Diese Woche verging fast kein Tag ohne «breaking news» aus dem Asylbereich. Zum Beispiel: Der Gemeinderat Aarburg zieht die Beschwerde gegen die Asylunterkunft Lindenstrasse ans Bundesgericht weiter. Oder: Bald werden in den Geschützten Operationsstellen unter den Spitälern Asylbewerber einziehen. Oder: Im «Sternen» Menziken sind bereits Asylbewerber eingezogen, obwohl der Kanton die ersten per August angekündigt hat. Resultat: Empörung. Ebenfalls diese Woche vernahm man: Millionen von Syrern sind auf der Flucht, ein kleines Land wie Libanon hat mehr Flüchtlinge innerhalb seiner Grenzen als Einheimische. Ist da Aargauer Widerstand gegen eine ein- oder zweistellige Zahl von Asylbewerbern im Dorf nicht kleinherzig?

Das Thema ist heikel und politisch-ideologisch aufgeladen. Rücken Asylbewerber buchstäblich in die Nähe, nützen Vergleiche mit dem fernen Libanon wenig. Hat man nicht kürzlich gelesen, wer die Aargauer Gefängnisse bevölkert – nämlich 86 Prozent Ausländer? Der Mensch ist ein emotionales Wesen. Appelle an die Mitmenschlichkeit vertreiben selten Ängste und Sorgen.

Solche Überlegungen müssten auch im Departement Gesundheit und Soziales (DGS) angestellt werden. Es gibt unumstössliche Tatsachen: Die Zahl der Flüchtlinge nimmt zu. Der Bund muss sie auf die Kantone verteilen (der Aargau erhielt im Juni 276 Menschen zugeteilt). Der Kanton muss sie auf die Gemeinden verteilen. Bei dieser Sachlage – emotionales Thema, unausweichliche Tatsachen – steht das DGS vor einer kommunikativen Herausforderung.

Es gibt nur eines: früh, offen, ehrlich, glaubwürdig, daneben verständnisvoll, hilfsbereit, nicht im Befehlston informieren. Doch das DGS tappt immer wieder in die Falle und informiert spät, falsch, unvollständig oder gar nicht. Warum bloss? Teilinformation wirkt nicht beruhigend, im Gegenteil. Die Behörden und Menschen in den Dörfern sind nicht einfach fremdenfeindlich. Aber sie wollen mit ihren Ängsten ernst genommen werden. Und den Kanton als verständnisvollen Partner wahrnehmen können. Gut informierte Bürger sind kooperativ. Spät informierte Befehlsempfänger dagegen reagieren störrisch.