Vor genau zwei Jahren wurde im Aargau die innovAARE AG gegründet. Deren Ziel ist die Ansiedlung von forschungsnahen, innovativen Firmen in einem Park innovAARE in unmittelbarer Nähe zum Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen. Das Projekt ist Teil des nationalen Innovationsparks (vgl. nebenstehenden Artikel). Im September 2016 konnte ein erster kleiner Pavillon gebaut und eröffnet werden, in den sogleich erste Firmen einzogen. Der ist für inzwischen acht Firmen mit 26 Arbeitsplätzen schon viel zu klein. So soll jetzt die erste Etappe des Innovationsparks realisiert werden. Dies gaben die Verantwortlichen gestern in Villigen bekannt.

Für das 165-Millionen-Franken-Projekt wurde das Baugesuch gestern eingereicht. Die Verantwortlichen hoffen laut CEO Daniel Kündig auf die Baubewilligung bis im September, sodass im Oktober der Spatenstich erfolgen und der erste Bagger auffahren könnte.
Falls auch weiter alles rund läuft, sollen die ersten Arbeitsplätze schon im zweiten Quartal 2020 bezugsbereit sein. Geplant sind laut Kündig mehr als 35 000 m² hochmoderne und zugleich hochflexible Flächen für Labors, Reinräume, Werkstätten und Büros. Realisiert wird das Projekt von der Erne AG Holzbau als Totalunternehmerin. Für Entwurf und Planung zeichnet das Zürcher Büro Hornberger Architekten verantwortlich. Die beiden Firmen hatten 2011 einen Investorenwettbewerb für sich entscheiden können.

Höchste Ansprüche an sich selbst

Während der Bauphase wird dem Betrieb der benachbarten PSI-Grossforschungsanlagen Rechnung getragen. Schwere Arbeiten finden nur zu den geplanten Ausserbetriebnahmen dieser Anlagen statt. Besonderen Wert legt man auf die Nachhaltigkeit der Gebäude. Man gehöre damit nicht zu den Günstigsten, müsse aber wettbewerbsfähig sein, betonte Kündig. Er machte auch gleich den eigenen Anspruch deutlich: Die Konkurrenz sitze im Silicon Valley, in Japan oder Oxford.

Das Bauprojekt geniesst offenkundig in der Region grosse Zustimmung, wie den Erläuterungen von Gemeindeammann Jakob Baumann zu entnehmen war. Die Gemeinde hat vor Jahren in weiser Voraussicht Land entsprechend eingezont. Baumann ist überzeugt, dass es Villigen auf die internationale Innovationslandkarte schafft.

«Wir sollen nicht nur Dividenden für frühere Innovationen abholen, sondern mit neuen Innovationen der nächsten Generation Chancen eröffnen», lautet Prof. Daniel Kündig, CEO innovAARE AG, Vision

«Wir sollen nicht nur Dividenden für frühere Innovationen abholen, sondern mit neuen Innovationen der nächsten Generation Chancen eröffnen», lautet Prof. Daniel Kündig, CEO innovAARE AG, Vision

Investor hält sich noch bedeckt

21 000 m² können für Arbeitsplätze genutzt werden. Rund 70 Prozent davon sind bereits reserviert. Die künftigen Mieter seien Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie, Materialwissenschaften, Energie und Beschleunigertechnologie sowie das Paul Scherrer Institut. Manche dieser Firmen sind bereits heute in einem für die Zwischennutzung geschaffenen Bürogebäude angesiedelt.

Kündig mit Blick auf die reservierten Flächen: «Wir werden einen fantastischen Start haben.» Wer hier so viel Geld investiert, mochte er nicht sagen. Der Investor werde bekannt gegeben, wenn Planungssicherheit gegeben ist bzw. die Baubewilligung vorliegt. In den Bau flössen keine Subventionen. Um Ergebnisse der Spitzenforschung in marktreife Innovationen zu transformieren, seien zwei Dinge entscheidend, sagte Kündig weiter: «Raum zur Entfaltung für die Unternehmen und ein funktionierendes Innovations-Ökosystem.» Für beides böten die Bauten in direkter Nachbarschaft zum PSI die besten Voraussetzungen.

Baueingabe „innovAARE AG“

Baueingabe „innovAARE AG“

Das Grossprojekt „Park InnovAARE“ hat das Baugesuch für den Gebäudekomplex auf dem PSI-Areal eingegeben. Kosten des Projekts: Rund 165 Mio. Franken.

Doch wie sieht das PSI selbst den neuen Nachbarn? Laut PSI-Bereichsleiter Peter Allenspach will das Forschungsinstitut «seine Aktivitäten im Bereich des Wissens- und Technologietranfers noch weiter ausbauen». Deshalb sei der Park innovAARE für sie von strategischer Bedeutung. Man wünsche sich, dass sich hier Unternehmen ansiedeln, «die von einer unmittelbaren räumlichen Nähe zu unseren Spitzenforschungsanlagen und unserem Expertenwissen profitieren möchten».

Unterführung zum PSI

Die Realisierung der ersten Etappe umfasst ein Gesamtvolumen von 190 000 m³ und vier Gebäudeteile. Einige der künftigen Mieter wurden in die Planung einbezogen, etwa die bereits hier eingemietete, auf die Entdeckung von neuen pharmazeutischen Wirkstoffen von Membranproteinen spezialisierte leadXpro AG. Sie will mit rund 1000 m² ein ganzes Geschoss belegen. Da Labor- und Büroplatz auf dem PSI-Gelände sehr begrenzt sind, war es für Michael Hennig von leadXpro «vom ersten Tag an eine entscheidende Frage, wie wir das Wachstum der Firma hier in Villigen sicherstellen können». In den Neubau einziehen zu können, sei ein wesentlicher Standortvorteil für die Firma, sagte Hennig vor den Medien.

Den Kommentar dazu lesen Sie hier.