Nomination

Insider wollen frische Kraft für das Präsidium der SVP

Andreas Glarner und Ulrich Mathys

Andreas Glarner und Ulrich Mathys

Viele SVP-Vertreter, mit Chargen und Mandaten in der Partei, treffen sich derzeit nicht nur, um sich einen guten Rutsch zu wünschen. Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen für die Wahl des neuen Kantonalpräsidenten intensiv.

Die Zeit eilt Anfang 2012: Thomas Lüpold (Möriken-Wildegg) verabschiedet sich nach sieben Jahren an der SVP-Spitze schon Ende Februar. Bis zum 20. Januar müssen die Kandidierenden der Geschäftsleitung gemeldet sein, damit der Delegierten-Parteitag am 15.Februar entscheiden kann. Der SVP-Kantonalvorstand kann auch einen Zweier-Vorschlag präsentieren und die 200 bis 250 Delegierten auswählen lassen. So lief es bei der letzten Präsidentenwahl, das Resultat: Thomas Lüpold warf Andreas Glarner (Oberwil-Lieli) aus dem Rennen.

Bezirke suchen neuen Köpfe

Die Präsidenten der elf Bezirksparteien wollen bei der Auswahl mitmischen und haben bereits die Karten für ein gemeinsames Treffen verteilt. Konkret wird Werner Laube, Präsident der SVP im Bezirk Zurzach. Das Treffen sei rechtzeitig im Januar geplant, habe aber keine offizielle Legitimation. Innerhalb des sehr demokratisch organisierten Wahlverfahrens gibt es kein Bezirkstreffen, «es sind nur informelle Absprachen», versichert Laube. Leute für das Präsidentenamt gebe es genügend, aber es mache wenig Sinn, diese gegeneinander antreten zu lassen. Es bestehe eine Tendenz zu neuen Köpfen, der frühere Präsident Hans-Ulrich Mathys (Holziken) wäre aber nur eine Übergangslösung.

Sanfter Kurs oder harte SVP-Linie

Beim Seilziehen hinter den Kulissen geht es zwangsläufig auch um den künftigen Kurs der SVP Aargau. Die Kernfrage lautet, in welche Richtung die Partei fahren will. Vor dem Hintergrund des Debakels bei den Bundesratswahlen, verursacht durch die BBB-Hardliner (Blocher, Brunner, Bader), ist das wirklich spannend. Auf der gleichen, harten Linie politisiert Andreas Glarner, welcher einen Kuschelkurs mit dem Untergang der Partei gleichsetzt.

Das pure Gegenteil ist Hans Ulrich Mathys, der die SVP Aargau erfolgreich durch die Aufbruchzeit von 1989 bis 1999 führte. Wenn sie zu neuen Ufern aufbrechen wolle, brauche die SVP wieder politischen Anstand. Darum will er, 65 Jahre alt, erneut in die Präsidialhosen steigen, um das Schiff auf sicheren Kurs zu bringen. «Meine Kandidatur ist im Bezirk angemeldet, daran halte ich fest», sagt er am vorletzten Tag im Jahr. An Einsatzwillen fehlt es nicht: Mathys arbeitet auch zwischen Weihnachten und Neujahr – wie seit 40 Jahren – in der Kanzlei Holziken. «Das ist Service public, der Erfolg gibt uns recht, selten kommen so viele Leute wie in diesen Tagen», versichert der Gemeindeschreiber.

Die Quadratur des Kreises

Natürlich lese er die Zeitung auch, sagt Präsident Lüpold, aber offiziell sind bei ihm noch keine Kandidaturen eingetroffen. Fast parallel zum Rücktritt hat die Bezirkspartei Bremgarten sofort Andreas Glarner auf den Schild gehoben, dem eine starke Führung wichtig ist, auch für seine heutige Funktion als SVP-Fraktionspräsident. Selber ins Spiel gebracht hat sich Vize-Kantonalpräsident Thomas Burgherr (Wiliberg). Aus beruflichen Gründen keine Zeit hat Benjamin Giezendanner (Rothrist), der sich aber immerhin das Vizepräsidium vorstellen könnte. Die Wahl wird zur Quadratur des Kreises, knallharte und kuschelweiche Strömungen müssen unter einen Hut. Zudem muss die frische Kraft die SVP dank viel Erfahrung am 21. Oktober zum Erfolg führen, bei den Wahlen in die Regierung und den Grossen Rat.

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