Innovation
Quantensprung für die E-Mobilität: Die weltweit sichersten Schnellladestationen stehen beim Fressbalken in Würenlos

Die Aargauer Firma Brugg eConnect entwickelt den ersten Ladestecker der höchsten Sicherheitsklasse – und sticht damit die internationale Konkurrenz aus.

Ann-Kathrin Amstutz
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Markus Kramis, Geschäftsführer Evtec, Domenic Lanz, CEO Gofast und Patrick Kern, CEO Brugg eConnect präsentieren die aufgerüsteten Schnellladestationen beim Fressbalken in Würenlos.

Markus Kramis, Geschäftsführer Evtec, Domenic Lanz, CEO Gofast und Patrick Kern, CEO Brugg eConnect präsentieren die aufgerüsteten Schnellladestationen beim Fressbalken in Würenlos.

Bild: Alexander Wagner

Höchste Ladepower bei maximaler Sicherheit: Das bieten die neuen Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge am Fressbalken in Würenlos. In acht bis zehn Minuten lässt sich die Batterie komplett aufladen – sofern das Auto die hohe Ladeleistung unterstützt. «Zeit genug, um nebenan einen Kaffee zu trinken, danach ist die Batterie voll», erklärt Patrick Kern, CEO der Brugg eConnect.

Möglich ist die kurze Ladezeit dank eines Schnellladesystems mit einer maximalen Leistung von 300 kW. Zum Vergleich: Eine Heimladestation für Elektroautos hat üblicherweise eine Ladeleistung von 11 oder 22 kW. Die aufgerüsteten Ladestationen beim Fressbalken haben also eine enorme Power, was grosse Belastungen fürs Material mit sich bringt. Drei Schweizer Firmen ist nun ein Quantensprung gelungen, um beim Schnellladen eine maximale Sicherheit zu gewährleisten.

Stecker kann von Lastwagen überfahren werden, ohne Schaden zu nehmen

Eine dieser Firmen ist die Brugg eConnect. Das Aargauer KMU produziert sowohl Stecker als auch Kabel fürs Schnellladesystem. Ihr neuer Stecker des Typs CCS 2 ist der weltweit sicherste Stecker, der in der E-Mobilität im Einsatz ist.

Dieser Stecker der Brugg eConnect erreicht als erster Ladestecker weltweit die höchste Sicherheitsklasse.

Dieser Stecker der Brugg eConnect erreicht als erster Ladestecker weltweit die höchste Sicherheitsklasse.

Bild: Alexander Wagner

Patrick Kern, CEO der Brugg eConnect, erklärt: «Der Stecker hält Wasser bei Hochdruck stand, ist komplett staubdicht und kann sogar von einem Lastwagen überfahren werden, ohne Schaden zu nehmen.» Für sie als KMU sei es ein einzigartiger Erfolg, als erste einen Ladestecker der höchsten Sicherheitsklasse entwickelt zu haben. «Damit haben wir die grosse internationale Konkurrenz ausgestochen», so Kern.

Patrick Kern, CEO der Brugg eConnect, präsentiert den robusten Stecker, der Wasser bei Hochdruck und dem Gewicht eines Lastwagens standhalten kann.

Video: Ann-Kathrin Amstutz, Brugg eConnect

Die Brugg eConnect ist im Bereich Schnellladen sehr erfolgreich. Das zeigt auch die Tatsache, dass einer ihrer Stecker bei der weltweit ersten Schnellladestation für E-Boote in Norwegen zum Zug kam. Die kälteren Temperaturen und der Wasserkontakt bedeuten eine Herausforderung für die E-Mobilität – «hier können wir mit dem robusten und wasserdichten Stecker besonders punkten», so Kern.

Bei den Ladestationen am Fressbalken kommt eine zweite Innovation zum Einsatz, die eine Überlastung des Ladesystems verhindert. Verantwortlich dafür ist die Firma Evtec, welche die Ladesäulen herstellt. Ein neuartiger Schutzmechanismus erlaubt es, das Ladesystem selbst bei einem Ausfall der Software vor Überhitzung zu schützen – indem der Kontakt zum Fahrzeug mechanisch getrennt wird, wenn die Temperatur einen Schwellenwert übersteigt. Markus Kramis, Geschäftsführer der Evtec, erklärt: «Diese Innovation ist weltweit einzigartig und setzt einen neuen Massstab für die Sicherheit.»

Bald stehen beim Fressbalken 20 Ladeplätze mit der neuen Technologie

Die beiden Sicherheitsmechanismen werden in Würenlos zum ersten Mal kombiniert eingesetzt. Die ersten Ladestationen mit dem technischen Upgrade stehen schon, weitere kommen in den nächsten drei Wochen hinzu. Das sagt Domenic Lanz, CEO der Betreiberfirma Gofast: «Insgesamt stehen zwanzig Ladeplätze mit der neuen Technologie zur Verfügung.»

Zwar können nicht alle E-Autos von der hohen Ladeleistung profitieren: «Der Fahrzeugakku definiert die maximale Ladeleistung», so Lanz. Besonders an den Autobahnen und im urbanen Raum gebe es aber eine erhöhte Nachfrage nach Schnellladestationen.

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