Instagram-Stars
Influencer im Aargau: Zwei Frauen, eine App und unzählige Fans

Was treibt Menschen an, sich auf Instagram zu inszenieren, und wie schafften sie es, zu Influencern zu werden? Raffaela Zollo und Arigona Bunjaku sind zwei Frauen aus dem Aargau, die so Hunderttausende Fans anziehen.

Nora Güdemann
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Raffaela Zollo
18 Bilder
So präsentiert sich Raffaela Zollo auf Instagram.
Raffaela war früher ein Junge.
Sie geht offen mit ihrer Transsexualität um.
Es folgen weitere Bilder von Zollos Instagram-Profil.

Raffaela Zollo

Joseph Khakshouri/Sandra Ardizzone

Raffaela Zollo, besser bekannt unter ihrem Usernamen «raffasplasticlife», wohnt in Rudolfstetten. Der gebürtigen Bündnerin folgen auf Instagram derzeit rund 255'000 Personen. Damit ist die schrille Frau mit den knalligen, pinken Haaren eine sogenannte Influencerin, eine «Beeinflusserin».

Als Influencer gilt, wer mehr als 100'000 Follower auf Instagram vorweisen und damit viele Menschen erreichen und eben potenziell beeinflussen kann. Bei Personen, die nicht auf 100'000 Follower kommen, aber dafür eine umso grössere Wirkung auf ihre Fans haben, spricht man von «Micro-Influencern»; diese gewinnen im Marketing zunehmend an Bedeutung. Influencer können Sportler, Musiker, Fashion- oder Beauty-Blogger sein, Journalisten, Fotografen oder Personen, die sich auf irgendeine Art und Weise gut positionieren und in Szene setzen können. Vor allem aber müssen sie auf den sozialen Medien gut vernetzt sein.

Genauso also wie Raffaela Zollo. Sie ist weit über den Aargau hinaus bekannt und gehört zu den bekanntesten Influencerinnen der Schweiz. Sie lacht gerne über sich selbst, liebt Mode und Make-up. Doch das Leben der 25-Jährigen war nicht immer eitel Sonnenschein. «Ich kam als Junge zur Welt», sagt sie in einem ihrer «Real-Talk»-Youtube-Videos. Zollo geht offen mit ihrer Transsexualität um, erzählt unverblümt von ihrer Geschlechtsumwandlung, die sie im Alter von 19 Jahren durchführen liess. Von Selbstmordgedanken, Hänseleien oder den Herausforderungen, als Transsexuelle einen Partner zu finden. Sie wolle das Thema enttabuisieren, sagt sie. Mit ihrem Mut begeistert sie ihre Fans, wie die Kommentare unter ihren Posts zeigen: «Du bist schön, von innen und aussen, ich liebe die Positivität, die du ausstrahlst, und man sieht einfach, was für ein grosses Herz du hast», lautet eine von vielen Reaktionen.

Serie

In der Sommerserie «Influencer» im Aargau stellen wir diese Woche Menschen aus der Region vor, die mit unterschiedlichsten Themen über Instagram bekannt geworden sind oder dies noch vorhaben.

Leeres Konto und Geschäftsfrau

Auf Instagram macht Zollo Witze über ihr leeres Bankkonto, ihr ungeschminktes Gesicht, gescheiterte Diät-Versuche, ihre Beauty-Operationen und begeistert damit ihre Community. Ihre Follower nennt sie «Queens» oder «Plastic-Family». Zollo ist auch Geschäftsfrau, lancierte ihre eigene Kollektion und verkauft falsche Wimpern.

All das schafft sie durch ihre Präsenz auf Instagram und ihrer Fangemeinde von einer Viertelmillion Menschen. Social Media und insbesondere Instagram haben damit eine ganz neue Ebene von Möglichkeiten erschaffen, quasi aus dem Wohnzimmer die Welt zu erobern.
Instagram wurde vor acht Jahren vom Programmierer Kevin Systrom und Software-Entwickler Mike Krieger in Kalifornien gegründet. Zuerst war Instagram nur im App-Store verfügbar, doch bereits am ersten Tag meldeten sich 25'000 Personen an. 2012 wurde die App auch für Android-Smartphones zugänglich. Im selben Jahr folgte die Übernahme durch Facebook: 750 Millionen Euro zahlte der Social-Media-Riese für Instagram, das zu dem Zeitpunkt zwölf Mitarbeiter hatte. Inzwischen sind eine Milliarde Benutzer registriert und täglich werden 60 Millionen Beiträge gepostet.

Dank Reichweite an die Geldtöpfe

Auf der Social-Media-Plattform können die User Bilder und Videos posten, andere User abonnieren (Follower), Bilder kommentieren und mit Gefällt-Mir (Like) markieren können. Dazu kommt die «Story», in der die geposteten Bilder und Videos nur für 24 Stunden zu sehen sind, Live-Streams und eine Chat-Funktion.

Instagram hat zur passenden Zeit die passende Nische gefunden. Die App ist einfach und schlicht, lässt der eigenen Kreativität Raum. Der Normal-Benutzer braucht Instagram, um zu sehen, was Freunde machen, oder um sich selbst und seine Hobbys zu zeigen. Manche schlagen mit Instagram Zeit tot, lassen sich inspirieren – oder beeinflussen. Ihre grosse Reichweite nutzen Influencer meist, um Geld zu verdienen. Das tun sie mit der Platzierung von Werbung in ihren Posts (Product Placement), mit Fan-Artikeln oder eigenen Produkten. Die Werbung und die Inhalte, die Influencer verbreiten, haben aber nicht nur positive Auswirkungen auf ihre Follower.

Baby im Bauch macht mit

Neben Raffaela Zollo sticht im Aargau die 26-jährige Arigona Bunjaku als Influencerin heraus. Auf Instagram heisst sie «ar1gona», hat 118'000 Abonnenten und wohnt in Baden. Die Mode- und Lifestyle-Bloggerin hat in der Limmatstadt einiges vor: «Ich will Baden bunter und modischer machen», sagte sie in einem Interview mit der «Schweiz am Wochenende».

Arigona Bunjaku auf Instagram:

Arigona Bunjaku hat am 12. Juli ihr zweites Kind bekommen. Das Mädchen heisst Dea Liva.
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Zuvor zeigte Bunjaku ihren Babybauch häufig auf Instagram.
Auch die Familie darf nicht fehlen.
Es folgen weiter Bilder von Bunjakus Instagram-Profil.

Arigona Bunjaku hat am 12. Juli ihr zweites Kind bekommen. Das Mädchen heisst Dea Liva.

Instagram/ar1gona

Bunjaku begann aus Spass mit dem Bloggen. Immer mehr Personen folgten ihr. Erst finanzierte sich Bunjaku mit Werbeaufträgen das Studium, mittlerweile konzentriert sie sich voll und ganz auf ihren Blog. Bunjaku wirbt für Marken wie H&M, L’Oréal oder Maison Mollerus. Bunjaku hat Wurzeln im Kosovo und hat in Deutschland gelebt. Für ihren Mann zog sie vor drei Jahren von Düsseldorf nach Koblenz. Als sie schwanger wurde, entschlossen sich die beiden, nach Baden zu zügeln. Ganz Instagram-Profi hielt Bunjaku ihre Community mit Baby-Bauch-Bildern auf dem Laufenden. Ein Kommentar dazu: «Schärfste Mom ever!» Am 12. Juli kam ihr zweites Kind zur Welt.

Fashiontipps, Sportidole, Facebook-Ersatz – So nutzen junge Aargauerinnen und Aargauer Instagram:

Sila Lamattina (21), Aarau, Fachfrau Gesundheit Ich will selbst Influencerin werden und setze momentan alles daran, dass es klappt. Momentan habe ich rund 2000 Follower. Ich poste am liebsten Dinge über Fashion, Beauty und Lifestyle. Aber ich finde auch, dass viele auf Instagram zu viel zeigen.
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Philipp Aranya (20), Riniken, Student Ich habe Instagram gerade erst deinstalliert. Es hat zu viel Zeit in Anspruch genommen, weil ich ständig wieder draufgeschaut hab. Wie eine Sucht. Ich werde mir eine Auszeit nehmen und schauen, ob ichs später wieder installiere.
Kim Nora Gysi (19), Suhr, Fachfrau Gesundheit Ich hab mir Instagram vor vier Jahren zugelegt. Aus Gruppenzwang, jeder hatte plötzlich einen Account. Jetzt nutze ich es als Instagram, folge Models und meinen Freunden. Ich finde es vor allem gut, dass man sein Konto auf privat stellen kann.
Christina Raquel Hammer (19) Ich nutze Instagram, um meinen Freunden zu folgen. Und zur Unterhaltung. Aber es langweilt mich schnell. Influencern folge ich nicht.
Martial Scherrer (20), Moosleerau, Student Ich poste kaum oder wenig selbst Bilder auf Instagram. Ich habs, weil ich dort sehe, was meine Freunde erleben. Auch folge ich Sportlern oder anderen Berühmtheiten, aber keinen Influencern. Ich finde, dass die gar nichts dafür tun, berühmt zu sein.
Nikola Zeller (20), Suhr, Student Instagram ist die bessere Variante zu Twitter und Facebook. Ich poste selber kaum, folge aber berühmten Personen, Musikern, Sportlern. Und meinen Freunden. Nicht gut finde ich, dass Instagram Posts nicht chronologisch anzeigt, und die Werbung nervt.
Luca Schmutz (20), Reinach, Student Ich mache gerne Bilder, und Instagram ist die beste Plattform, sie zu verbreiten. Sonst nutze ich Instagram dafür, meinen Freunden zu folgen und zu sehen, was die so machen. Aber die Werbung nervt mich.

Sila Lamattina (21), Aarau, Fachfrau Gesundheit Ich will selbst Influencerin werden und setze momentan alles daran, dass es klappt. Momentan habe ich rund 2000 Follower. Ich poste am liebsten Dinge über Fashion, Beauty und Lifestyle. Aber ich finde auch, dass viele auf Instagram zu viel zeigen.

Nora Güdemann