Unwetter

In Uerkheim gilt noch immer: Schaufeln statt Rasen mähen

Dieses halb eingestürzte Haus wird gerettet, andere Gebäude mussten abgerissen werden. Rahel Wirz

Dieses halb eingestürzte Haus wird gerettet, andere Gebäude mussten abgerissen werden. Rahel Wirz

Hangrutsche, zerstörte Häuser, verschlammte Bäche – noch immer sind in Uerkheim Dutzende Zivilschützer im Einsatz.

Das Schulhausareal in Uerkheim steht nicht verlassen da, so wie es in den Sommerferien üblich ist. Auf dem Pausenplatz parken seit dem Unwetter Dutzende Autos, der Eingangsbereich der Turnhalle ist zum Pausenraum umfunktioniert worden, Einsatzpläne hängen an mehreren Stellwänden. Vor Letzteren ist Yvo Laib, der Chef des Regionalen Führungsorgans (RFO), zu finden. Seit zwei Wochen ist er im Einsatz. Die Aufräumarbeiten dauern sicher noch bis August an. Danach bearbeitet das Führungsorgan mögliche Begehren der Gemeinden. Laib schätzt, dass zwischen 30 und 40 Zivilschützer dafür gebraucht werden.

«50 Zivilschützer wurden für die erste Nacht angefordert. Knapp 30 erschienen bereits innerhalb der nächsten Stunde», erinnert er sich an den 8. Juli zurück.

Immenser Schaden

Bis Mitternacht trafen zahllose Schadensmeldungen ein. In der ersten Woche waren es durchschnittlich zwischen 25 bis 50 pro Tag, die das RFO bearbeiten musste. Die mittlerweile leergeräumten Strassen lassen nicht mehr erahnen, mit welcher Gewalt das Gewitter das Uerkental getroffen hat. Dass einige Strassenabschnitte über einen Meter unter Wasser standen. Und Parkplätze völlig verschlammt waren. Dies ist auch den vielen unterstützenden Unternehmen zu verdanken, die unkompliziert und unbürokratisch Hilfe leisteten. «Als ich am Samstag vor zwei Wochen hier eintraf, erinnerte die Szenerie an ein Kriegsgebiet», sagt Albin Seiler, Kommandant des Zivilschutzes Uerkental.

Ungefähr 600 Manntage Zivilschutzleistungen sind ins Uerkental investiert worden. Ohne die erfreuliche Zusammenarbeit mit dem Kanton und der neuen Koordinationsstelle Zivilschutz hätte das Aufgebot von 70 bis 170 Zivilschützern am Tag kaum so reibungslos funktioniert. Gerade für die betroffenen Unternehmen war der Zivilschutz eine unglaublich grosse Hilfe. So auch für die Transportfirma Räbmatter, dessen Hinterhalle mannshoch unter Wasser stand.

Die Frage des Militäreinsatzes

Zu verdanken ist die grossartige Hilfe auch dem RFO, das anhand von Gesuchen Unterstützung anfordert. Diese wäre von der Armee zur Hangsicherung besonders notwendig. Zurzeit sind die kritischen Stellen gut sichtbar mit Plastik stabilisiert. Noch wehrt sich der Aargauische Baumeisterverband gegen den Einsatz der Armee. Das RFO hat bei ihm ein Wiedererwägungsgesuch eingereicht. Yvo Laib ist zuversichtlich, die Bewilligung doch noch zu erhalten. «Ich konnte mit dem Verantwortlichen reden und ihm die Lage schildern. Einer Bewilligung sollte nichts mehr im Wege stehen», sagt er.

Keine Wartezeit benötigte die Sofort- und Spontanhilfe für die Direktbetroffenen. Dank dem RFO wurde Schlamm abgepumpt, gereinig und Räume mit Entfeuchtern versorgt. Alles Weitere ist Sache der Gemeinde und der Privatversicherungen. «Für Härtefälle haben wir Gesuche an den Unwetterfonds der Mobiliar geschrieben», erklärt Laib.

Überschwemmung in Uerkheim

Überschwemmung in Uerkheim

Diese Bilder zeigen eindrücklich, wie Uerkheim beim Unwetter vom 8. Juli 2017 überschwemmt wurde. 

Geschädigt wurden nebst dem Dorflädeli und dem Tattoostudio diverse Schutzräume. Zivilschutz-Kommandant Seiler hat in dieser Angelegenheit im Nachhinein viele Anrufe erhalten. «Die Sache ist mir ein persönliches Anliegen», sagt er. Diese Schutzräume sollen nicht verlottern. Schäden müssen jetzt bearbeitet werden.

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