Auswanderer-Serie
Irland-Auswanderer: «Mit einer Windjacke liegt man nie falsch»

Wie ausgewanderte Aargauerinnen und Aargauer leben, wo andere Ferien machen. Heute die Sarmenstorfer Roger (35) und Nicole (33) Kündig.

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Auswanderer Roger und Nicole Kündig in Irland

Auswanderer Roger und Nicole Kündig in Irland

Zur Verfügung gestellt
Die Grüne Insel Irland.

Die Grüne Insel Irland.

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Wieso sind Sie ausgerechnet nach Irland ausgewandert?

Wir haben uns im Jahr 2006 dazu entschlossen, ein Auslandjahr in einem englischsprachigen Land zu machen um unsere Sprachkenntnisse zu verbessern. Da wir Irland bereits einmal besucht hatten, entschieden wir uns für Irland. Es sollte ja nur das eine Jahr werden ...

Welches Wort in der Landessprache brauchen Sie am häufigsten und warum?

Neue Serie: Aargauer in aller Welt.

Neue Serie: Aargauer in aller Welt.

AZ

Wie sicher fühlen Sie sich in Irland, wenn Sie spazieren gehen?

Wir leben im Nordwesten Irlands, hier ist die Welt noch in Ordnung, wie uns Freunde und Familie jeweils sagen, wenn sie uns besuchen. Die Haustüren und Fenster werden nicht verschlossen, man vertraut sich gegenseitig.

Machen Sie mit!

Sie sind ausgewandert und möchten bei unserer "Aargauer im Ausland"-Serie mitmachen? Kontaktieren Sie uns via aargau@aargauerzeitung.ch, Betreff "Auslandaargauer"!

Es gibt, wie in jedem Land, Orte, welche man meiden sollte, diese befinden sich jedoch in den Agglomerationen der grossen Städte.

Wie wohnen Sie?

Wir haben uns vor drei Jahren ein 80-jähriges irisches Cottage auf dem Land gekauft, umgeben von Torffeldern und Schafen. Das Cottage haben wir die letzten beiden Jahre renoviert und ausgebaut. Wir lieben vor allem Ruhe hier im nordwestlichsten County Irlands.

Wie weit ist es zur nächsten Einkaufsmöglichkeit?

Das nächste Dörfchen, Laghey, liegt knapp fünf Kilometer entfernt und bietet mit einem Spar-Laden die nächste Einkaufsmöglichkeit.

Welche Spezialität in Ihrem Auswanderungsland mögen Sie am liebsten? Und welche mögen Sie gar nicht?

Durch die Nähe zum Meer gibt es unzählige tolle Seafood-Restaurants an der Atlantik-Küste. Am liebsten mögen wir Seafood Chowder, eine sämige Meeresfrüchte- und Fisch-Suppe. Auf was wir gerne verzichten ist der Black & White Pudding. Eine Art Leberwurst beziehungsweise Blutwurst, welche von den Iren gerne zum Frühstück gegessen wird.

Wie ist das Klima in Irland?

Das Klima in Irland ist mild. Im Sommer wird es kaum über 22 Grad warm, im Winter liegen die Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt.

Was gefällt Ihnen am Leben, am Alltag in Irland am besten?

Wir lieben die Ruhe und die Menschen hier in Irland. Es gibt ein irisches Sprichwort: «A stranger is a friend you haven’t met yet», übersetzt bedeutet dies: «Ein Fremder ist ein Freund, welchen du noch nicht kennen gelernt hast.» Die Menschen sind sehr freundlich und zuvorkommend.

Und was stört Sie an Irland?

Als Schweizer muss man sich zuerst an die irische Mentalität gewöhnen. Sobald man diese jedoch versteht, macht es vieles einfacher. Pünktlichkeit zum Beispiel gehört nicht zu den obersten Prioritäten der Iren. Man verabredet sich daher jeweils nicht zu einer bestimmten Zeit, sondern hängt der genannten Zeit noch ein «ish» an. Wenn man sich mit jemandem für 8 Uhr verabreden will, sagt man: «Let’s meet up at 8ish», was so viel bedeutet wie «irgendwann um 8 Uhr herum». Wenn man dann erst um 8.15 Uhr eintrifft, kann der andere sich auch nicht beklagen, dass man nicht pünktlich gewesen wäre.

Wie weit ist es zu den nächsten Nachbarn?

Unser nächster Nachbar wohnt 400 Meter Luftlinie von uns entfernt. Ein 86-jähriger Schäfer, der sich täglich mit seinem Quad und Sonnenbrille um seine Schafe kümmert.

Wohin fahren Sie selber in die Ferien?

Da wir ein eigenes Reisebüro führen für Schweizer, die in Irland Ferien machen möchten, wollen wir während der Reisesaison jederzeit für unsere Kunden erreichbar sein und verzichten daher auf Ferien. Am Ende der Saison, also im November, zieht es uns dann jeweils für eine Woche an etwas wärmere Orte, damit wir Sonne tanken können. Da wir sehr einfach leben hier in Irland, brauchen wir auch in unseren Ferien keinen Luxus. Ein paar Tage Sonne in Spanien oder Portugal reichen aus, um die Batterien wieder zu füllen für das kommende Jahr.

Haben Sie manchmal Heimweh nach der Schweiz? Was vermissen Sie am meisten?

Das Heimweh war vor neun Jahren stärker als jetzt. Unterdessen gibt es so viele soziale Netzwerke und Möglichkeiten, um mit Familie und Freunden zu kommunizieren. Wir bekommen auch sehr viel Besuch aus der Schweiz, dann wird unser Kühlschrank sowie der Tiefkühler jeweils mit Schweizer Spezialitäten gefüllt. Mit einem Wurst-Käse-Salat im Sommer oder einem Fondue im Winter lässt sich das Heimweh jeweils etwas verdrängen.

Was können die Schweizer von den Menschen in Irland lernen?

Wenn man schon fast zehn Jahre in einem anderen Land lebt, vergisst man viele der Eigenschaften des Herkunftslandes. Unsere Besucher stellen jedoch jeweils fest, dass die Iren offener und freundlicher seien als die Schweizer. Man gesellt sich im Pub schnell zu Fremden und hat einen lustigen Abend – etwas, was in der Schweiz nicht mehr so verbreitet sei. Bei unseren raren Besuchen in der Schweiz stellen wir jeweils fest, dass man zum Beispiel bei einer Verkehrsampel bei Orange bereits fahren sollte, wenn die Ampel dann auf Grün springt und man noch nicht losgefahren ist, ertönt vom hinteren Fahrer bereits ein Hupen. Um etwas mehr Lebensqualität in der Schweiz geniessen zu können, sollte man manchmal «einen Gang herunterschalten» können und sich an dem freuen, was man hat.

Nennen Sie drei Dinge, die man als Tourist in Irland unbedingt sehen muss.

1. Der Wild Atlantic Way, mit 2500 Kilometern die längste ausgewiesene Küstenroute der Welt. Sie wurde erst vor rund zwei Jahren eröffnet und deckt die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Westküste ab.

2. Der Ring of Beara, die kleine Schwester des berühmteren Ring of Kerry. Nicht so bekannt, jedoch bedeutend attraktiver als der Ring of Kerry. In dieser Region fühlt man sich wie als Statist in einem Rosamunde-Pilcher-Film.

3. Donegal, das ursprünglichste County Irlands. Wenn Sie Abgeschiedenheit und Ruhe den Touristenströmen vorziehen, führt kein Weg an Donegal vorbei. Hier in Donegal finde man noch das Irland, vor wie es vor 30 Jahren war, sagt man sich unter den Einheimischen.

Nennen Sie drei Dinge, die man einpacken muss, wenn man Irland bereist.

1. Mit einer Wind- oder Regenjacke liegt man nie falsch. In Irland kann es innerhalb von wenigen Minuten stark winden, dann stark regnen, und Minuten später scheint wieder die Sonne.

2. Gutes, bequemes Schuhwerk, um möglichst viele der unzähligen Sehenswürdigkeiten besuchen zu können.

3. Einen Fotoapparat, um die vielen wunderschönen Eindrücke der Reise mit nach Hause nehmen zu können.

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