiagnose stellen und eine Dringlichkeitsbeurteilung vornehmen, heisst es auf der Website des Start-ups. Je nachdem könne der Eedoctor Medikamente verordnen oder den Patienten an einen Arzt oder ein Spital weiterverweisen. Die Ärzte, welche die Patienten über die App erreichen, würden alle über ein Schweizer Diplom oder ein EU-Äquivalent verfügen, heisst es auf der Website.

Am 23. Januar informierte Eedoctors auf Facebook über eine bevorstehende Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Aarau (KSA). Die Notfallstation des KSA biete den Patienten vor Ort eine zeitsparende Alternative und empfehle deshalb die Eedoctors-App, heisst es im Post. Die Meldung klingt definitiv. Eedoctors scheint sich über die bevorstehende Zusammenarbeit mit einem namhaften Partner zu freuen.

Die Zeilen auf Facebook nahm Med-inside, ein Online-Portal für Nachrichten aus der Gesundheitsbranche, tags darauf zum Anlass, über die Zusammenarbeit zu berichten. Laut der Meldung soll ein Banner auf der Notfallstation des KSA wartende Patienten bereits ab Februar darauf hinweisen, dass sie über die Eedoctors-App rasch eine erste Einschätzung erhalten können. Damit die Patienten ungestört mit den Telemed-Ärzten sprechen könnten, stehe zudem ein kleines Zimmer zur Verfügung, schrieb Medinside.

Kantonsspital Baden: «Kein dringender Handlungsbedarf»

Das Start-up Eedoctors ist auch dem Kantonsspital Baden (KSB) bekannt. «Der Ansatz ist zweifellos interessant», sagt KSB-Mediensprecher Omar Gisler. Das KSB setze im Notfallzentrum aber auf ein bewährtes Triage-System, nach dem die Patienten, je nach Dringlichkeit, eingestuft werden. Deshalb gebe es im Moment «keinen dringenden Handlungsbedarf». Bei der Digitalisierung liege der Fokus derzeit vielmehr auf der Anschaffung eines neuen Patientendatenmanagementsystems sowie der Lancierung des elektronischen Patientendossiers. «Es handelt sich um zwei komplexe IT-Projekte, die dazu führen sollen, dass Prozesse und Abläufe automatisiert werden, sodass die Kosten gesenkt werden und die Effizienz erhöht werden kann», sagt Gisler.

Als einziges Spital im Aargau arbeitet das KSB mit der Telemedizin-Plattform onlinedoctor.ch zusammen. «Wir nutzen die Applikation bei der Beurteilung von Hautproblemen», sagt Gisler. Für eine Diagnose schicken KSB-Ärzte Fotos der Hautauffälligkeiten ihrer Patienten an Spezialisten. «Das hat sich in den vergangenen zwei Jahren bewährt, zumal der Service auch an Wochenenden angeboten wird und die Datensicherheit gewährleistet ist», sagt Gisler. Der Nutzen für Ärzte und Patienten sei hoch. (nla)

Keine stundenlangen Wartezeiten

Pascal Fraenkler, der Gründer von Eedoctors, betonte die Vorteile der Zusammenarbeit gegenüber Medinside: «Einerseits müssen die Patienten nicht mehr stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen, andererseits können wir mit diesem System dafür sorgen, dass die Notfallstationen entlastet werden.» Weniger dringende Fälle sollen die Spitalärzte künftig also gar nicht mehr beschäftigen, sondern über den Arzt im Handy abgewickelt werden.

Da im KSA auch eine Apotheke integriert sei, könnten die von den Eedoctors verschriebenen Medikamente auch gleich abgeholt werden, heisst es in der Medinside-Meldung weiter. So hätten Patienten nicht das Gefühl, unnötigerweise ins Spital gefahren zu sein.

Doch was laut der Meldung definitiv klingt und schon in diesen Tagen starten soll, ist tatsächlich erst in Planung. Als sich die AZ bei KSA-Mediensprecherin Andrea Rüegg telefonisch nach der Zusammenarbeit erkundigt, zeigt sich diese wenig erfreut über die von Medinside verbreitete Meldung.

Zusammenarbeit noch unklar

Es scheint, als hätte Eedoctors sich etwas zu früh über das KSA als Partner gefreut. «Die Zusammenarbeit ist noch nicht geregelt», sagt Spitalsprecherin Andrea Rüegg. «Wir müssen noch einmal im Grundsatz über die Zusammenarbeit sprechen.» Fragen zum Thema könne sie deshalb frühestens in ein paar Wochen beantworten.

Eedoctors will sich gegenüber der AZ noch nicht äussern.