Wohlen
In Zukunft gibt es nur noch fünf statt sieben Gemeinderäte

Der Gemeinderat plant eine Verwaltungsreform mit Einführung des Geschäftsführermodells. Das Modell hat sich bereits in mehreren Gemeinden bewährt.

Toni Widmer
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Pressekonferenz im Gemeindehaus: Vizeammann Paul Huwiler, Gemeindeschreiber Christoph Weibel, Gemeinderat Urs Kuhn (von links). Toni Widmer

Pressekonferenz im Gemeindehaus: Vizeammann Paul Huwiler, Gemeindeschreiber Christoph Weibel, Gemeinderat Urs Kuhn (von links). Toni Widmer

Toni Widmer

Das Tempo ist beeindruckend: Ende November hat der Gemeinderat Wohlen der BDO Treuhand den Auftrag für ein Reengineering (Umstrukturierung) der Gemeindeverwaltung erteilt. Und bereits liegt ein Konzept für eine Verwaltungsreform vor, die im Mai 2017 abstimmungsreif sein soll.

Die Eile hat ihren Grund: Im September 2017 sind Gesamterneuerungswahlen angesagt. Bis dahin müssen nicht nur alle nötigen neuen Satzungen, Vorschriften und Reglemente vorliegen, sondern auch alle politischen Entscheidungsprozesse abgeschlossen sein.

Führung neu organisiert

Bei der geplanten Reform geht es nicht nur um ein bisschen Kosmetik. Die Führung der Gemeinde Wohlen soll auf der strategischen und operativen Ebene von Grund auf neu organisiert werden. So soll es kein Vollamt für den Gemeindeammann mehr geben und nur noch fünf statt wie heute sieben Gemeinderäte. Zudem soll sich der Gemeinderat auf seine strategischen Aufgaben konzentrieren und das operative Geschäft weitgehend der Verwaltung überlassen. Diese wird nach dem sogenannten Geschäftsführermodell organisiert, das sich im Aargau bereits in mehreren Gemeinden – unter anderem in Muri – bewährt.

Mit dem neuen Führungsmodell verfolgt der Gemeinderat mehrere Ziele, wie Vizeammann Paul Huwiler an der Präsentation des Konzepts erläuterte:

Die konsequente Trennung von strategischer Ebene (Gemeinderat) und operativer Ebene (Verwaltung).

Die stufengerechte Delegation nach dem Grundsatz Kongruenz von Aufgabe, Kompetenzen und Verantwortung.

Die Stärkung der politischen Entscheidungsgremien (Einwohnerrat und Gemeinderat).

Schon länger im Gespräch

Die Reform kommt rasch, aber nicht überraschend. Von der Notwendigkeit einer Struktur- und Kulturveränderung ist seit Jahren die Rede und es wurden auch schon verschiedene Anläufe dazu unternommen. Von politischer Seite ebenso wie vom Gemeinderat selber. Unter anderem hat im August 2014 Gemeindeschreiber Christoph Weibel einen Bericht zur Überprüfung der Führungs- und Verwaltungsstrukturen erarbeitet. Darauf gestützt erteilte der Gemeinderat der Firma Trigon den Auftrag zur Weiterentwicklung der Führungs- und Verwaltungsstrukturen.

Weiter sind verschiedene parlamentarische Vorstösse eingereicht worden. Unter anderem haben die Einwohnerräte Thomas Hoffmann (CVP) und Jan Luca Severa (FDP) die Einführung eines Geschäftsleitermodells auf der Verwaltung gefordert. Dieser Vorstoss wurde vom Gemeinderat entgegengenommen und ist noch hängig.

Anlass dazu gegeben, verschiedene Abläufe auf der Gemeindeverwaltung in Wohlen zu überprüfen und anzupassen, hat auch die «Affäre Dubler». Der Gemeinderat ist in diesem Zusammenhang vom Regierungsrat dazu aufgefordert worden, das interne Kontrollsystem (IKS) so einzuführen, wie es vom Gemeindegesetz verlangt wird.

Billiger wird es sicher nicht

Was laut Gemeinderat (der an der Präsentation des Konzepts für die Medien vollzählig anwesend war) klar ist: Die Verwaltungsreform ist keine Sparübung. Im Gegenteil ist sogar damit zu rechnen, dass die Kosten vorerst ansteigen werden. Die Gemeinderatsbesoldung wird zwar insgesamt sinken, dafür braucht es auf der Verwaltung im Gegenzug mehr Leute.

Gemeinderat und Gemeindeschreiber gaben sich an der Medienkonferenz allerdings davon überzeugt, dass sich das neue Führungsmodell mittel- und vor allem längerfristig auszahlt. Zum einen, erklärte Christoph Weibel, könne der Service für die Einwohnerschaft umgehend deutlich verbessert werden. Zum andern liessen sich dank der gestiegenen Effizienz auf der Verwaltung Kosten senken und zusätzliche Einnahmen generieren.