Limmattalbahn
Initiative gegen die Bahnetappe in den Aargau ist zustande gekommen

6000 Unterschriften gegen die zweite Etappe des Verkehrsprojekts hat das Komitee «Stoppt die Limmattalbahn – ab Schlieren» gesammelt. Die Zürcher müssen wohl nochmals abstimmen. Im Aargau gab es keine Volksabstimmung über den kantonalen Kreditanteil von 180 Millionen Franken.

Alex Rudolf und Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Ohne die zweite Etappe der Limmattalbahn würde in Dietikon (im Bild der Bahnhof) kein Tram verkehren.
15 Bilder
Die zweite Etappe erstreckt sich von Schlieren bis zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach.
Weitere Visualisierungen der Limmattalbahn: Bahnhof Altstetten
Zürich Micafil.
Kesslerplatz in Schlieren.
Spitalstrasse Schlieren.
Bahnhofplatz Dietikon.
Bahnhof Dietikon.
Die Haltestelle Badenerstrasse in Dietikon.
Die Haltestelle Furttalstrasse in Spreitenbach.
Der Endbahnhof Killwangen-Spreitenbach.
So sieht der Plan der Linienführung aus.
Dieser Plan zeigt die Linienführung in Schlieren.
Dieser Plan zeigt die Linienführung in Dietikon.
Plan der gesamten Linienführung.

Ohne die zweite Etappe der Limmattalbahn würde in Dietikon (im Bild der Bahnhof) kein Tram verkehren.

Architron Gmbh, Zürich

Seit Anfang Woche ist klar, dass Einsprachen gegen die erste Etappe der Limmattalbahn zwischen Zürich-Altstetten und Schlieren-Geissweid aussergerichtlich geregelt wurden und der Baubeginn für dieses Teilstück Ende August erfolgt. Gestern Mittwoch teilte das Komitee «Stoppt die Limmattalbahn – ab Schlieren» mit, dass seine Initiative gegen den Bau der zweiten Etappe zwischen Schlieren und Killwangen-Spreitenbach steht. Die notwendigen 6000 Unterschriften seien beisammen, sagt Komitee-Präsident Bernhard Schmid. «Beim Sammeln konnte man in der Bevölkerung eine Aufbruchstimmung vernehmen. Die Limmattaler wollen sich gegen das Diktat des Kantons wehren», sagt er.

Bei seiner Forderung, auf die zweite Etappe der Stadtbahn zu verzichten, die in den Aargau führt, stützt sich das Komitee auf den Ausgang der Abstimmung vom November 2015. Damals votierten die Stimmberechtigten des Kantons Zürich mit einem Ja-Anteil von 64,5 Prozent für den 510-Millionen-Kredit. Im Bezirk Dietikon erlitt die Vorlage mit 54 Prozent hingegen eine Bruchlandung. «Das Limmattal will diese Bahn nicht», sagt Schmidt.

Aargau genehmigte Beitrag klar

Im Aargau gab es keine Volksabstimmung über den kantonalen Kreditanteil von 180 Millionen Franken. Der Grosse Rat genehmigte den Betrag im Mai 2015 mit 117 zu 11 Stimmen allerdings äusserst klar. Die tatsächlichen Kosten werden aber weniger hoch ausfallen, da der Bund für das Projekt einen Beitrag von 35 Prozent der Gesamtkosten übernimmt.

Die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) ist nicht überrascht, dass die Unterschriften zusammengekommen sind. Ihr sei durchaus bewusst, dass die Einwohner des Bezirks Dietikon Bedenken gegenüber der Limmattalbahn hätten. «Ich bin aber nach wie vor davon überzeugt, dass sie die richtige Antwort auf die Verkehrsprobleme ist und dass die Limmattaler sie dereinst schätzen werden.» So fusse der Bau der Stadtbahn auf einem eindeutigen Volksentscheid, und diesen gelte es umzusetzen. «Daher müssen die Vorbereitungsarbeiten an der zweiten Etappe unbeirrt weitergeführt werden. Dies ist ein wichtiges Signal», so Walker Späh. «Was im November 2015 bei der Abstimmung versprochen wurde, wird auch umgesetzt – auf Strasse und Schiene.»

Baustopp bei Ja zur Initiative?

Zweieinhalb bis drei Jahre nach Einreichen einer Initiative muss diese spätestens dem Volk unterbreitet werden. Im aktuellen Fall wäre dies zwischen Januar und Juli 2020, also nach dem geplanten Baustart der zweiten Bahnetappe im Herbst 2019. Besteht die Gefahr, dass bei Annahme der Initiative die Bauarbeiten gestoppt werden müssten und halb fertige Bahngleise im Limmattal zurückbleiben würden? «Die Stimmbürger werden über sämtliche Konsequenzen dieser Abstimmung informiert werden», sagt Walker Späh.

Deutlichere Worte findet SP-Kantonsrat Ruedi Lais. Falls die Initiative angenommen würde, wäre dies «ein Schildbürgerstreich erster Güte», schreibt der Walliseller auf Facebook. Er betont, dass mit den 510 Millionen Franken nicht nur die Bahn, sondern auch die Erweiterung der Strasseninfrastruktur finanziert wird. Bei einem Ja zur Initiative müssten Strassenbaustellen stillgelegt werden, ist Lais überzeugt.

Zweifel, ob die Initiative überhaupt für gültig erklärt wird, hat der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller (FDP): «Dass nochmals über ein Sachgeschäft abgestimmt werden soll, nur weil man mit dem Resultat nicht zufrieden ist, widerspricht meinem Demokratieverständnis.» So sei die Planung auch für die zweite Etappe bereits in vollem Gange. «Ich gehe davon aus, dass der Baustart wie geplant 2019 erfolgen kann», sagt Müller weiter.

Komitee-Präsident Schmidt fordert vom Regierungs- und Kantonsrat, die Initiative so rasch wie möglich, aber sicher vor dem Spatenstich der zweiten Etappe vors Volk zu bringen. «Die Wähler goutieren keine Verzögerungstaktik.» Für den Ausgang dieser Abstimmung rechnet er sich gute Chancen aus. Schliesslich sei die Ausgangslage eine andere als zuvor. «Beim letzten Urnengang wusste der Kanton noch nicht, dass das Limmattal dieses teure Geschenk gar nicht will. Nun weiss er es.»