Fitness in der Krise?
Interview mit Sport-Business-Experte: «Die Anzahl Fitnessmitglieder wird weiter steigen»

Der Sport-Business-Experte bei Deloitte Stefan Ludwig erklärt, weshalb sich die Branche von der Krise erholen dürfte.

Jocelyn Daloz
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Stefan Ludwig ist Leiter Sport Business Gruppe beim Unternehmen Deloitte.

Stefan Ludwig ist Leiter Sport Business Gruppe beim Unternehmen Deloitte.

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Stefan Ludwig leitet die Business-Sport-Abteilung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Gemäss eine von seiner Abteilung veröffentlichte Studie dürfte die Fitnessbranche zuversichtlich sein.

Herr Ludwig, in der Schweiz sind Besucherzahlen eingebrochen. Sind Leute wegen der Pandemie verunsichert oder wenden sie sich nun lieber Outdooraktivitäten zu?

Stefan Ludwig: Ich glaube nicht. Klar, als die Studios geschlossen waren, gingen mehr Menschen raus, aber wir beobachten auch, dass einen sehr hohen Anteil der Mitglieder jetzt wieder zurückkommt. Wenn, dann ist es im Gegenteil mit der Pandemie umso wichtiger geworden, da Sport das Immunsystem stärkt und somit der Bekämpfung von Covid-19 dienlich sein könnte. Ich denke auch, dass die Fitnessbranche mit ihren Massnahmen, beflügelt von der Digitalisierung (Möglichkeiten von elektronischen Check-Ins, die das Contact Tracing vereinfachen) gezeigt hat, dass sie verantwortungsvoll durch diese Krise navigiert.

Trotzdem war der Lockdown eine schwierige Zeit für Fitnesstudios.

Die Coronakrise hat Länder unterschiedlich getroffen. Das ist abhängig von der Länge des Lockdowns, die in Deutschland beispielsweise eher kurz war. Es hat auch mit Marktangeboten zu tun: In Grossbritannien, wo sich Menschen weniger für Jahresabos verpflichten, liegen Einnahmen im April-­Juni im Verhältnis zu den für 2020 projizierten Zahlen um 94 Prozent zurück. In Deutschland sind es vergleichsweise nur 28 Prozent, der europäische Durchschnitt liegt bei etwa 55.

Soll man mit einer Konkurswelle rechnen?

Manche Einzelbetreiber wird es wohl treffen. In unserer Stichprobe von kleinen Unternehmen merkten wir, dass sie weitaus pessimistischer sind gegenüber ihrer Zukunft als grössere Ketten. Das erstaunt auch nicht: Kleine Unternehmen haben weniger finanzielle Rücklagen aufgebaut, um durch solche Phasen durchzukommen.

Wird die Branche von der Krise langfristig beeinflusst?

Die Wirtschaftskrise verstärkt eine Tendenz, die ohnehin schon begonnen hat: Die Konsolidierung. Die grossen Anbieter sind auf Expansionskurs: Basic-Fit will bis 2022 im Durchschnitt 150 neue Standorte pro Jahr eröffnen. Dabei handelt es sich nicht um einen Verdrängungsmarkt, sondern das Decken einer steigenden Nachfrage. Ich denke, die Anzahl Mitglieder wird langfristig weiter steigen.