Park innovAARE
In Villigen soll mit 165 Millionen-Projekt das «Silicon Valley» konkurriert werden

Ein Innovationspark neben dem Forschungsinstitut PSI in Villigen soll Firmen anziehen, die diese Nähe nutzen, um neue Produkte zu entwickeln. Das Interesse ist schon so gross, dass bereits 165 Millionen investiert werden.

Mathias Küng
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«Silicon Valley» der Schweiz in Villigen neben dem Forschungsinstitut PSI
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Eine der geplanten Büro- und Laborräumlichkeiten.
So soll sich der Gebäudekomplex nach der Realisierung präsentieren.

«Silicon Valley» der Schweiz in Villigen neben dem Forschungsinstitut PSI

Visualisierungen ZVG

Vor genau zwei Jahren wurde im Aargau die innovAARE AG gegründet. Deren Ziel ist die Ansiedlung von forschungsnahen, innovativen Firmen in einem Park innovAARE in unmittelbarer Nähe zum Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen. Das Projekt ist Teil des nationalen Innovationsparks (vgl. nebenstehenden Artikel). Im September 2016 konnte ein erster kleiner Pavillon gebaut und eröffnet werden, in den sogleich erste Firmen einzogen. Der ist für inzwischen acht Firmen mit 26 Arbeitsplätzen schon viel zu klein. So soll jetzt die erste Etappe des Innovationsparks realisiert werden. Dies gaben die Verantwortlichen gestern in Villigen bekannt.

Für das 165-Millionen-Franken-Projekt wurde das Baugesuch gestern eingereicht. Die Verantwortlichen hoffen laut CEO Daniel Kündig auf die Baubewilligung bis im September, sodass im Oktober der Spatenstich erfolgen und der erste Bagger auffahren könnte.
Falls auch weiter alles rund läuft, sollen die ersten Arbeitsplätze schon im zweiten Quartal 2020 bezugsbereit sein. Geplant sind laut Kündig mehr als 35 000 m2 hochmoderne und zugleich hochflexible Flächen für Labors, Reinräume, Werkstätten und Büros. Realisiert wird das Projekt von der Erne AG Holzbau als Totalunternehmerin. Für Entwurf und Planung zeichnet das Zürcher Büro Hornberger Architekten verantwortlich. Die beiden Firmen hatten 2011 einen Investorenwettbewerb für sich entscheiden können.

Diese 8 Firmen sind schon da

- Advanced Accelerator Technologies AG ist ein Systemanbieter für Teilchenbeschleuniger.

- leadXpro AG spezialisiert sich auf Membranproteine mit dem Ziel der Entwicklung und Optimierung von medizinischen Wirkstoffen.

- nomoko AG entwickelt eine neue Technologie für extrem hochauflösende Kameras.

- Excelsus Structural Solutions AG bietet analytische Services, um Auswahl, Entwicklung und Herstellung qualitativ hochwertiger (bio-)pharmazeutischer Produkte zu verbessern.

- InterAxBiotech AG unterstützt die Wirkstoffsuche von neuen funktionell-selektiven Medikamenten.

- SwissHydrogen entwickelt, basierend auf Wasserstoff, Lösungen etwa für emissionsfreie Stromproduktion.

- Crystallize!AG bietet kristallografische Dienstleistungen im Bereich kleiner Moleküle an.

- novoMOF AG hat eine neuartige Technologie entwickelt, um unterschiedliche metall-organische Gerüste effizienter zu produzieren. (MKU)

Höchste Ansprüche an sich selbst

Während der Bauphase wird dem Betrieb der benachbarten PSI-Grossforschungsanlagen Rechnung getragen. Schwere Arbeiten finden nur zu den geplanten Ausserbetriebnahmen dieser Anlagen statt. Besonderen Wert legt man auf die Nachhaltigkeit der Gebäude. Man gehöre damit nicht zu den Günstigsten, müsse aber wettbewerbsfähig sein, betonte Kündig. Er machte auch gleich den eigenen Anspruch deutlich: Die Konkurrenz sitze im Silicon Valley, in Japan oder Oxford.

Das Bauprojekt geniesst offenkundig in der Region grosse Zustimmung, wie den Erläuterungen von Gemeindeammann Jakob Baumann zu entnehmen war. Die Gemeinde hat vor Jahren in weiser Voraussicht Land entsprechend eingezont. Baumann ist überzeugt, dass es Villigen auf die internationale Innovationslandkarte schafft.

«Wir sollen nicht nur Dividenden für frühere Innovationen abholen, sondern mit neuen Innovationen der nächsten Generation Chancen eröffnen», lautet Prof. Daniel Kündig, CEO innovAARE AG, Vision

«Wir sollen nicht nur Dividenden für frühere Innovationen abholen, sondern mit neuen Innovationen der nächsten Generation Chancen eröffnen», lautet Prof. Daniel Kündig, CEO innovAARE AG, Vision

zvg

Investor hält sich noch bedeckt

21 000 m2 können für Arbeitsplätze genutzt werden. Rund 70 Prozent davon sind bereits reserviert. Die künftigen Mieter seien Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie, Materialwissenschaften, Energie und Beschleunigertechnologie sowie das Paul Scherrer Institut. Manche dieser Firmen sind bereits heute in einem für die Zwischennutzung geschaffenen Bürogebäude angesiedelt.

Kündig mit Blick auf die reservierten Flächen: «Wir werden einen fantastischen Start haben.» Wer hier so viel Geld investiert, mochte er nicht sagen. Der Investor werde bekannt gegeben, wenn Planungssicherheit gegeben ist bzw. die Baubewilligung vorliegt. In den Bau flössen keine Subventionen. Um Ergebnisse der Spitzenforschung in marktreife Innovationen zu transformieren, seien zwei Dinge entscheidend, sagte Kündig weiter: «Raum zur Entfaltung für die Unternehmen und ein funktionierendes Innovations-Ökosystem.» Für beides böten die Bauten in direkter Nachbarschaft zum PSI die besten Voraussetzungen.

Im Aargau entsteht einer von fünf Schweizer Innovationsparks. Er ist breit abgestützt.

Für die Entwicklung innovativer Ideen zu marktfähigen Produkten soll «Switzerland Innovation» in- und ausländischen Unternehmen die besten Standorte in der Schweiz bieten: erstklassig erschlossen, hochschulnah, entwicklungsfähig und attraktiv gelegen. Gesamtschweizerisch gibt es fünf regionale Standorte: in Lausanne, Biel, Basel, Zürich und Villigen. Basis dafür war eine Botschaft des Bundesrates für einen schweizerischen Innovationspark als Bekenntnis zum Denk- und Werkplatz Schweiz.
Der Innovationsstandort soll im Aargau mit dem Park InnovAARE beim Paul Scherrer Institut PSI angesiedelt werden. Hier stehen Innovationen in den Themen Beschleunigertechnologie, neue Materialien, Mensch und Gesundheit sowie – naheliegenderweise für den Energiekanton Aargau – Energie im Mittelpunkt. Ziel in Villigen ist, gestaltungswillige, innovative Leute aus Grossunternehmen, KMU und Forschungsinstitutionen des In- und Auslands zu verbinden. Die Idee dahinter: Wenn es gelingt, die richtigen Leute miteinander zu verknüpfen, können Innovationen schneller zur Marktreife gebracht werden.
Die innovAARE AG als Träger- und Betreibergesellschaft des Switzerland Innovation Park innovAARE ist mit derzeit 35 Aktionären, darunter vor allem KMU und Grossunternehmen aus dem Kanton Aargau, breit abgestützt. An der innovAARE AG ist überwiegend die Privatwirtschaft mit Grossunternehmen und zahlreichen KMU beteiligt. Neben der Privatwirtschaft sind als öffentliche Träger der Kanton Aargau, das Paul Scherrer Institut PSI, die Fachhochschule Nordwestschweiz sowie die Standortgemeinden Villigen und Würenlingen im Aktionariat vertreten. Gestützt auf einen Grossratsbeschluss beträgt die Beteiligung des Kantons Aargau am Aktienkapital der innovAARE AG 330 000 Franken. Die Hoffnung ist, dass der Park als Teil des schweizerischen Innovationsparks den Werk- und Forschungsplatz Aargau stärkt und die Schweiz international als Innovationsstandort profiliert.» (MKU)

Doch wie sieht das PSI selbst den neuen Nachbarn? Laut PSI-Bereichsleiter Peter Allenspach will das Forschungsinstitut «seine Aktivitäten im Bereich des Wissens- und Technologietranfers noch weiter ausbauen». Deshalb sei der Park innovAARE für sie von strategischer Bedeutung. Man wünsche sich, dass sich hier Unternehmen ansiedeln, «die von einer unmittelbaren räumlichen Nähe zu unseren Spitzenforschungsanlagen und unserem Expertenwissen profitieren möchten».

Unterführung zum PSI

Die Realisierung der ersten Etappe umfasst ein Gesamtvolumen von 190 000 m3 und vier Gebäudeteile. Einige der künftigen Mieter wurden in die Planung einbezogen, etwa die bereits hier eingemietete, auf die Entdeckung von neuen pharmazeutischen Wirkstoffen von Membranproteinen spezialisierte leadXpro AG. Sie will mit rund 1000 m2 ein ganzes Geschoss belegen. Da Labor- und Büroplatz auf dem PSI-Gelände sehr begrenzt sind, war es für Michael Hennig von leadXpro «vom ersten Tag an eine entscheidende Frage, wie wir das Wachstum der Firma hier in Villigen sicherstellen können». In den Neubau einziehen zu können, sei ein wesentlicher Standortvorteil für die Firma, sagte Hennig vor den Medien.

Den Kommentar dazu lesen Sie hier.