Lärmschutz
Ist das laut hier! So steht es um die Sanierung von Aargauer Strassen

Bis März 2019 müssen die Aargauer Strassen lärmsaniert sein. Heute, am Tag gegen den Lärm, fragten wir nach: Schafft er das?

Von Mathias Küng
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Jeder fünfte ist in der Schweiz stark lärmbelastet. Das kann die Gesundheit schädigen. (Archivbild)

Jeder fünfte ist in der Schweiz stark lärmbelastet. Das kann die Gesundheit schädigen. (Archivbild)

Keystone

In der Schweiz lebt jede und jeder Fünfte an stark lärmbelasteten Standorten. Strassen-, Schienen- und Luftverkehr verursachen in besonderem Mass Lärm. Dieser kann gar die Gesundheit schädigen. Deshalb hat der Bund die Kantone verpflichtet, lärmbelastete Strassenabschnitte bis März 2018 zu sanieren. Inzwischen hat er ihnen ein Jahr dazu gegeben, bis März 2019.

In den Aargauer Gemeinden wurden mit Blick darauf 9000 Gebäude mit Strassenlärmbelastungen über den Immissionsgrenzwerten identifiziert. Bei 1200 dieser Gebäude wurde gar der Alarmwert überschritten.

Für Sanierungsbeläge, Lärmschutzwände und Schallschutzfenster sowie Planungskosten sind laut Hanspeter Gloor, Leiter der Sektion Lärmsanierung im Departement Bau, Verkehr und Umwelt, für das Strassennetz Gesamtkosten von 257 Millionen Franken veranschlagt. Das sind 13 Millionen weniger als ursprünglich geplant. Warum wird es günstiger? Gloor erklärt: «Strassenflüsterbeläge, von denen wir die ersten schon 2008 eingebaut haben, bringen so viel Lärmreduktion, dass wir 15 ursprünglich geplante Lärmschutzwände nicht erstellen müssen.»

Doch wo steht der Kanton, erreicht er das Ziel bis 2019? Gloor ist zuversichtlich. Der Aargau setze primär auf den bestmöglichen Belag. Von den Flüsterbelägen der neusten Generation sind bereits 40 km eingebaut, dieses Jahr kommen weitere 8,5 Kilometer auf 20 Strassenteilstücken dazu. Und zwar auf Abschnitten, die ohnehin saniert werden müssen. Neue Flüsterbeläge reduzieren den Verkehrslärm zu Beginn um 6 bis 7 Dezibel, wovon im Laufe der Jahre 3 bis 4 Dezibel verloren gehen.

Von der für die Strassen-Lärmsanierung reservierten Viertelmilliarde wurden laut Gloor inzwischen 160 Millionen verbaut. Die Mittel kommen aus der Strassenkasse. Übrigens werden dem Kanton vom Bund rund 25 Prozent der Bruttokosten rückvergütet. Die Gemeinden müssen sich mit rund 100 Millionen beteiligen.

Flüsterbelag oder neue Fenster?

Inzwischen sind die Sanierungen in 68 Gemeinden abgeschlossen, in 48 Gemeinden in der Ausführung, in 97 in Projektierung. Der Kanton versucht, wo irgend möglich, den Lärm an der Quelle mit Flüsterbelägen zu bekämpfen. Wenn das nicht reicht, werden Lärmschutzwände gebaut.

Es gibt aber auch Situationen, in denen Lärmschutzfenster die beste Lösung sind. An Standorten, an denen der Immissionsgrenzwert überschritten wird, geht der Kanton auf betroffene Hausbesitzer zu. Das Angebot: Er übernimmt 50 Prozent dieser Kosten, der Hausbesitzer die anderen 50 Prozent. Schliesslich ist damit eine Wertvermehrung des Hauses verbunden. Zwingen kann man die Hausbesitzer aber nicht. Gloor: «Etwa 70 Prozent lassen sich in diesem Fall neue Fenster einbauen. Wer das nicht will, muss halt mit der aktuellen Lärmsituation weiterleben. Denn es gibt Situationen, wo zum Beispiel wegen einer Abzweigung oder einer Zufahrt zum Gebäude eine Lärmschutzwand nicht möglich ist.» Anders läuft es, wenn gar der Alarmwert überschritten wird: dann zahlt der Kanton die neuen Fenster zu 100 Prozent.

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