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Ist der Aargau wirklich der hässlichste Kanton der Schweiz?

Nicht gerade schön und eher unsympathisch. Zu diesem wenig schmeichelhaften Schluss über den Aargau gelangt eine repräsentative Umfrage zum Image der Schweizer Kantone. Was ist dran an diesem Urteil?

2,7 Punkte bekommt der Aargau in der Kategorie «Einzigartigkeit». So wenig wie kein anderer Kanton. Mit dieser Kategorie misst die Firma Campaignfit, die die Umfrage gemacht hat, die Schönheit der Kantone. Im Klartext heisst das: In der Wahrnehmung der 7218 Schweizer und Schweizerinnen, die bei der Online-Umfrage mitgemacht haben, ist der Aargau der hässlichste Kanton der Schweiz. Der schönste ist mit 4.1 Punkten das Tessin, gefolgt von Graubünden und Wallis mit der Note 4.

Der Aargau ist gemäss der Umfrage auch nicht besonders hip. Mit 2.4 Punkten kommt er hier auf Rang 17. Immerhin: Obwalden, Appenzell Innerrhoden und Uri sind noch bünzliger. Am hipsten ist übrigens Basel.

Nur Obwalden und Zürich unsympathischer

Hintere Mittelfeldplätze gibt es in den Kategorien Swissness und Prominenz. Erstere misst, wie gepflegt, sicher und qualitätsbewusst die Kantone sind. Zweitere die Bekanntheit und das wahrgenommene Bewusstsein. In der Rubrik Familienfreundlichkeit gibt es ebenfalls nur einen Mittelfeldplatz. Einen Platz im vorderen Mittelfeld gibt es dagegen in der Kategorie «Snobismus». Der vesnobteste Kanton ist – wer hätte es sich gedacht? – Zürich.

Mit insgesamt neun Imagedimensionen wollten die Autoren der Studie, die Persönlichkeit und das Image der Kantone nachzeichnen. Sie haben die neun Dimensionen anschliessend in die vier Kategorien Sympathie, Attraktivität, Lebensqualität und Wohnen übertragen. Und auch hier belegt der Aargau vorwiegend hintere Plätze. Bei der Lebensqualität etwa Rang 21, im Bereich Sympathie gar nur Position 24. Nur Obwalden und Zürich weisen hier tiefere Werte aus.

Täuscht der erste Blick

Für Studienautor Tobias Heilmann ist das alles halb so wild. «Um den Aargau steht es nicht so schlecht, wie das auf einen ersten Blick aussieht», sagt er. Und meint damit: Auch wenn es in einer Kategorie schlechte Noten gibt, wirklich ungenügend sind sie nicht.

Es ging auch darum herauszufinden, worin die Kantone sich unterscheiden, sagt Heilmann. Und zwar in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit. «Unsere Fragen liefern keine Antworten darauf, wie es wirklich ist, sondern wie Schweizer und Schweizerinnen die Kantone wahrnehmen», so Heilmann.

Viele Vorurteile schwingen mit

Das bedeutet, dass althergebrachte Stereotypen stark in die Werte einfliessen. «Man muss nicht dort gewesen sein, um sagen zu können, dass ein Kanton nicht besonders schön ist oder die Bevölkerung nicht besonders sympathisch, man weiss das einfach», erklärt Heilmann. Also sind die Zürcher dann am wenigsten sympathisch und der Ferienkanton Tessin am schönsten und der Aargau eben am hässlichsten.

Lässt sich daran was ändern? Jein. Auf kurze Sicht nicht, sagt Heilmann. Auf längere liessen sich Imagekorrekturen aber vornehmen. Seine Umfrage sieht er denn auch als Instrument, das die Kantone dazu nützen könnten.

Das Ganze sei kein Hokuspokus, wehrt sich der studierte Wirtschaftspsychologe für seine Erhebungen, die er nach 2011 mit seiner Firma nun zum zweiten Mal durchgeführt hat. Er arbeite schon seit 5 Jahren am Thema. 2011 gründete er dann sein Unternehmen dazu – als Spinoff der Uni Zürich.

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