Während die Weltwirtschaft in Davos tagt, traf sich gestern zum 12. Mal die Aargauer Wirtschaft im Kultur- und Kongresshaus zum Wirtschaftssymposion Aargau. Die Co-Organisatoren Visus Service GmbH und Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Wirtschaft, versprachen einen Blick in die Zukunft. Unter dem Titel «Innovationen: Die Zukunft ist jetzt» spürten sechs Referentinnen und Referenten dem Begriff Innovation nach.

Das sorgte für grosses Interesse: rund 350 Unternehmer, Manager, Forscher und Fachleute wollten dabei sein. Der Aargauer Wirtschaftsdirektor Urs Hofmann sagte in seinem Grusswort: «Der Aargau ist ein guter Nährboden für Innovationen.» Der Anteil von Forschung und Entwicklung liege massiv über dem Durchschnitt aller Schweizer Kantone. Der Regierungsrat sehe, gerade in der Industrie, «sehr gute Chancen für die Zukunft – aber nur, wenn unsere Unternehmen auch innovativ bleiben». Mit Institutionen wie dem Park Innovaare, dem Hightech Zentrum, der FHNW und dem Paul-Scherrer-Institut (PSI) habe man beste Voraussetzungen dafür.

Wo bleibt der Mensch?

Diese Worte freuten PSI-Direktor Joël Mesot, der nach Hofmann als erster Redner auf die Bühne trat. Mesot: «Wir haben die Innovation, aber wir müssen daran arbeiten, das ‹valley of death› schneller zu überwinden.» Der Begriff meint den oftmals langen und beschwerlichen Weg, den eine Erfindung vor sich hat, bis sie in konkreten Produkten im Markt ankommt. Die Schweiz sei «extrem gut im Patentieren», im Prozess danach müsse sie noch viel effizienter werden.

Karin Vey, Innovationsexpertin im Forschungslabor von IBM, sprach über die Innovation der «künstlichen Intelligenz» und fragte rhetorisch: «Wo bleibt der Mensch?» Vermehrt würden uns Roboter Arbeit abnehmen. Vey berichtete von Einsätzen in der Altenpflege, in der Entscheidfindung einer Geschäftsleitung oder von «Familienrobotern», die in Asien aktuell der grosse Verkaufshit seien: Roboter, die nur dazu da sind, ihre Käufer glücklich zu machen. «Wir kreieren eine dritte Art von Gegenüber, und es wird spannend sein, zu sehen, wie wir damit umgehen.» Angst haben davor müsse man nicht. Die Kreativität sei dem Menschen vorbehalten: «Aus dem Unbewussten heraus Neues schöpfen, das können nur wir.» Auch Intuition oder kritisches Denken beherrschten Roboter bislang nicht.

Norbert W. Bolz, Medienprofessor an der Technischen Universität Berlin, pflichtete bei: «Die grossen Entscheide betreffen Unentscheidbares, sind also Gefühlsentscheide.» Eine Maschine könne uns das nicht abnehmen. «Bedürfnisse, Wünsche und Werte lassen sich nicht digitalisieren.» Die Experten waren sich einig: Digitalisierung allein ist noch keine Innovation. Es braucht auch den Menschen dazu. Doch etwas mehr positives Denken und Gelassenheit dabei täten ihm gut.