Skandalarzt
Ingo Malm kämpft gegen seine Verurteilung: Heute entscheidet das Obergericht

Vor anderthalb Jahren wurde der umstrittene deutsche Arzt Ingo Malm vom Bezirksgericht Bremgarten wegen Urkundenfälschung, Betrug und ärztlicher Tätigkeit ohne Bewilligung schuldig gesprochen. Das Gericht verhängte drei Jahre Haft, eine Geldstrafe von 57'600 Franken, eine Busse von 10'000 Franken und einen fünfjährigen Landesverweis. Malm hat dieses Urteil angefochten und steht heute Donnerstag vor dem Aargauer Obergericht.

Fabian Hägler
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Ingo Malm (64) wurde in erster Instanz wegen mehrerer Delikte verurteilt.

Ingo Malm (64) wurde in erster Instanz wegen mehrerer Delikte verurteilt.

Philippe Rossier/Blick

Vor mehr als sechs Jahren, im September 2014, wurde Ingo Malm von der Aargauer Gesundheitsdirektion die Berufausübungsbewilligung entzogen. Trotzdem soll der umstrittene deutsche Arzt, der auch schon wegen übermässiger Abgabe von Ritalin vor Gericht stand, danach weiter Patienten behandelt haben. Dafür verhängte das Bezirksgericht Bremgarten im Juni 2019 eine Busse von 10'000 Franken gegen den Arzt.

Gravierender waren für Malm die Schuldsprüche wegen Misswirtschaft und Veruntreuung von Quellensteuern. Dafür kassierte der Arzt eine Haftstrafe von drei Jahren und eine Landesverweisung für fünf Jahre.

Der Staatsanwalt warf Malm im Prozess vor der ersten Instanz vor, er habe trotz drohender Überschuldung expandiert und die finanzielle Situation verschlimmert. Mit dem Konkurs seiner Praxis auf dem Mutschellen sei ein Schuldenberg von 4 bis 5 Millionen Franken entstanden.

Verurteilt wegen Betrugs und Urkundenfälschung

In mehr als 500 Fällen hatte sich Malm laut Urteil zudem der Urkundenfälschung schuldig gemacht. Dabei geht es um Rezepte für Medikamente, ärztliche Atteste und Berichte, sowie Rechnungen an Krankenkassen. In drei Fällen, jeweils bei Abrechnungen für Krankenkassen, hat sich Malm gemäss dem Urteil des Betrugs schuldig gemacht.

Verurteilt wurde der damals 64-jährige Arzt ausserdem wegen Zweckentfremdung von Beiträgen an die AHV und die berufliche Vorsorge seiner Mitarbeiter. Laut dem Bezirksgericht hatte Malm mehrere hunderttausend Franken nicht abgeliefert, sondern damit Material, Löhne und Miete seiner Praxis bezahlt.

Für alle diese Delikte wurde Malm zu einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu je 160 Franken verurteilt. Zusammen mit zwei früheren bedingten Geldstrafen, die er nach dem Schuldspruch hätte zahlen müssen, ergab sich eine Summe von 57'600 Franken.

Urteil ans Obergericht weitergezogen

Ingo Malm argumentierte damals vor dem Bezirksgericht, bei den Patienten, die er behandelt habe, habe es sich um Notfälle gehandelt. Sein damaliger Verteidiger verlangte einen Freispruch oder allenfalls eine bedingte Geldstrafe für den Arzt. Malms Anwalt bestritt, dass es sich um Urkundenfälschung handle. Rezepte, Arztzeugnisse und Rechnungen seien keine Urkunden im rechtlichen Sinn. Zudem sei die Landesverweisung für den deutschen Arzt nicht mit dem Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU zu vereinbaren.

Schon im Juni 2019 war zu erwarten, dass Malm den Schuldspruch nicht akzeptieren und das Urteil beim Aargauer Obergericht anfechten würde. Dies hat er inzwischen getan, heute Donnerstag steht die Verhandlung vor dem höchsten kantonalen Gericht an, die um 8 Uhr morgens beginnt und auf eine Dauer von sieben Stunden angesetzt ist.