Denn hier sollen dereinst die radioaktiven Abfälle aus dem Zwischenlager Würenlingen angeliefert und in endlagerfähige Behälter umgeladen werden. Bevor sie ins 500 bis 800 Meter tief gelegene Lager geschickt werden, um im Gestein fern von der Biosphäre abzuklingen. Im Aargau geht es um die sieben Standorte Suhr und Kölliken für Jura Süd, Effingen, Hornussen, Villigen und Würenlingen für Jura Ost sowie Mellikon (am Rand auch Rekingen) für Nördlich Lägern. Die anderen drei in der Lagerregion in Weiach und Glattfelden liegen auf Zürcher Gebiet – in Kiesgruben. Wegen Konflikten mit dem Richtplan fiel die Aargauer Reaktion deutlich aus: «Die Standorte im Aargau sind für uns nicht nachvollziehbar», kritisierte Baudirektor Peter C. Beyeler.

Suchprozess läuft auf Hochtouren

Die drei Regionalkonferenzen für die Gebiete Bözberg und im Osten und Westen des Kantons befassen sich mit der Suche nach der Eingangspforte ins Tiefenlager – das in einer anderen Gemeinde liegen kann. «Wir sind intensiv an der Arbeit, die nächste Regionalkonferenz mit 100 Personen findet am 5. Mai in Erlinsbach statt», betont Präsident Peter Hodel von der Plattform Jura Südfuss. Natürlich sei viel Skepsis vorhanden, «aber man muss fundierte Argumente haben, um Nein sagen zu können».

Eine 100-köpfige Gruppe umfasst auch die Regionalkonferenz Jura Ost, für die Oberflächenanlage könnte auch sie neue Standorte vorschlagen. «Daran glaube ich eher nicht», sagt Co-Präsident Peter Plüss, Gemeindeammann in Unterbözberg. Zur schwierigen Rolle der Behörde fügt er bei: «Man wird falsch eingeschätzt, wenn man nicht gleich dagegen schreit.» Aber die Aufgabe ist eine andere, es geht «um die nüchterne Abklärung des besten Standorts für den Richtplan».

Zeitplan schwierig einzuhalten

Bis zum Spätherbst ist offen, welcher Standort sich in den drei Regionen als Favorit herauskristallisiert. Das Interesse der Bevölkerung ist gross, zur Information in Würenlingen kamen rund 120 Personen, in der vollen Turnhalle Bözen waren es doppelt so viele. Bei einem sehr grossen Einsatz hält Plüss den Zeitplan für machbar, im Gegensatz zu den anderen Regionen. «Der Zeitplan ist viel zu ehrgeizig, aber wir lassen uns nicht unter Zeitdruck setzen», betont Hanspeter Lienhart (Bülach) vom Forum Lägern Nord. Es handle sich ja schliesslich um ein Projekt «mit einem sehr langen Horizont».

Die Partizipationsgruppe der Region Lägern kann sich vorstellen, selber bessere Standorte vorzuschlagen, «aber eher im Kanton Zürich». Die Erkenntnisse der Fachstellen aus den Kantonen Aargau und Zürich lasse man selbstverständlich in die Abklärungen einfliessen. Am Jura-Südfuss ist die Frage noch offen, aber der enge Zeitplan bereitet auch hier Sorgen: «Das ist eine starke Herausforderung, ich zweifle daran, ob die Zeit wirklich reicht», meint Peter Hodel. Weiter: «Der Inhalt ist wichtiger als der Zeitplan, sonst wird das ganz Verfahren zum Feigenblatt», stellt Hodel fest.

Aus Sicht des Bundes machbar

Das mit der Kritik konfrontierte Bundesamt für Energie antwortet, die Entsorgungsfrage müsse zielgerichtet einer Lösung zugeführt werden. Das Verfahren für den Sachplan «ist für alle Beteiligen fordernd, aber machbar», erklärt Marianne Zünd, Leiterin Kommunikation im BFE. Beim Bund sei man sich der grossen Herausforderungen bewusst, aber man stelle «die nötige fachliche und finanzielle Unterstützung sicher». Zieltermin für das Urteil zu den Nagra-Vorschlägen und für eigene Standorte bleibe Ende 2012.

Nach dem Aufbau der regionalen Partizipation in den sechs Regionen läuft jetzt die Etappe2 mit Fachgruppen zu Oberflächenanlagen, Sicherheit und «sozioökologisch-ökonomischen Auswirkungen». Auch die Kantone könnten sich zu den Standorten äussern. Das Ziel: Je zwei Lager-Standorte für hochradioaktive und schwach- bis mittelaktive Abfälle.