Rauchverbot
In über 500 Beizen wird im Aargau noch geraucht

Die Lungenliga-Initiative würde die Aargauer Gastrolandschaft markant verändern. Wird die Rauchverbots-Initiative am 23. September angenommen, haben Aargauer Beizer 16 Millionen Franken in den Sand gesetzt.

Urs Moser
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Im Aargau ist es für die Raucher immer noch leicht, im Ausgang weiter ihrem Laster zu frönen. Ein Ja zur Lungenliga-Initiative würde das ändern.

Im Aargau ist es für die Raucher immer noch leicht, im Ausgang weiter ihrem Laster zu frönen. Ein Ja zur Lungenliga-Initiative würde das ändern.

Keystone

Es gibt keine Erhebungen darüber, wie sich das Rauchverbot mit Ausnahmen seit Mai 2010 auf die Aargauer Gastronomie ausgewirkt hat. Dementsprechend ist auch schwierig zu prophezeien, welche Folgen eine weitere Verschärfung der Bestimmungen zum Schutz vor Passivrauchen hätte. Eines lässt sich aber sagen: Wird die eidgenössische Rauchverbots-Initiative am 23. September angenommen, haben Aargauer Beizer 16 Millionen in den Sand gesetzt.
So viel dürfte in die Einrichtung von Fumoirs investiert worden sein, und das liesse sich kaum amortisieren, wenn nur noch Raucherräume ohne Bedienung erlaubt wären, trotz Sponsoring durch die Tabakindustrie. 50 000 Franken, so viel sei im Durchschnitt sicher in die Einrichtung eines gesetzeskonformen Fumoirs (Lüftung, automatisch schliessende Türen) investiert worden, sagt Josef Füglistaller, Präsident von GastroAargau. Und solche Fumoirs gibt es im Kanton 319 Stück. Sie sind zwar nicht bewilligungspflichtig, aber seit Inkrafttreten der Bundesbestimmungen zum Nichtraucherschutz dürften alle Gastrobetriebe einmal kontrolliert worden sein. Und dabei hat das Lebensmittelinspektorat eben 319 Raucherräume registriert.
In über 500 Beizen wird geraucht
Nach einem Ja zur Initiative würde die Aargauer Gastrolandschaft rauchtechnisch noch einmal grundlegend verändert. Der Aargau gehört zu den 11 Kantonen, die nur die Bundesbestimmungen übernommen und keine weitergehenden Vorschriften für den Nichtraucherschutz erlassen haben. Bis zu einer Fläche von maximal 80 Quadratmetern können deshalb hierzulande Gaststätten auch ohne abgetrennten Fumoir weiterhin als Raucherlokale betrieben werden. Derzeit verfügen 200 Betriebe über eine entsprechende Bewilligung. Somit wird also in über 500 Aargauer Beizen trotz generellem Rauchverbot munter weiter gepafft - ganz legal.
Das heisst: In jedem fünften Gastgewerbebetrieb darf man nach wie vor zur Zigarette greifen, Vereinslokale, Betriebskantinen und Takeaways inklusive. Dazu kommt eine unbekannte Zahl von Gaststätten, die von einer Lücke profitieren, die der Gesetzgeber wohl unabsichtlich offen gelassen hat: Verfügt ein Betrieb über genügend grosse Nebenräume, braucht er für die rauchenden Gäste kein Extraabteil abzutrennen, sondern kann kurzerhand zum Beispiel den grossen Saal zur Nichtraucherzone erklären und die ganze Gaststube, die Kernbeiz quasi, zum Fumoir erklären. Zumindest eines müssen auch die Gegner der Lungenliga-Initiative zugeben: Sie würde eine Wettbewerbsverzerrung ausräumen und für alle Wirte gleich lange Spiesse schaffen.
Es kommen nicht mehr Gäste
GastroAargau stemmt sich dennoch vehement dagegen. Allerdings will man nicht über drohende Umsatzeinbussen wegen dem Wegbleiben rauchender Gäste klagen. «Das ist kein Argument für die Stimmbürger», sagt Präsident Josef Füglistaller. Hingegen appelliert er an deren liberales Gewissen: «Die Initiative ist kein Problem des Gastgewerbes, sondern ein Problem der Gesellschaft. Wo kommen wir hin, wenn die Reglementierungs- und Verbotsmentalität immer mehr um sich greift, jetzt langts doch langsam», ereifert sich Füglistaller.
Man muss den Wirtepräsidenten, der auf keinen Fall für seine Mitglieder «jammern und um Erbarmen bitten» will, schon fast nötigen, doch eine wirtschaftliche Bilanz zu ziehen:
Nach Inkrafttreten der Bundesbestimmungen zum Nichtraucherschutz verzeichneten tatsächlich viele Betriebe massive Umsatzeinbussen. Sogar mit dem Rauchverbot begründete Schliessungen waren keine Seltenheit, wobei man hier allerdings eher von einer Beschleunigung des ohnehin stattfindenden Strukturwandels ausgeht.
Nicht erfüllt hat sich die Hoffnung, dass rauchfreie Beizen mehr nichtrauchende Gäste anziehen, die früher zu Hause blieben. Hingegen stellt man fest, dass die Raucher weniger lang sitzen bleiben und entsprechend weniger konsumieren.
Probleme sieht man vor allem auf die 200 heute noch als Raucherbeizen geführten Lokale zukommen. Viele dürften die Umstellung nicht ohne weiteres schaffen, weil sie wirklich hauptsächlich von rauchenden Gästen leben, die vielleicht sogar ihrem früheren Stammlokal den Rücken kehrten.